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Küsterin stellte noch einmal den Lothar-Leuchter auf

Jutta Feise verabschiedete sich in den Ruhestand – Vortrag über den „missbrauchten Kaiser“ und ein kleines Jubiläum.

Küsterin Jutta Feise stellte zum Ende ihrer Dienstzeit den Kaiser-Lothar-Leuchter zum letzten Mal auf. Professor Dr. Gerd Biegel (rechts) hatte vor 30 Jahren seinen ersten Lothar-Vortrag im Kaiserdom gehalten, in der Mitte Dr. Norbert Funke (SBK). Foto: Werner Gantz

Von Werner Ganz, 06.01.2018. Königslutter.

„Im Dezember 1987 habe ich hier im Kaiserdom meinen ersten Vortrag zu Kaiser Lothar III. von Süpplingenburg gehalten“, begann Professor Dr. h.c. Gerd Biegel vom Institut für Braunschweigische Regionalgeschichte an der TU Braunschweig seine geschichtlichen Ausführungen am letzten Tag des Dezembers. Im Rückblick auf die vergangenen 30 Jahre ist diese Veranstaltung der Stiftung des Braunschweigischen Kulturbesitzes zu einer bemerkenswerten Tradition geworden.

Und die Kirche war erwartungsgemäß wieder mit rund 450 Besuchern, auch von weiter her angereist, voll besetzt. Der Vortrag titelte dieses Mal: „Der missbrauchte Kaiser.“ Am 4. Dezember 1137 war Lothar beim Rückzug aus Italien in Breitenwang (Berchtesgaden) gestorben und in dem von ihm 1135 begonnenen Kirchenbau begraben worden. Die Geschichtsschreibung des 19. Jahrhunderts zeichnete als „Pfaffenkönig“ und „Störfaktor“ beim Übergang von Saliern zu Staufern ein negatives Bild Lothars III. (1075 – 1137). Die abfällige Bezeichnung kam daher, weil die Kirche in protegierte.

Schon aus regionalem Interesse war deshalb der Professor um ein positives Lothar-Bild bemüht. Machtpolitik gehöre ja bekanntlich zur zielstrebigen Herrschaftsausübung. Aber was auch aus lokalpatriotischen Gründen zu beachten ist, zeigt die Aussage des zur Lothar-Zeit lebenden Chronisten Helmhold von Bosau. Zitat: „In den Tagen des Lothars begann ein neues Licht zu leuchten. Nicht nur in Sachsen, sondern im ganzen weiten Reiche herrschten in der zwölfjährigen Regentschaft Ruhe und Frieden.“

Überlieferungen zufolge gibt es im Dom einen wertvollen Bergkristallleuchter von Kaiser Lothar III. Jährlich einmal am Grablegungstag zu Silvester darf er in der Kirche beim Gottesdienst leuchten. 25 Jahre lang wurde er von der Küsterin Jutta Feise (63) an der Grablege aufgestellt. Nun geht sie Ende dieses Monats in den wohlverdienten Ruhestand. Dompfarrer Dr. Martin Senftleben würdigte ihren unermüdlichen und verantwortungsvollen Einsatz bei vielfältigen Aufgaben, der mitunter auch körperlich anstrengend war. Jutta Feise wird umziehen und in der Nähe ihrer Kinder wohnen.

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