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„Wir wollen einen Tunnel“
Waggumer machten ihrem Ärger über die Verkehrssituation in ihrem Stadtteil Luft
Veröffentlicht am Sonntag, 15. Januar 2012
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Braunschweig. Die Waggumer wollen einen Tunnel, um ihre Verkehrssituation zu verbessern. Dass sich bald etwas zum Positiven ändert, glauben viele Bürger nicht. Zweifel daran blieben auch nach der Bürgersprechstunde am Freitagabend mit dem Ersten Stadtrat Carsten Lehmann.
Knapp hundert Einwohner kamen in die Aula der Grundschule Waggum zur Bürgersprechstunde im Stadtbezirk 112 – Wabe-Schunter-Beberbach. Die „geplatzte“ sogenannte Ostumfahrung der Flughafenerweiterungsfläche brannte den Anwesenden unter den Nägeln. Zwei Stunden lang drehten sich die Fragen nur um dieses Thema. „Dass der Antrag zur ’Ostumfahrung‘ zurückgezogen wurde, erfuhren wir aus der Zeitung. Wir sind überrascht und emotional aufgewühlt, was hinsichtlich des Verkehrs am Flughafen läuft“, sagte Bezirksbürgermeister Gerhard Stülten. Carsten Lehmann, der darüber informierte, dass künftig die Dezernenten die Bürgersprechstunden wahrnehmen, bestätigte, dass die „Ostumfahrung“ von der Niedersächsischen Landesbehörde für Straßenbau und Verkehr abgelehnt wurde und deshalb nicht mehr Gegenstand des Planfeststellungsverfahrens ist. Der Grund: umweltrechtliche Bedenken.
„Wie es weitergeht, kann heute niemand beantworten“, gestand Lehmann ein. Gelächter im Publikum. „Wie wär‘s mit der Wahrheit?“, warf ein Bürger ein.
Dass es ab März eine Verkehrszählung in Waggum geben soll, brachte die Anwesenden vollends in Rage. Ihre Einwände: Es sei schon einmal gezählt worden, warum jetzt wieder? Solange der Ausbau der Bienroder Spange nicht abgeschlossen sei, sei eine Messung ohnehin nicht aussagekräftig. Um am Flughafen zwischen dem westlichen Ende des Flughafengeländes sowie der Hermann-Schlichting-Straße (Bienroder Spange) eine Sicherheitszone am Ende der Start- und Landebahn anzulegen, müssten dazu rund 30 000 Kubikmeter Boden transportiert werden. Der Lkw-Verkehr durch Waggum würde das Ergebnis der Zählung verfälschen. „Es gibt interne Verlagerungen des Verkehrs durch Waggum. Die wollen wir genauer analysieren. Wir ergänzen ein Gutachten und machen es nicht neu“, argumentierte Heinz-Georg Leuer, Fachbereichsleiter Tiefbau und Verkehr.
Warum dauere das alles so lange, wo die Landesbehörde bereits im Dezember 2010 darauf hinwies, dass die „Ostumfahrung“ rechtlich nicht möglich ist? „Warum ist ein Jahr vergangen und warum tun Sie so, als hätten Sie das gerade erst erfahren“, fragten Bürger. „Wir wünschen uns eine mitfühlende und empathische Verwaltung. Wir wollen uns nichts vorsetzen lassen und das dann fressen müssen. Wir wollen den Dialog und wir wollen den Tunnel“, sagte einer aus dem Publikum, nachdem der Ton in der Aula inzwischen rauher geworden war. Den Vorwurf, dass sich die Verwaltung nicht ernsthaft mit dem Thema beschäftige, wies Carsten Lehmann scharf zurück.
Gesucht werde jetzt nach einer Alternative zur „Ostumfahrung“. Die Flughafengesellschaft entscheide am Ende, welche Variante als Lösung infrage kommt oder ob es so bleibt wie es jetzt ist, meinte der Erste Stadtrat. Das stimmte die Bürger keinesfalls zufrieden. Einige befürchten sogar, dass das Deutsche Zentrum für Luft- und Raumfahrt (DLR) Pläne für eine erneute Flughafenerweiterung in der Schublade hat und dass deshalb kein Tunnel gebaut werde. „Uns liegen keine Erkenntnisse vor über Pläne des DLR“, sagte Boris Gelfert von der Flughafen GmbH knapp.




