• Home
  • > >
  • „Großbaustelle zerstört Infrastruktur“

„Großbaustelle zerstört Infrastruktur“

Stadtbahn: Fragen, Sorgen, Kritik – Nicht alle Bürger sind von den Ausbauplänen begeistert.

Stellten die Vorschläge zum Stadtbahnausbau vor und beantworteten Fragen (v. l.): Oberbürgermeister Ulrich Markurth, Verkehrsplaner Dr. Tobias Wermuth, Stadtbaurat Heinz-Georg Leuer und der Geschäftsführer der Verkehrs-GmbH, Jörg Reincke. Fotos: T.A.

Von Marion Korth, 18.01.2017.

Braunschweig. Die 350 Stühle im Saal der Stadthalle reichten nicht – bei weitem nicht. Das Interesse an der Informationsveranstaltung zum Stadtbahnausbau am Montagabend war aus Sicht der Veranstalter erfreulich groß. Weitere Stühle wurden herangeholt. Am Ende waren es mehr als 400 Braunschweiger, die Einzelheiten über den Vorschlag der Stadtverwaltung erfahren und ihre Kritik und ihre Sorgen loswerden wollten.

Da ist die Angst von Bewohnern Volkmarodes vor einer „Großbaustelle, die die Infrastruktur des Ortes mit seinen Geschäften zerstören wird“. Da sind die Sorgen von Menschen im Kanzlerfeld, die keine quietschenden Stadtbahnen in der Wendeschleife nahe ihren Häusern haben möchten. Da ist der Einwand, dass der schützenswerte Naturraum an Wabe und Schunter Schaden nimmt, wenn die Campuslinie dort entlangführen wird. Auch die Rufe „nach flexiblen Lösungen“ zum Beispiel durch den Einsatz von Elektrobussen oder ein „Stadtbahn-light-Konzept“ wurden laut. Und da ist die Enttäuschung von Bürgern aus Lamme, die sich so sehr einen Stadtbahnanschluss wünschen, sich aber in den nun vorgelegten Plänen nicht berücksichtigt sehen.

Stadtbaurat Heinz-Georg Leuer sowie Jörg Reincke, Geschäftsführer der Verkehrs-GmbH, antworteten direkt vom Podium aus, verwiesen zur weiteren Klärung an die „Themeninseln“ vor dem Saal, wo Planer und Verkehrsfachleute zu Fahrplänen, möglichen Streckenführungen oder Bewertungskriterien zusätzliche Informationen lieferten.

In seiner Begrüßung hatte Oberbürgermeister Ulrich Markurth den Bürgerdialog offiziell eröffnet: „Wir brauchen Sie alle, wir brauchen viele gute Ideen.“ Verwirklicht werde nur, was von einer breiten Ratsmehrheit getragen und finanziell von Bund und Land gefördert wird. Bereits am Montag lagen Postkarten aus, auf denen die Braunschweiger ihre Anregungen weitergeben können. Ihre Vorschläge sollen in die beginnende Detailplanung einfließen, denn bislang ist nur die grobe Richtung der sechs näher untersuchten und volkswirtschaftlich als nutzbringend bewerteten Trassen bekannt, nicht genau, vor welchem Gartenzaun entlang und durch welche Straße sie führen werden.
Eingangs hatten Leuer und Reincke deutlich gemacht, dass die Verkehrssysteme – egal, um was genau es sich dabei handelt – ohnehin ausgebaut werden müssen, um Mobilität in der nach Prognosen bis 2030 stetig wachsenden Stadt möglich zu machen.

Teilnehmer stellten viele Fragen

Einige Fragen und Antworten aus der Veranstaltung:

? Lamme ist stark gewachsen, viele haben sich positiv zu einem Stadtbahnausbau geäußert, warum wurde Lamme trotzdem nicht berücksichtigt?

! Jörg Reincke: Durch die Busschleuse am Madamenweg ist Lamme mit der Linie 418 unschlagbar gut versorgt.

? Warum steht der Ausbau westliche Innenstadt so weit hinten auf der Prioritätenliste?

! Heinz-Georg Leuer: Wir wollen die beste Lösung finden und brauchen deshalb noch eine weitere Diskussion.

? Soll die Stadtbahn durch die Gördelinger Straße oder die Güldenstraße geführt werden?

! Heinz-Georg Leuer: Wir müssen über beide Trassen weiter diskutieren, beide haben ihre Vor- und Nachteile.
Jörg Reincke: Die Trasse Gördelinger Straße ist betriebswirtschaftlich interessant, da sie mitten ins Herz der Stadt (Altstadtmarkt Anm. d. Red.) führt. Wer meint, die Straße dort ist zu eng, muss nur in die Geschichtsbücher schauen, denn das hatten wir schon einmal.
Der Charme bei der Güldenstraße ist, dass wir dort den Platz für einen eigenen Gleiskörper hätten.

? Warum stehen Volkmarode-Nord und Rautheim ganz oben auf der Prioritätenliste?

! Heinz-Georg Leuer: Das Gesamtprojekt wird 10 bis 15 Jahre dauern, und wir können nicht alles auf ein Mal machen. In Volkmarode-Nord ist es sehr unglücklich, dass die Bahn direkt vor dem Ort endet. Dort sind wir planerisch schon sehr weit, außerdem müssen die Berliner Heerstraße sowie die dortige Wendeschleife dringend saniert werden.
Jörg Reincke: Für die Verkehrs-GmbH ist der Ausbau Richtung Rautheim eine wichtige Sache, weil er aus der Linie 4 eine richtige Stadtbahnlinie macht.

^