Nachwuchs trifft Mittelstand

Rund 1500 Schüler informierten sich bei der 2. Ausbildungsmesse im Eintracht-Stadion.

Attraktive Location: Das Eintracht Stadion eignete sich ideal für die Messe. Durch die große Zahl der Anmeldungen musste in diesem Jahr noch der zwei Ebenen des VIP-Bereichs hinzugenommen werden. Foto: Wiefel

Von Birgit Wiefel, 09.03.2018.

Braunschweig. Julia und Julia von der Grund- und Hauptschule Rüningen wissen genau, was sie wollen. Die beiden 16-Jährigen mit dem gleichen Namen haben Flyer der Awo unter den Arm geklemmt. Ihr Berufswunsch ist: Erzieherin

. Auch Markus, der seinen richtigen Namen lieber nicht in der Zeitung lesen will, weil er den Betrieb wechseln möchte und die Fühler nach einer anderen Ausbildung ausstreckt, ist sich sicher, welchen Weg er künftig einschlagen will: „Ins Handwerk gehen und nach Möglichkeit bei einer Straßenbau- oder metallverarbeitenden Firma arbeiten.“

Die Jugendlichen waren nur drei von fast 1500 jungen Berufsstartern, die sich in dieser Woche auf einer Ausbildungsmesse über Berufsprofile, Praktikamöglichkeiten und die große Bandbreite der kleinen und mittelständischen Firmen in der Region informierten. Agentur für Arbeit, Handwerkskammer, IHK und der Arbeitgeberverband hatten dafür ins Eintracht-Stadion geladen – mittlerweile zum zweiten Mal. „Die Resonanz auf die Premiere im vergangenen Jahr war so gut, dass wir die Messe einfach wieder auflegen mussten“, freut sich Stephan Freydank von der Agentur für Arbeit.
Rund 100 Firmen präsentierten sich auf den drei Ebenen im VIP-Bereich – alles mittelständische Unternehmen, die unter dem Fachkräfte- und Nachwuchsmangel besonders leiden und deshalb das Format auch besonders begrüßen. „Wir verzichten bewusst auf die Global Player, die Bewerber schon mit eigenen Veranstaltungen rekrutieren. Auf der Ausbildungsmesse sollen die Firmen eine Chance bekommen, die weder die Zeit noch die Manpower haben, um langwierige Bewerbungsverfahren durchzuführen“, betont Freydank.

Wie groß der Druck ist, Nachwuchs zu bekommen (und zu halten), beschreibt Peter Zivanovic, Ausbildungsberater bei der Handwerkskammer Braunschweig-Lüneburg-Stade so. „Insgesamt können die hier ausstellenden Betriebe mehr als 500 freie Ausbildungsstellen noch zu diesem Sommer anbieten. Vor allem die Handwerksfirmen überschlagen sich inzwischen mit Willkommensprämien, Werbevideos und Gratis-Führerscheinen, um Schulabgänger auf sich aufmerksam zu machen“, berichtet der Berater. Er selbst bedauert, dass sich die Jugendlichen von den traditionellen Handwerksberufen wie Bäcker, Koch, Gärtner oder Fleischer abwenden. „Zu unattraktive Arbeitszeiten, argumentieren die einen, keine Aufstiegschancen, die anderen, doch gerade Letzteres stimmt nicht – wer will, kann sich im Handwerk bis zum Meister hocharbeiten und hat damit automatisch die Fachhochschulreife.“ Für alle, die sich noch nicht sicher sind, ob ein Handwerksberuf oder eine bestimmte Firma richtig für sie sind, empfiehlt Zivanovic ein Praktikum. „Dann sieht man gleich, ob die Chemie stimmt, der Beruf zu einem passt.“ Über Markus hätte sich der Ausbilder sicherlich gefreut. „Ich will abends sehen, was ich am Tag geleistet habe – das kann ich am besten in einem Handwerksberuf“, betonte der im Gespräch. Eine schöne Werbung.

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