• Home
  • > >
  • Als Geschenk gibt’s Swing im Hörsaal

Als Geschenk gibt’s Swing im Hörsaal

Einladung: Big Band der PTB feiert den 30. Geburtstag mit allen Freunden des Swing.

Immer montags wird der Hörsaal der PTB zum Probenraum der Big Band. Günther Wittrin leitet die Band nicht nur, er gab den Anstoß zu ihrer Gründung vor 30 Jahren. Foto: Korth

Von Marion Korth, 09.03.2018.

Braunschweig. Beschwingte Heimfahrt: Es dunkelt längst, im Kopf begleitet mich die Melodie der „Moonlight Serenade“. Im Hörsaal der PTB an der Bundesallee wird an diesem Abend noch weiter geprobt, so wie an jedem Montag. Bandleiter Günther Wittrin nimmt es diesmal ganz genau, schließlich spielt die Band sich für ihr Jubiläumskonzert am Donnerstag (15. März) im PTB-Hörsaal warm. Das Repertoire soll sitzen.

Die Big Band der PTB besteht seit 30 Jahren und macht mit dem Konzert – bei freiem Eintritt – allen Freunden des Swing ein Geschenk. Günther Wittrin ist nicht der Einzige, der von Anfang an dabei ist. Ja, mehr noch, auf seine Initiative hin wurde die Band gegründet. Mit einem Aushang am Schwarzen Brett hatte alles begonnen, prompt meldeten sich zwölf Leute zur ersten Probe. Darunter Dr. Klaus Wogram, dessen Sohn Nils Karriere als Jazzposaunist gemacht hat. Sein Vater ist offenbar sein Vorbild gewesen, denn er spielt ebenfalls Posaune und hatte als Leiter des Laboratoriums für „Musikalische Akustik“ an der PTB auch gleich einen Probenraum für die neue Band anzubieten. Seitdem ist sie fester Bestandteil im PTB-Leben. Bei der Helmholtzpreisverleihung, beim Tag der offenen Tür, bei großen Konferenzen – immer gibt die Big Band den Ton an.

Die Gründungsmitglieder von einst sind mittlerweile pensioniert. Stellvertretend könnte Günther Wittrin als lebendes Beispiel dafür gelten, dass Musik jung hält, gerade hat er seinen 89. Geburtstag gefeiert. Die Liebe zum Swing und zu den amerikanischen Big Bands in klassischer Formation, mit denen sich die Namen großer Musiker wie Benny Goodman, Glenn Miller, Duke Ellington und Count Basie verbinden, begleitet den Bandgründer und -leiter sein ganzes Leben. „Ich wollte den Sound von Glenn Miller haben“, sagt er und arbeitet bis heute mit der Big Band daran.

Aufgewachsen in der Nazizeit hatte Wittrin bis dahin eigentlich nur Märsche, Volkslieder und alte Operettentitel gehört, bis irgendwann ganz neue Töne aus dem Volksempfänger kamen. Sein Vater hörte – verbotenerweise – amerikanische Musik. „Ich habe danach versucht, die Stücke aus dem Gedächtnis am Klavier nachzuspielen, denn Noten dafür gab es nirgends“, erinnert sich Wittrin. Auch daran, wie sein Vater erschreckt und mit den Worten „Bist Du verrückt?!“ das geöffnete Fenster schloss, als Günther gerade wieder am Klavier saß.

Die alten Titel aus den 1930er bis 1950er Jahren finden sich auch heute noch im Repertoire: „Take the A-Train“, „Tuxedo Junction“ oder eben Glenn Millers „Moonlight Serenade“. Richtig „jung“ ist dagegen „Fly me to the Moon“, das Frank Sinatra Anfang der 1960er sang. Nach Meinung einiger Bandmitglieder der Kategorie „Schmalzkram“ zuzurechnen. Sängerin Birgit Eppinger mag solche Balladen. Und bei Stücken wie dem niederländischen „Muziek voor Mitzi“, da sind dann wieder alle Musiker begeistert dabei. „Ich bin nicht so streng, es soll ja Spaß machen“, sagt Wittrin von sich selbst. Alles durchgehen lässt er trotzdem nicht: „Da brauche ich noch ein bisschen Power da hinten!“

Die hörbare Spielfreude und das entspannte Miteinander verschmelzen an diesem ganz gewöhnlichem Probenabend mit Noten und Tönen zu einem besonderen Erlebnis. Mehr davon gibt’s beim „Swing im Hörsaal“.

^