Lauern die gefährlichen Keime auch bei uns?

Antibiotika verlieren Wirkung: Multiresistente Keime – ein Problem nicht nur in Krankenhäusern.

Als Folge der aktuellen Diskussion über multiresistente Keime in Abwässern und Badeseen soll nun auch das Wasser des Kläranlagenablaufs untersucht werden. Foto: Stadtentwässerung Braunschweig

Von Marion Korth, 20. Februar 2018.

Braunschweig. Im Abwasser, in Bächen und Badeseen: Untersuchungen im Auftrag des NDR hatten ergeben, dass sich vielerorts Keime finden, denen viele Antibiotika nichts mehr anhaben können. Und in Braunschweig? Die NB fragte, wie das Problem hier angegangen wird.

„Der Abwasserverband Braunschweig, Eigentümer der Kläranlage Steinhof, hat bereits Kontakt mit Fachinstituten aufgenommen. Der Kläranlagenablauf soll auf multiresistente Keime untersucht werden, um sich einen ersten Überblick zu verschaffen“, teilt Anke Bartkiewicz, Pressesprecherin der Stadtentwässerung Braunschweig GmbH schriftlich mit. Generell gilt: Die Keimbelastung in der Oker und den Nebenflüssen wird nicht regelmäßig untersucht. Das werde nur in Badegewässern gemacht und in Gewässern, die einen unmittelbaren Bezug zur Trinkwassererzeugung haben.
Von Amts wegen werden Wasserproben aus Badeseen dabei bislang nicht speziell auf multiresistente Keime untersucht. Bundesumweltministerin Barbara Hendricks würde das zwar begrüßen, verweist aber darauf, dass dies in die Verantwortung der Länder falle. Anfang März berät dazu in Düsseldorf eine Bund-Länder-Arbeitsgruppe.
Anke Bartkiewicz verweist zudem auf die derzeit laufende Diskussion zur Strategie der Bundesumweltverwaltung, die in eine Gesetzgebung münden sollen, um Mikroverunreinigungen zu vermeiden. Daran seien Akteure wie Chemie-, Textil-, Arzneimittelhersteller, Umweltschutzverbände und kommunale Interessenverbände beteiligt.
„Die Kläranlage in Braunschweig reduziert – wie alle modernen großen Kläranlagen – sehr weitgehend Mikroverunreinigungen, Arzneimittelrückstände und Keime, allerdings nicht vollständig. Bisher ist die Technik darauf nicht ausgelegt“, heißt es. Es gibt in der Bundesrepublik bereits einige Kläranlagen, die mit Desinfektionsanlagen nachgerüstet wurden, weil sie im Einzugsgebiet von Badegewässern liegen. Nicht zuletzt wegen der zu erwartenden Kosten hat sich die generelle Forderung nach einer weiteren Aufrüstung der Klärtechnik noch nicht durchgesetzt. Außerdem: Infektionskeime gelangen auch über andere Quellen in die Gewässer gelangen.
Als größeres Risiko werde, so Bartkiewicz, die landwirtschaftliche Fleischproduktion bewertet. Es sei bekannt, dass Antibiotika dort in großen Mengen eingesetzt werden und sich resistente Keime bilden, die über Abwässer und Gülle in die Umwelt gelangen. Und es gibt noch eine Quelle: Bei starkem Regen werde in geringen Mengen unbehandeltes Abwasser aus Entlastungsanlagen des Kanalsystems in die Gewässer eingeleitet.
Über Toiletten und Kläranlagen finden die Keime den Weg in die Umwelt. Ob und wie sich die Keime über das Abwasser ausbreiten und wie sie sich in der Umwelt verhalten, prüfen Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler im Projekt „HyReKA“, das vom Bundesforschungsministerium gefördert wird. Zudem wollen die Forscher zukunftsweisende technische Verfahren für Kläranlagen entwickeln, um die Ausbreitung multiresistenter Keime über das Abwasser künftig zu verhindern. Dabei bewerten sie auch, welches Risiko von multiresistenten Erregern in der Umwelt ausgeht.
Die Diskussion über Vermeidungsmöglichkeiten und Handlungsstrategien ist noch voll im Gang. Sie wird in Braunschweig sorgfältig beobachtet, „damit rechtzeitig die Empfehlungen umgesetzt werden können, die zurzeit erarbeitet werden“, schreibt die Stadtentwässerung Braunschweig.

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