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Die Kunst kommt hoch zu Ross
Malerei und manchmal Metallskulpturen: Der Künstler Thomas Perl verbiegt sich nicht
Veröffentlicht am Sunday, 27. February 2011
Von Marion Korth
Braunschweig. Da steht ein Pferd in der Fußgängerzone. Der Künstler Thomas Perl hat es gestaltet. Eine Auftragsarbeit, aber eine mit Bezug zu seiner Person.
Am Hals klebt eine Zeitungsseite der nB. „Vom 6. Mai 1993“ sagt Perl. Damals malte er für einen guten Zweck, das war der nB einen Bericht wert. Jetzt kommt Perl wieder in die Zeitung, wegen des Pferdes, wegen seiner aktuellen Werke, die er bis Freitag in der Galerie Jaeschke gezeigt hat, und überhaupt, weil er nicht irgendein Künstler ist.
Die nB am Hals
Das Pferd hat Perl für den Braunschweiger Zeitungsverlag, in dem auch die nB erscheint, zum Kunstwerk gemacht. Mit der Drucktechnik kennt sich der Maler und Designer aus. Setzkästen, Buchstaben, Artikel, Passkreuze, Rollen aus der Rotation – über den Körper des Tieres hat er die künstlerisch verfremdeten Versatzstücke der Zeitungsproduktion bis hin zu fertigen Artikeln verteilt. Die Braunschweiger Zeitung spielt dabei eine tragende Rolle. „Ich zitiere mich selbst, aber auch die ganze Zeitungsgeschichte“, erläutert er. Der Standort für das Pferd, das für die 10. Löwen Classics in der VW-Halle wirbt, ist bewusst gewählt: Die City-Geschäftsstelle der Zeitung hat das Tier im Rücken, seinen Blick hat es hinüber zur Galerie Jaeschke gerichtet. „Mit einem Augenzwinkern hat es den Fokus auf die Kunst gelegt“, sagt Perl.
Der Auftrag sei für ihn ein Heimspiel gewesen. „Mein Vater war Designer, ich auch, bin dann aber in die künstlerische Richtung geschwenkt. Bei einem Praktikum in der Zeitung habe ich noch den Bleisatz kennengelernt“, erzählt Perl. In der Druckerei war es laut und dreckig. Die Setzer hatten Gläser mit Milch oder Yoghurt an ihren Arbeitsplätzen stehen. „Zum Entgiften“, sagt Perl. Bleischwere Erinnerungen trägt er, der in Köln geboren wurde, mit sich herum, wohnte einst in der Bleifelder Straße nahe eines einstigen Bleibergwerkes. Das Blei hat den Weg in seine Kunst gefunden. Perl lötet und biegt, mag den metallischen Glanz und die reduzierte Farbigkeit seiner Skulpturen.
Aber er kann auch ganz anders, dann greift er zum Pinsel und farblich in die Vollen. Die „blaue Phase“ hat er hinter sich, schwelgt jetzt lieber im warmen Farbspektrum. Hat sich etwas verändert? „Ja, ich bin vor zehn Jahren ins Weserbergland gezogen.“ Perl wohnt jetzt mit Frau und Katze auf einem alten Bauernhof. Sein Atelier ist 200 Quadratmeter groß, so viel Raum und Licht hatte er noch nie um sich herum gehabt. Und dann ist da noch die Sonne, die seine Frau Antonia Caballero-Carreno ausstrahlt. Sie kommt aus Sevilla, malt auch selbst, schneidert ihre eigene Mode. Vor allem aber sei sie eine Lebenskünstlerin. „Ohne sie wäre ich nicht da, wo ich jetzt bin“, sagt Thomas Perl.
„Schau genau hin“
In seine Gemälde muss der Betrachter hineintauchen, nichts erklärt sich auf den ersten Blick, vielleicht auch nicht auf den zweiten. Die Auseinandersetzung ist gewünscht. „Meine Botschaft lautet: Schau mal genauer hin.“ Die Reizüberflutung, die Welt der bunten Fernsehbilder mache blind für die kleinen und manchmal auch für die wichtigen Dinge im Leben. „Aber ich bin kein Weltverbesserer“, sagt Perl und lacht.
Workshop
Der Maler und Designer Thomas Perl und der Kunsthändler Olaf Jaeschke veranstalten vom 23. bis 25. März den Workshop „Art-life meets life-art“ im Berghotel Ilsenburg.
In der Schule des Sehens werden verschiedene Zeichentechniken und Stile vorgestellt, in der Schule des Empfindens sollen die Teilnehmer an Möglichkeiten der Relief- und Collagetechniken herangeführt werden, am dritten Tag geht es in der Schule der Farben um Farben und ihre Wirkung.
Anmeldungen und Informationen in der Galerie Jaeschke unter 24 31 20.




