Für ihn ist das Kleine die Kunst

Verliebt in Worte: Im Gespräch mit Chansonnier Sebastian Krämer.

mmer im Anzug, immer mit merkwürdigem Doppelknoten in der Krawatte: Sebastian Krämer verbindet Worte und Noten zu einer brisanten Mischung. Foto: Schulze

Von Fabian Schulze, 13.12.2017.

Braunschweig. Gleich wird Sebastian Krämer auf der Bühne der Brunsviga seinen Flügel bespielen. Zwischen belegten Brötchen und Notenblättern nimmt sich der Kabarettist und Liedermacher Zeit für ein Gespräch.

? Sie haben in Kürze Ihr 25. Bühnenjubiläum – wie hat sich Kabarett verändert?

! Kabarett ist ernster geworden und weniger Klamauk. Im Stile Volker Pispers bringt Kabarett heute mehr Fakten und klärt auf. Ich selber gehe da eher in den poetischen Bereich. Ich möchte keine Missstände geißeln in Wirtschaft und Kultur. Mir geht es um Gemütslagen – da bewege ich mich dann zwischen den Themen.

? Sie leben in Berlin – wie sehr beeindruckt Sie da Braunschweig?

! Auf einer Skala von eins bis zehn? 15! Ich habe Freunde in Braunschweig – die Braunschweiger sind immer nett. Carsten (Musiker, Anm. d. Red) heiratet bald in Braunschweig. Mindestens einen tollen Menschen muss es hier geben (lacht).

? Ihre Frau ist Professorin für Musiktheorie, Sie haben den Musikautorenpreis der GEMA gewonnen. Wie würde Ihre Frau Ihren Erfolg wohl erklären?

! Sie würde wie ich die Willkür solcher Preise feststellen. Oft kommt jahrelang kein Preis und man fühlt sich beinahe etwas übergangen. Plötzlich kommt er dann ganz unverhofft. Da ist man dann gemeinsam mit großen Namen nominiert und kann sich nur wundern, dass man auch noch gewinnt. Irgendeiner muss ihn ja kriegen.

? Ich bin Deutschlehrer – Sie haben eine bekannte Nummer, die so heißt – welches persönliche Trauma verbinden Sie mit dem Deutschunterricht?

! Das ist kein persönliches Trauma. Ich singe den Song eher aus der Perspektive misshandelter Kinder. Wenn Kinder mir von ihrem Deutschunterricht erzählen, dann fühle ich mich in meiner Liebe zur Sprache gekränkt. Übrigens wird es heute eine neue Nummer geben, die durchaus meine eigenen Erfahrungen im Deutschunterricht verhandelt.

? Sie wurden 2009 mit dem deutschen Kleinkunstpreis ausgezeichnet – was fehlt Ihnen noch zur großen Kunst?

! Die Kunst ist nicht klein, sondern das Kleine ist die Kunst. Wer aus wenig Mitteln viel machen kann, dem fehlt zur großen Kunst nichts.

? Kurt Krömer beschrieb Ihre Kunst mit den Worten: „hinterfotziger Humor der Güteklasse A“. Wie übelnehmen Sie ihm das?

! (lacht) Überhaupt nicht. Er ist da ja der Experte – dann ist das ein großes Lob. Wer etwas sagt, der sagt damit ja immer auch eine Menge über sich selbst. Auch wenn ich meine Kunst selber so nicht beschreiben würde, ist das aus seinem Mund ein Kompliment, das ich gerne annehme.

? Das Interview wird in der Zeitung zu lesen sein. Wenn Sie wählen dürften – welche Frage würden Sie gerne streichen?

! (lacht und schaut sich den Fragenkatalog an) Ich glaube, ich bin überall mit einem blauen Auge davongekommen. Aber wenn man nach seinem Eindruck von einer Stadt gefragt wird, kann es gefährlich werden. Es könnte einem ja die Wahrheit rausrutschen.

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