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NB-Serie Teil II: Hanteln stemmen – nie ohne Clip

Hanteln stemmen – nie ohne Clip

Erfinder, Studenten und Unternehmensgründer (v. l.): Christoph Stiebeler und Oliver Kern haben lange an ihrem „Ninja-Clip“ getüftelt, nun wollen sie ihn auf den Markt bringen. Foto: Marion Korth

Klein, stark und nicht immer schwarz: zwei Braunschweiger Studenten und ihre Erfindung
Von Marion Korth, 20. Januar 2018.
Braunschweig. „Es ist total banal“, sagt Oliver Kern und meint damit: Es sind die kleinen Sachen, die oft mächtig nerven. So wie rutschende Handtücher. Also haben er und sein Kommilitone und Unternehmenspartner Christoph Stiebeler etwas erfunden, das die Welt vielleicht nicht braucht, aber sich im Alltag als echt praktisch erweist: einen magnetischen Handtuchclip. Das kleine Teil hat das Zeug dazu, sich als unverzichtbarer Begleiter im Fitnessstudio zu erweisen.
Noch eine gute Woche werben die beiden Jungunternehmer mit einem Filmbeitrag auf der Plattform Kickstarter-com für ihre Erfindung und um 10 000 Euro, um sie gleich in Masse auf den Markt bringen zu können. In ihrem Büro in der Arndtstraße, Keimzelle für eine ganze Reihe kleiner und größerer Unternehmen, steht eine Hantelbank. „Christoph ist der Sportler von uns beiden“, sagt Oliver und dann folgt die Demonstration dessen, worum es eigentlich geht. Christoph hängt ein ganz normales Handtuch über die Rückenlehne des Gerätes, denn wer will schon ohne Schutzbezug dort sitzen, wo zuvor jemand anderer geschwitzt hat? Das Problem: „Das Handtuch rutscht oder es liegt auf dem Boden.“ Mangels Haken oder Regalen weiß man auch zwischendurch nicht, wohin damit und welche Seite denn nun die war, die eben noch Bodenkontakt hatte.
Lösung Nummer eins war schnell gefunden und genauso schnell wieder verworfen, weil zu teuer, zu kompliziert, zu unsicher. Oliver und Christoph hatten zunächst nämlich die Idee für ein Handtuch mit Kapuze, das sich leichter irgendwo drüberhängen lässt und dessen beide Seiten klar zu unterscheiden sind. Dass es irrsinnig teuer ist, ein Handtuch in einer anderen Form zu nähen als rechteckig, wussten sie vorher nicht. Als ungünstig erwies sich auch, dass jeder ganz eigene Vorstellungen hat, wie ein gutes Handtuch zu sein hat bezüglich Farbe, Größe oder Flauschfaktor.
Also tüftelten die beiden Studenten an Lösung Nummer zwei. Der Ansatz war nun, dass jeder sein schon vorhandenes Handtuch mit einem Zusatzteil fitnessstudiotauglich machen kann. Dank der Magneten lässt sich der Clip an jeder beliebigen Stelle anbringen. Weil an den Fitnessgeräten kein Mangel an Metall ist, lässt sich das Handtuch damit gut fixieren. Praktisch beim Hanteltraining und in der Pause, um das Handtuch irgendwo angepappt zu parken.
Die ersten Prototypen schneiderten die beiden aus einem kleinen Lederstück, mittlerweile gehen sie ins Protohaus, wo der Laser den Zuschnitt inklusive der Löcher fürs Zusammennähen übernimmt. Christophs Tante ist zwar gelernte Näherin, aber in Sachen Vorbildung kann Christoph nur ein paar Stiche in der fünften oder sechsten Klasse vorbringen. „Ich brauche eine Stunde“, sagt er. Dann ist wieder ein Clip fertig. Mit Magneten und einem Chip, auf dem sich die Smartphoneeinstellungen fürs Fitnessstudio wie beispielsweise Flugmodus, Helligkeit, Zeiteinstellung oder Lieblingssong speichern lassen.
Ihr Kapuzenfrotteehandtuch hätten sie in der Türkei produzieren lassen müssen, den Clip mit seiner Lederummantelung in Indien. Sehr wahrscheinlich in Handarbeit, wegen des nierenförmigen Zuschnitts. Angedachter Verkaufspreis: um die 20 Euro. Aus dem Netz kam schon die Anregung für eine vegane Variante.
Zweifel am Erfolg ihrer Idee lassen Oliver und Christoph erst gar nicht aufkommen. Da ist eher die Sorge, dass sie bei gleichzeitig 3000 laufenden Crowdfundingprojekten auf Kickstarter in der Masse untergehen und mögliche Geldgeber vielleicht gar nicht ihre Seite finden. „Unser Produkt ist so neu, danach wird keiner gezielt suchen“, sagt Oliver. Er nutzt alle Kanäle und schrieb eine Mail an die NB. In der Betreffzeile heißt es: „Zwei Braunschweiger Studenten erfinden einen Sportartikel.“
Alles Weitere über ihren „Ninja-Clip“: https://www.kickstarter.com/projects/1775234368/ninja-clip-smart-workout-design .

