Kostenlos mit Bus und Bahn?

Vorschlag aus Berlin stößt aus Skepsis.

Einfach einsteigen und losfahren: Gratis mit Bus und Bahn klingt verlockend, ist aber für die Stadt so einfach nicht umsetzbar. Archiv: Thomas Ammerpohl

Von Birgit Wiefel, 17.02.2018.

Braunschweig. Eigentlich sollte die Idee für ein besseres Klima in den Städten sorgen. Stattdessen herrscht erst einmal dicke Luft zwischen Berlin und den Kommunen.

Der Grund: In dieser Woche hatte die Bundesregierung angeregt, die Benutzung von Bus und Bahn kostenlos zu machen, um die Schadstoffe in den Innenstädten zu senken und eine Klage vor dem Europäischen Gerichtshof abzuwenden. „Wer bestellt, bezahlt“ konterte der Deutsche Städtetag mit Blick auf die Finanzierung. Auch die Stadt Braunschweig reagierte erst einmal zurückhaltend. „Ganz klar ist ja noch gar nicht, was geplant ist“, kommentierte Sprecher Adrian Foitzik vorsichtig. Der Vorschlag werde jetzt in einigen Städten erst einmal getestet. 

In deutschen Städten stinkt‘s gewaltig. Bei rund 80 von ihnen wird der Grenzwert für Stickoxide regelmäßig überschritten, hat der Verkehrsclub Deutschland (VCD) errechnet. Nun hat die EU-Kommission der Bundesregierung die Pistole auf die Brust gesetzt: entweder eine schnelle Lösung oder eine Klage vor dem EU-Gerichtshof.
Schon Thema bei

„Denk deine Stadt“

Neu ist der Gedanke, den öffentlichen Nahverkehr für alle kostenlos zu machen, nicht: In den Workshops im Rahmen der Bürgerbeteiligung „Denk deine Stadt“ wurde dieser Vorschlag gleich mehrfach wiederholt. Doch die Stadt will lieber andere Wege gehen, um Bus und Bahn attraktiver zu machen und die Autos aus der Innenstadt herauszuhalten.

„Natürlich ist es richtig, den öffentlichen Nahverkehr zu stärken“, stimmt die Verwaltung durch ihren Pressesprecher Adrian Foitzik grundsätzlich mit der Idee der Bundesregierung überein. Das mache Braunschweig auch selbst schon intensiv, zum Beispiel mit besseren Takten in der Stadt und der Region, mit dem Stadtbahnausbaukonzept und neuen Ideen für Mobilitätszentren, etwa dem Bahnhof Gliesmarode.

„Sehr begrüßenswert wäre es da, wenn der Bund uns dabei über seine Förderung noch stärker unterstützt: mit Geld für neue Schienen, für neue Busse und Straßenbahnen. Und natürlich würden günstigere Tickets auch dafür sorgen, dass noch mehr Menschen den ÖPNV nutzen, zum Beispiel über günstige Jahresabos“, so Foitzik.

„Öffentliche Leistungen müssen etwas kosten“

Völlige Kostenfreiheit hält die Stadt dagegen nicht für den richtigen Weg. „Wir setzen auf die ständige Verbesserung des Angebotes, deshalb ist der Vorschlag auch im Rahmen von ’Denk Deine Stadt‘ nicht weiterverfolgt worden“, ordnet der Pressesprecher ein.

Zum einen sollten öffentliche Leistungen schon aus grundsätzlichen Erwägungen heraus auch etwas kosten. „Die, die sie sich nicht leisten können, erhalten bereits jetzt Ermäßigungen oder fahren umsonst“, sagt Foitzik. Zum anderen würde die Nachfrage bei einer Umstellung auf Kostenfreiheit auf einen Schlag so groß werden, dass die bestehende Infrastruktur wie Gleise und Fahrzeuge das gar nicht leisten könnte. „Das ist ein jahrelanger Prozess, der übrigens immens viel Geld kostet. Insofern wiederum der Appell: Lieber mehr Unterstützung des Bundes beim Ausbau von Netzen und Fahrzeugen.“

Was die Schadstoffwerte betrifft, kann die Verwaltung beruhigen: Eine Überschreitung der Werte gebe es derzeit nicht. 

^