Eine Treppe führt hinauf ins Paradies

Ausstellungstipp: Jakob-Kemenate zeigt bis zum 30. April 100 Grafiken von Salvador Dalí zu Dantes „Göttlicher Komödie“.

Wer schriftliche Erklärungen an der Wand sucht, wird nicht fündig. Ein Faltblatt klärt über Dalís Werke und den literarischen Hintergrund auf. Fotos: Birgit Wiefel

Von Birgit Wiefel, 31.03.2018.

Braunschweig. Megastar trifft Megastar. In der Jakob-Kemenate sind derzeit 100 Grafiken von Salvador Dalí (1904-1989) zu sehen. Das Motiv: Die „Göttliche Komödie“ von Dante Alighieri.

Mit dem spanischen Maler und dem italienischen Dichter zeigt die Stiftung Prüsse noch bis zum 30. April zwei Schwergewichte der europäischen Kunst. Ein Tipp: Zeit nehmen und mehrmals kommen. Es gibt viel zu sehen und zu lesen.
„Es ist selten, dass alle 100 erhaltenen Blätter Dalís in einer Ausstellung gezeigt werden“, freut sich Jochen Prüsse über die gelungene Kooperation mit der Galerie Hülsmeier, dem Leihgeber aus Osnabrück.

Reise in die Unterwelt

Entstanden sind die Grafiken zwischen 1950 und 1960. Zwei Holzstecher bereiteten dafür fast vier Jahre lang Formen vor, und doch wirken die Farbholzschnitte und Farbxylografien leicht und transparent wie Aquarelle. Der Exzentriker Dalí zeichnete mit ihnen Dantes „Göttliche Komödie“ nach – eine imaginäre Reise durch Hölle, Fegefeuer und Paradies in 100 Gesängen, geschrieben im 14. Jahrhundert und ein Spiegelbild des mittelalterlichen Weltbilds.

Entsprechend apokalyptisch: die Motive, die Dalí für Hölle und Fegefeuer wählt. Geisterhafte Gestalten, zerfließende Körper, eingemauerte Gebeine – was im Erdgeschoss der Kemenate gezeigt wird, ist nichts für schwache Nerven. Ätherischer dagegen die Figuren des Paradieses im ersten Stock. Dalí greift dabei immer wieder auf eigene Motive zurück. Typisch dafür: Der „Gefallene Engel“ mit den offenen Schubladen, die der spanische Maler bereits in den 30er-Jahren in der „Brennenden Giraffe“ verwendete.

„Ich habe das Buch nie gelesen, ich habe es geträumt“, soll Dalí über die „Göttliche Komödie“ gesagt haben. Doch Jochen Prüsse bezweifelt das. „Er muss – wenn auch nicht alle 14 000 Verse – zumindest eine Kurzfassung gekannt haben.“ Eine solche Kurzfassung ist letztlich auch die Ausstellung in der Kemenate. Wer in italienischer Literatur oder in der Kunst nicht so sattelfest ist, sollte sich unbedingt mit einem der ausliegenden Faltblätter auf den Rundgang machen: Sie erklären den Hintergrund der ansonsten nicht beschrifteten Bilder. An einem Beispielwerk werden außerdem die einzelnen Arbeitsschritte näher erläutert.

Der Eintritt ist kostenlos. Weitere Infos unter www.kemenaten-braunschweig.de . Am 8. April, 15 Uhr, und am 27. April, 18 Uhr, führt der Braunschweiger Künstler Magnus Kleine-Tebbe durch die Ausstellung und gibt Hintergrundinformationen zum Werk Dalís. Kosten: 5 Euro.

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