„Ich könnte nicht angestellt sein“

Oliver und Christoph: Studenten und Gründer

Oliver Kern (29) steht kurz vor dem Masterabschluss in Maschinenbau. Er hat bereits Erfahrungen als Gründer und gehört zu dem Team, das Papa Fuego, einen alkoholhaltigen Drink mit Tomatensaft und Chili, auf den Markt gebracht hat.
Christoph Stiebeler (28) macht im Oktober seinen Bachelor als Bauingenieur. Kennengelernt haben die beiden sich im Studium und machen nun als Jungunternehmer gemeinsame Sache.

? Ein eigenes Unternehmen: ein alter Traum?

! Oliver: Ich könnte nicht angestellt sein, das ertrage ich nicht. Aber das ist eine Typfrage. So bin ich viel näher dran, ich möchte etwas aufbauen. Und ich sehe unheimlich viel, allein wenn ich an die Reise nach Indien denke oder an all die geilen Leute hier in unserem Umfeld.
Christoph: Ich kenne beides: angestellt sein und selbstständig. Als Angestellter bekommst du eher wenig Lob und Anerkennung. Als Selbstständiger siehst du bei allem, was du tust, deinen Erfolg. Und wenn es nicht so läuft, dann weißt du, dass du jetzt durchpowern musst.

? Aus eigener Tasche oder auf Kredit: Wie habt Ihr die Gründung finanziert?

! Aus eigener Tasche!

? Mit Netz und doppeltem Boden: Wer hat Euch in der Anfangsphase unterstützt?

! Unsere Freundinnen haben uns vor allem emotional unterstützt und als unsere härtesten Kritikerinnen.

? Verflixt: In welche Fallen seid Ihr getappt?

! Oliver (lacht): In mehrere. Einmal haben wir uns auf einen regionalen Produzenten verlassen, der sich dann aber plötzlich nicht mehr meldete und auch nicht mehr erreichbar war. Man braucht immer jemanden in der Hinterhand.
? Kopf hoch: Wie motiviert Ihr euch für die tägliche Arbeit?

! Christoph: Unser Produkt ist neu und ziemlich geil, das muss ich mir nur klarmachen.

? Selbst und ständig: Wie viel Zeit bleibt euch noch persönlich?

! Christoph: Wenn ich bis 2.30 Uhr Clips nähe, dann brauche ich schon jemand, der meine Vision mit mir teilt.
Oliver:… oder auf den Sonntagsspaziergang verzichtet.

? Bissiger Chef oder Teamplayer?

! Oliver: Wir haben keine Hierarchiestrukturen. Christoph ist der ruhigere von uns beiden. Ich bin ein bisschen aufgedrehter und fordernder. Und ich kann auch mal ein bisschen laut werden.

? Lokal oder global: Wo seht Ihr die Zukunft für Euer Produkt?

! Oliver: Das geht über lokal klar hinaus, allein wegen der Stückzahl.

? Zurück auf Anfang: Würdet Ihr alles noch einmal genauso machen?

! Christoph: Man braucht immer einen Plan B und außerdem: Beim nächsten Mal würden wir nicht erst das Handtuch machen, sondern gleich den Chip erfinden.
Oliver (lacht): Und wir würden nie wieder mit Magneten arbeiten. Allein bis wir den Abstand herausgetüftelt hatten, damit die Magneten nicht den Chip stören oder wie wir Versandpakete packen müssen, damit sich darin nicht ein einziger Klumpen bildet …

! Lass es Dir gesagt sein: Welchen Rat gebt Ihr anderen Gründern?

? Oliver: Man braucht eine extreme Frustrationstoleranz. Und alles dauert immer länger und wird teurer als man denkt. Deshalb immer zwei Wochen zeitliche Reserve einplanen.
Christoph:Selbstständig zu sein, ist wie Achterbahnfahren: Es geht hoch und runter und manchmal muss man kotzen.

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