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Mit Raketen durch die Nacht: Till wäre begeistert gewesen

Mehr als 1000 Besucher bei der BKG-Prunksitzung in der Stadthalle.

Mehr als vier Stunden kunterbuntes Programm bei der Sitzung der Braunschweiger Karneval-Gesellschaft. Die „Okergirls“ schießen am Ende der Prunksitzung den sprichwörtlichen Vogel ab: In der Zugabe legen die zwölf Männer ab und rocken mit freiem Oberkörper den Saal. Der steht im wahrsten Sinne des Wortes Kopf. Foto: Lothar Köchy

Von Ingeborg Obi-Preuß, 07.02.2018.

Braunschweig. „Ich freue mich wie ein Kind“, sagt Jürgen von der Lippe leicht ironisch beim x-ten Wunsch nach einem Selfie mit ihm und einem Autogramm dazu.

Schon beim Präsidentenempfang in der Löwenkrone kurz vor der Prunksitzung wird der neue Ordensträger umlagert. „Till – der Schelm – der Mensch“ ist der offizielle Titel, mit dem sich Jürgen von der Lippe jetzt schmückt. Und das tut er gern.

„Besonders“, so erklärt er es später im Saal den gut 1000 Besuchern, „seitdem ich dank Google weiß, dass Ul’n spegel mittelhochdeutsch ‘wisch mir den Hintern’ bedeutet, oder wie Goethe sagen würde: Leck mich am Arsch. Jetzt finde ich Till Eulenspiegel als Name noch besser als Jürgen von der Lippe. Stellen Sie sich mal eine Polizeistreife vor: Ihr Name bitte?“ Der Saal lacht sich scheckig.

Und nicht nur beim Stargast. Auch Jugendtill Jan Dycka wird mit seiner Büttenrede über seinen gescheiterten Weg zum Tanzmariechen gefeiert. Und Lucky Michael Stiehler nimmt sich die Politiker vor. Auch Ulrich Markurth wundert sich, dass in einem „Land, in dem die Hälfte der Welt gern leben würde, offensichtlich keiner regieren will.“ Mutig gesteht Markurth, dass er am Abend zuvor beim Karneval in Hannover gewesen war. Aber dafür stehe eben der Karneval: „Alle zusammen, jeden mitnehmen.“ Das Duo De Lattcher und Peter Schmiedels Stimmungslieder bringen die Besucher immer wieder zum Schunkeln. Die eine oder andere Polonaise sorgt für genügend Bewegung. Sitzungspräsidentin Heike Nerger lässt bei so viel Begeisterung immer wieder eine Rakete zünden.

Highlights der Prunksitzung sind aber eindeutig die Tänze: Komplexe Schrittfolgen, gepaart mit akrobatischen Einlagen – einfach umwerfende Choreografien. Les Fleurs fegen mit einem rasanten Can-Can über die Bühne, die Menschen stehen vor Begeisterung und klatschen mit. Die Tanzmariechen Nina Mertins, Rebecca Manske und Jana Hammel zeigen in ihren Auftritten, dass sie Leistungssportler sind. Eine wahre Augenweide dann der Auftritt aller 36 Gardemädchen, die Jüngste gerade mal sechs Jahre alt. Einfach nur entzückend.

Schwer begeistert zeigt sich auch der neue Ehrensenator René Budries. Der selbstständige Tischlermeister hat auf die Frage eines Nachbarn „Warum geht man zum Karneval?“ eine tiefgründige Antwort gesucht. „Ich denke, wir feiern, um die Energie für unseren Alltag zu finden.“ Spricht’s und feiert mit den Besuchern bis in den Morgen.

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