Ein starkes Stück

Das Sagas.Ensemble überzeugt mit Dickens „Eine Weihnachtsgeschichte“ im Staatstheater.

Großartige Schauspieler, schöne Musik, sehr gutes Licht: „Eine Weihnachtsgeschichte nach Charles Dickens“ mit Miroslav Nemec und Udo Wachtveitl im Staatstheater. Foto: Markus Hörster/BestPixels.de

Von Ingeborg Obi-Preuß, 16.12.2017.

Braunschweig. Eine komplexe Geschichte, klug verdichtet auf zwei Schauspieler und ein Musikensemble, sanft modernisiert, ein cooles Lichtkonzept: das Sagas.Ensemble gastierte mit Charles Dickens’ „Eine Weihnachtsgeschichte“ im Staatstheater. Das Publikum war hin und weg.

Miroslav Nemec und Udo Wachtveitl, vor allem bekannt als Tatortkommissare aus Bayern, überzeugen in der Inszenierung von Martin Mühleis (der mit Bühnenbearbeitungen von literarischen Werken in den vergangenen Jahren große Erfolge gefeiert hat), Libor Síma hat eigens die Musik für dieses Bühnenmärchen komponiert. Und so tragen Violinen und Cellos die Geschichte um den Egomanen Ebenezer Scrooge, dem die Geister einer Nacht die verblendeten Augen öffnen.

Miroslav Nemec lebt, wütet und leidet auf der Bühne als Ebenezer Scrooge, gibt dem hartherzigen Geizhals durch die schlüssige Entwicklung eine menschliche Seite.
Udo Wachtveitl springt geradezu in alle anderen Rollen, Mimik, Habitus und Stimme ändern sich blitzartig, mal raunt und quietscht er als Geist von Scrooges Geschäftspartner Marley die Warnungen in den schwarzen Bühnenraum, als Schwester des Geizhalses ist er ein Ausbund an Herzlichkeit und als Geist der Zukunft ein Komödiant. Und verdattert wie ein kleiner Junge kann er auch noch gucken.

Witzige Regieeinfälle – Wachtveitl stolpert als Geist mit Tuch über dem Kopf tolpatschig gegen die Bühnenwand – und humorvolle Spontanreaktionen der Darsteller bei kleinen Patzern, sorgen für den Humor.

Aber: Am stärksten ist die Geschichte – und auch der Auftritt der Schauspieler – dort, wo es ernst wird. Wenn Udo Wachtveitl als Geist die zwei elenden kleinen Gestalten beschreibt, die sich an seine Füße klammern und erklärt: „Das sind die Kinder der Menschheit“, stockt der Atem. Und wenn Miroslav Nemec angesichts seines Verhaltens in der Vergangenheit bestürzt den Geist anfleht, „schaff mich fort von hier“, geht das direkt ans Herz.

Eine großartige Leistung, Miroslav Nemec und Udo Wachtveitl brillieren in ihren Rollen, intensiv und wie von leichter Hand spielen sie den starken, häufig moralischen Text, lassen ihn modern und aktuell wirken. Begeisterter Applaus.

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