„Bahnstadt“ nimmt Formen an

Nach einer Bürgerinformation kommt das Projekt nun über die Ausschüsse in den Rat der Stadt.

Stadtbaurat Heinz Leuer stellt das Projekt „Bahnstadt“ in der Stadthalle vor. Angestrebt wird, ein 144 Hektar großes Areal zwischen Hauptbahnhof und A 39 mit Hilfe eines Förderprogrammes komplett neu zu ordnen. Foto: Konrad

Von Andreas Konrad, 21.04.2018.

Braunschweig. Pflichttermin für eine ehrgeizige Vision: Am Dienstag stellten Stadtbaurat Heinz Leuer, Fachbereichsleiter Thorsten Warnecke und der Geschäftsführer des Sanierungsträgers BauBeCon, Rolf Schütte, das Projekt „Bahnstadt“ (wir berichteten) der Öffentlichkeit vor. Und dabei gab es unter den rund
200 Interessierten in der Stadthalle nicht nur Beifall.

„Die machen uns platt“, fasste Kurt-Peter Lange, Vorsitzender des Kleingartenverein Sonnenschein, die Sorgen seiner Mitglieder zusammen. Die Parzellen der Gärtner liegen genau zwischen der Salzdahlumer Straße und dem ehemaligen Eisenbahnausbesserungswerk an der A 39, das zum Gewerbegebiet werden und über die Salzdahlumer Straße erschlossen werden soll. Einer Erschließung von der anderen Seite, über die Lindenbergallee, erteilte Leuer eine klare Absage. Die Verbindungsstraße sei für das Projekt unerlässlich, der Gartenverein werde keine Flächen verlieren, es könne aber zu Verschiebungen kommen, sagte Leuer.

Andere Zuhörer äußerten Bedenken des Lärm- und Umweltschutzes, wünschten sich ein eigenes Erschließungssystem für den Fuß- und Radverkehr oder – gewissermaßen als touristische Attraktion – eine Seilbahn über den Hauptbahnhof. Auch Ängste vor einem zu starken Rückbau des Güterbahnhofs oder einer Gentrifizierung durch steigende Mieten im Bebelhof wurden laut.

Denn gerade dieser Stadtteil werde profitieren, stellte
Warnecke einige Ideen vor. Demnach solle die hohe Mauer an der Borsigstraße verschwinden, die den Bebelhof nach Norden vollkommen von der Innenstadt abschneidet, eine direkte Fuß- und Radwegverbindung zwischen Bebelhof und Bahnhof sei geplant und schließlich solle vor allem das Ringgleis im Süden fortgeführt werden.

Kosten von rund 50 Millionen Euro hat die Stadt in einem ersten Entwurf kalkuliert. Die größten Positionen darunter sind rund 13,6 Millionen für den Rückbau der Bahnanlagen, 15 Millionen für Erschließungsmaßnahmen und neun Millionen für das Ringgleis. Wie Schütte, der mit seiner Firma das Antragsverfahren begleitet, erläuterte, werde die Stadt Anfang Juni Fördermittel für die städtebauliche Entwicklung beim Land beantragen, wenn der Rat der Stadt dies genehmigt. Die Unterlagen werden derzeit für die Gremien vorbereitet, die Bürgerbeteiligung sei Teil des Verfahrens, so Schütte weiter. Sollte das Niedersächsische Ministerium für Umwelt, Energie, Bauen und Klimaschutz dem Braunschweiger Antrag folgen, was Leuer sehr optimistisch einschätzt, käme ein 15-jähriger Prozess in Gang, so lang ist der Förderzeitraum. Eine Entscheidung dazu wird für Anfang 2019 erwartet. Die Kosten von rund
50 Millionen Euro würden zwischen Bund, Land und Stadt gedrittelt, das heißt, die Stadt hätte pro Jahr etwas mehr als eine Million Euro zu tragen. Leuer forderte die Braunschweiger auf, sich an dem Prozess, der in kleinen Abschnitten über den Förderzeitraum laufen wird, zu beteiligen. Nichts sei zum jetzigen Zeitpunkt endgültig beschlossen, die Diskussion darf weitergehen.

^