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Kinder-Uni im Schwedenheim

Acht- bis Zwölfjährige aus dem Westlichen Ringgebiet und der Weststadt lauschen Vorlesungen

Veröffentlicht am Sonntag, 07. Februar 2010 Kinder mit Professor Peter EiltsVon Martina Jurk 

Braunschweig. Die Kinder-Uni Braunschweig gibt „Gastspiele“ für Acht- bis Zwölfjährige aus dem Westlichen Ringgebiet und der Weststadt. In diesen sozialen Brennpunkten der Stadt haben die Kinder eher selten die Möglichkeit, solche Bildungsangebote zu nutzen. Am Freitag lauschten rund 80 kleine Zuhörer der Vorlesung „Warum fährt ein Auto?“

„Wie bewegt sich das Fahrrad vorwärts?“, fragt Professor Peter Eilts und steigt in das Thema so einfach und anschaulich wie möglich ein. Einige Kinderhände recken sich in die Höhe. „Indem man in die Pedale tritt“, sagt ein Junge. „Durch eine Kette“, antwortet ein anderer. Auf dem Tisch stehen viele Exponate, der Professor zeigt Bilder und erzählt persönliche Geschichten.
Es war die zweite Vorlesung im Rahmen eines dreiteiligen „Experiments“. Die Idee hatte Petra Klügel, Leiterin des Kinder- und Familienzentrums Schwedenheim an der Hugo-Luther-Straße. „Die Kinder der beiden Stadtteile kannten diese Form der Bildung bis dahin nicht. Deshalb ist die Kinder-Uni hier bestens aufgehoben. Nach der ersten Vorlesung waren die Kinder total begeistert und neugierig“, sagt die Initiatorin.
Ihr Anliegen ist die Nachhaltigkeit solcher Bildungsangebote. In der ersten Vorlesung im November war Professor Ulrich Joger der Frage nachgegangen, warum die Dinosaurier ausstarben. „Danach war das Thema aber für die Kinder noch nicht beendet. Sie besuchten unter anderem die Sonderausstellung, modellierten Saurier“, berichtet TU-Pressesprecherin Dr. Elisabeth Hoffmann. „Warum können Salzgurken leuchten?“ – diese spannende Frage beantwortet Professor Karl-Heinz Gericke am 12. März. Alle drei Vorlesungen wurden bereits bei der Kinder-Uni im Audimax der TU gehalten. Seit sechs Jahren zieht die Veranstaltungsreihe jedesmal mehr als 800 Kinder in ihren Bann.
„Ein Großteil der Kinder unserer Stadtteile kommt aus sozial benachteiligten Familien, und viele kommen nie aus ihrer Umgebung heraus. Sie wissen nicht, wie man lernt“, beschreibt Petra Klügel die Situation. Vielen falle es sogar schwer, eine halbe Stunde still zu sitzen. Die Initiatorin ist deshalb erstaunt, aber auch froh, dass zur ersten Veranstaltung rund 100 Kinder, zur zweiten rund 80 in den Saal des Schwedenheimes strömen. Stolz lassen die sich am Eingang ihren eigenen Studierendenausweis abstempeln. Dass sie in einer Vorlesung nicht klatschen, sondern klopfen dürfen, wissen sie auch bereits.
Die Vorlesungen werden von den Professoren unentgeltlich gehalten. Gefördert wird das Projekt von der Bürgerstiftung Braunschweig. „Wir wollen den Kindern und ihren Eltern vermitteln, dass Bildung eine Chance ist, aus ihrer Situation herauszukommen“, betont Vorstandsvorsitzender Ulrich E. Deissner. Er signalisiert, dass die Bürgerstiftung eine Fortsetzung der Vorlesungsreihe unterstützen würde. Und auch die kleinen Zuhörer fragen schon während der Vorlesung, ob es weitergeht.

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