Jetzt gehört Mateusz dazu

Giordano-Bruno-Gesamtschule erhält für Video über Diskriminierung Schülerfriedenspreis.

Mateusz Bojda und Alexandra Wölfel aus dem 10. Jahrgang der Giordano-Bruno-Gesamtschule freuen sich über ihren Erfolg beim Niedersächsischen Schülerfriedenspreis 2017, an dem auch Anna-Sophie Müller, Vanessa Novikov, Sophie Keunecke, Estelle Erkol und Lynnelle Tiller ihren Anteil hatten. Foto: Lüer

Von Maria Lüer, 16.02.2018.
 

Helmstedt. Eine berührende Geschichte über Ausgrenzung hat eine siebenköpfige Schülergruppe des 10. Jahrgangs der Helmstedter Giordano-Bruno-Gesamtschule (IGS) in einem Video mit dem Titel „Draw my life“ erzählt. Mit ihrem Projekt belegten die Jugendlichen in der letzten Woche den dritten Platz beim Schülerfriedenspreis 2017 des niedersächsischen Kultusministeriums (wir berichteten).

Im Film steht der Schüler Mateusz Bojda im Mittelpunkt. Der heute 17-Jährige zog mit seiner Mutter im Sommer 2012 von Polen nach Helmstedt und erlebte am eigenen Leib, wie die Situation des Fremdseins in einem unbekannten Land in Einsamkeit und Resignation enden kann. Das Schöne: Der Streifen zeigt zugleich auch einen Weg auf, wie man sich aus dem Rückzug und der von Diskriminierung resultierten Frustration wieder befreien kann und welche Rolle dabei Offenheit, Freundschaft und Zusammenhalt spielen.

Die NH traf sich mit den zwei Schülern der Projektgruppe Mateusz Bojda uns Alexandra Wölfel sowie den Lehrern Sonja van Hettinga und Claus Wessels zum Interview.

?Alexandra, Mateusz, euer Video zeigt eine Geschichte über Ausgrenzung und Diskriminierung. Glaubt ihr, dass das Thema an Schulen heute tatsächlich noch aktuell ist? Oder ist die Geschichte im Film nur ein Einzelfall?

!Mateusz: Nein, die Geschichte ist absolut kein Einzelfall. Diskriminierung ist auch aktuell noch immer ein Alltagsphänomen. Wir erleben oder beobachten es selbst, auch an unserer Schule. Menschen werden schnell ausgegrenzt, wenn sie in ein bestimmtes Bild nicht hineinpassen.

!Alexandra: Das Schlimme daran ist, dass es den Tätern oft nicht bewusst ist, wie verletzend ihr Verhalten für ihr Opfer wirklich sein kann.

?Mateusz, du bist 2012 mit deiner Mutter von Polen nach Helmstedt gekommen. Ihr habt alles zurückgelassen, du konntest kaum Deutsch sprechen – wie hast du diesen Neuanfang in einer fremden Kultur erlebt?

!Mateusz: Ich war ganz unten. Ich konnte meine schwachen Deutschkenntnisse kaum anwenden – Theorie und Praxis unterscheiden sich beim Fremdsprachenlernen eben doch sehr. Für mich war alles fremd, ich habe mich nicht getraut, mit anderen auch nur irgendeine Art von Kontakt aufzunehmen. In meiner Freizeit saß ich lieber allein zu Hause.

?Erst nach Jahren hast du echte Freundschaften geschlossen. Was war ausschlaggebend für dich, dass es jetzt doch klappte?

!Mateusz: Meine Mutter hat sich irgendwann Sorgen gemacht, dass ich nichts unternehme und nur zu Hause sitze. Auch ich habe dann angefangen, darüber nachzudenken. Ich wollte etwas verändern. Ich wollte kein Außenseiter mehr sein.

?Würdest du sagen, dass du heute vollständig angekommen bist?

!Mateusz: Ja, das bin ich.

?Das Video entstand in einer Projektwoche. Wie seid ihr auf die Idee
gekommen? Und wie lief die Umsetzung ab?

!Alexandra: Die Projektwoche war angekündigt und wir hatten uns schon im Vorfeld einige Gedanken gemacht. Unsere Arbeitsgruppe hatte sich dann schnell gefunden. Wir hatten viele Ideen zum Thema Rassismus und haben uns dann entschieden, eine eigene Story – Mateusz’ Story – zu erzählen.

!Mateusz: Zwei Tage lang haben wir dann am Video gearbeitet. Anna-Sophie Müller hat die Zeichnungen angefertigt, wir haben gefilmt, synchronisiert und alles zusammengeschnitten.

!Sonja van Hettinga: Bemerkenswert ist, dass die Schüler ihr Projekt komplett eigenständig und ohne Anleitung eines Lehrers erarbeitet haben. Es zeigt, welche Kreativität in ihnen steckt.

?Warum hat das Video so einen Nerv getroffen?

!Claus Wessels: Das Video kam deshalb so gut an, weil es eine persönliche Geschichte erzählt. Es gehört eine Menge Mut dazu, so offen über eigene Emotionen so sprechen, wie Mateusz, der an der Situation wirklich gewachsen ist, es getan hat.

?Was bedeutet es euch, für so ein Projekt ausgezeichnet zu werden?

!Mateusz: Es ist schon etwas Besonderes, so einen Wettbewerb zu gewinnen und die Auszeichnung vom Kultusminister persönlich entgegenzunehmen.

?Was habt ihr für euch selbst aus diesem Projekt mitnehmen können?

!Mateusz: Eine Menge Erfahrung. Unter anderem haben wir gelernt, uns und unsere Ideen vor einem fremden Publikum zu präsentieren.

!Alexandra: Wir haben auch mitgenommen, dass wir nicht immer ganz so selbstkritisch sein müssen. Denn anfangs waren wir mit unserem Projektergebnis überhaupt nicht zufrieden – und am Ende haben wir doch nur positives Feedback bekommen.

Das Video steht unter dem Titel „Draw my Life von Mateusz Bojda (Rassismus)“ auf Youtube sowie auf der Schulhomepage unter www.bruno-igs.de zur Verfügung.

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