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„Hier steckt der Lotse in den gleichen Schuhen“

Neue Beratungsstelle: Menschen mit Handicap beraten Menschen mit Handicap – Tag der offenen Tür am 14. April.

ind stolz, dass Braunschweig mit der Ergänzenden Unabhängigen Teilhabeberatung zu den Vorreitern in Niedersachsen zählt: Sozialministerin Dr. Carola Reimann und Dr. Burkhard Wiegel, Vorsitzender des Behindertenbeirats Braunschweig. Foto: Birgit Wiefel

Von Birgit Wiefel, 07.04.2018.

Braunschweig. Mit einem Handicap durch den Alltag kommen zu müssen? Das kann vermutlich nur jemand verstehen, der sich in der gleichen Situation befindet. Seit dieser Woche gibt es in Braunschweig ein Angebot, das genau diesen Gedanken verfolgt: Beratung für Betroffene von Betroffenen.

Unter Leitung des Behindertenbeirats der Stadt Braunschweig hat in der Leopoldstraße 5 eine „Ergänzende unabhängige Teilhabeberatung“ – kurz EUTB – eröffnet. Hinter dem Wortungetüm verbirgt sich eine Stelle, die Menschen mit oder mit drohenden Behinderungen durch den bürokratischen Dschungel begleiten will – zum Beispiel wenn es darum geht, Leistungen für eine Rehabilitation zu beantragen oder über Rechte auf dem Arbeitsmarkt aufzuklären.

Das Besondere: Die Beratung ist unabhängig von Trägern oder Vereinen. Der Ratsuchende muss also weder einen Beitrag bezahlen noch Mitglied werden. Dennoch will EUTB bestehende Angebote nicht ersetzen. „Es ist ein Experiment, das es so noch nicht gegeben hat“, ordnete die niedersächsische Sozialministerin Dr. Carola Reinmann anlässlich der Eröffnung ein und zeigte sich gleichzeitig stolz, dass Braunschweig mit seiner EUTB und dem Modell des „Peer Counseling“ (eben der Beratung durch Gleiche) landesweit zu den Vorreitern zählt.

„Mit dem Bundesteilhabegesetz von 2016 wurden Teilhabe und Selbstbestimmung von Menschen mit Handicap noch einmal gestärkt. Das Gesetz ist die Grundlage für die jetzt eröffnete Beratungsstelle“, erläuterte Reimann. Bei der Suche nach geeigneten Räumen half die Nibelungen Wohnbau, die ihre Räume in der Leopoldstraße zur Verfügung stellte.
„Sie erfüllen die Vorbedingungen – nämlich Barrierefreiheit und innenstadtnahe Lage – ideal“, freute sich Dr. Burkhard Wiegel, Vorsitzender des Behindertenbeirats, der in seiner Arbeit von 13 Institutionen (unter anderem der Lebenshilfe) und Vereinen sowie vom städtischen Fachbereich Soziales und Gesundheit unterstützt wird. „Die Ergänzende unabhängige Teilhabeberatung handelt einzig und alleine im Sinne des Ratsuchenden und als Lotse, sollte also aufgesucht werden, bevor ein Antrag gestellt werden muss“, betonte Mitarbeiterin Daniela Schostak. Das Feld reiche von der medizinischen Rehabilitation über Mobilität und Wohnformen bis zu pflegerischen Leistungen, es sei so umfangreich, „dass es irgendwann vermutlich Abgrenzungen geben muss.“ „Entscheidend ist, dass der Ratsuchende so lange begleitet wird, wie er es wünscht, und zwar von einem Ansprechpartner, der nicht unbedingt die gleiche Behinderung haben muss, aber dennoch im übertragenen Sinn ’in den gleichen Schuhen steckt‘.“

Service:

Die „Ergänzende Unabhängige Teilhabeberatung“ (EUTB) läuft zunächst bis Dezember 2020 und wird zu 95 Prozent (konkret mit 345 000 Euro) durch das Bundesministerium für Arbeit und Soziales gefördert.
Darüber hinaus unterstützen Stadt (30000 Euro) und Partner (13 örtliche Leistungserbringer) das Projekt.

• Öffnungszeiten: Montag und Dienstag 13 bis 18 Uhr, Donnerstag und Freitag
9 bis 14 Uhr sowie nach Vereinbarung unter Telefon 12 87 08 18. Weitere Infos unter www.eutb-bs.de.

• Am 14. April findet von 11 bis 16 Uhr ein Tag der offenen Tür in der Beratungsstelle, Leopoldstraße 5, statt.

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