… nur Nadeln mögen sie nicht

Sieben Schafe und ein Bock: Feinschmecker im Einsatz für giftfreie Weihnachtsbäume

Mit ihrer dichten Wolle ähneln die Shropshireschafe Teddybären. In Bienrode halten sie Gras und Unterwuchs kurz, sodass in der Pflanzung nicht gespritzt werden muss. Fotos: Marion Korth

Von Marion Korth, 8. Dezember 2017.

Bienrode. Der Blick von Ferne: weiße Hügel zwischen grünen Spitzen. Eine kleine Herde Schafe schiebt sich gemächlich durch die Tannenbaumpflanzung. Kein Stress, keine Hektik, hier wird gearbeitet – genau und ganz in Ruhe. Die Schafe halten das Gras zu Füßen der kleinen Tannenbäume kurz, wichtig, damit diese ungestört in die Höhe wachsen können. Die Schafe – reine Liebhaberei? „Nein, die sind wirkliche Helfer.“

Bestimmt seit 25 Jahren hält Landwirt Lothar Hemmecke-Otte Schafe. Im Laufe der Zeit auch verschiedene Rassen. Für die Grünpflege in seinen Tannenbaumpflanzungen müssen es allerdings ganz Besondere sein: Shropshireschafe, die sich wirklich nur über das Gras hermachen und nicht an den Bäumchen knabbern. Die Shropshireschafe halten sich an dieses ungeschriebene Gesetz. Gift zur Unkrautbekämpfung muss Landwirt Hemmecke-Otte deshalb höchstens einmal bei einer kompletten Neupflanzung sprühen, danach aber für Jahre nicht mehr. Die Schafe halten den Bewuchs zwischen Tannen und Fichten kurz. Nur ab und zu brauchen sie „Nachhilfe“. Dann greift der Landwirt zur Motorsense, weil sich auf der Wiese am Ortsrand von Bienrode ein spezielles Gras breitmacht. Es wird – sofern man es lässt – hüfthoch und ist leider ziemlich fest und faserig im Biss. Die Schafe weiden lieber darum herum. Deshalb die Motorsense.
Abschnittsweise fressen sich die Schafe durch die Pflanzung. Zwischendurch lädt Hemmecke-Otte die Tiere in den Transportanhänger und bringt sie hinaus nach Thune, wo die Nordmanntannen wachsen – und auch das Gras.
Wenn dieser Artikel erscheint, haben die Schafe wieder einen kleinen Weg zurückgelegt, diesmal in ihr Winterquartier auf dem Hof. Das Gras wächst nicht mehr, zwischen den Fichten ist nicht mehr genug für sie zu holen. Und wenn im Dezember die Familien kommen, um sich in der Plantage ihren Baum zu schlagen, dann sollen die zurückgelassenen Schafskötel sich möglichst verkrümelt haben.
Hemmecke-Otte lässt seine Schafe übrigens nicht im späten Frühjahr oder frühen Sommer scheren, sondern im Winter, bevor es in den Stall geht. Seine Erfahrung: „Die neugeborenen Lämmer haben sonst Schwierigkeiten, die Zitzen zu finden.“ Damit sie nicht irrtümlich an Wollfransen herumsaugen, habe sich der späte Schurtermin bewährt. „Zwei Wochen bleiben die Schafe im Stall, danach können sie wieder hinaus, wenn sie wollen“, sagt Hemmecke-Otte.

Fichte oder Tanne – schön sind sie beide

Bienrode (mak). Kniehohe Exemplare verkauft Landwirt Lothar Hemmecke-Otte bevorzugt als Topfware. Die größeren Tannen und Fichten sind acht, neun oder gar schon zehn Jahre alt, wenn sie als Weihnachtsbaum geschlagen werden. Das erklärt auch, warum ein Weihnachtsbaum seinen Preis hat.
Die Konkurrenz der Baumärkte ist gar keine, sagt der Landwirt. „Wer einen Baum für 15 Euro kaufen will, kommt sowieso nicht zu uns.“ Die anderen schätzen das Familienereignis, schlagen ihren Baum selbst in der Plantage oder kaufen ihn direkt vom Hof. Nordmanntannen und Blaufichten zieht der Landwirt bevorzugt heran. Einen Lieblingsbaum hat er nicht. Nordmanntannen sind wegen ihrer weichen Nadeln sehr beliebt. Die Fichten halten wunderbar auch ohne Wasser vier Wochen im Ständer. „Sie duften schön, sind aber kratzig“, urteilt Hemmecke-Otte.
In einem Jahr steht bei ihm und seiner Frau eine Nordmanntanne im Wohnzimmer, im nächsten eine Blaufichte. Der Schmuck wird entsprechend variiert. „Das kommt auf den Baum an“, sagte Hemmecke-Otte. Mehr Rot und Gold für die Nordmanntanne, zur Fichte passen Silber und Violett gut.
Ein Weihnachtsbaum ist dann schön, wenn er eine gerade gewachsene Spitze hat und der Stamm gleichmäßig mit Ästen garniert ist. Dieser etwas regnerische Sommer habe den Nadelbäumen gut getan. Sie mögen die gleichmäßige Feuchtigkeit. So sehr, dass einige der oberen Triebe im Vergleich zu den unteren fast zu stark gewachsen sind. Was soll’s – Weihnachtsbäume sind eben ein Naturprodukt.
Die Weihnachtsbaumpflanzung in Bienrode, Auf dem Anger, ist am 16. und 17. Dezember, von 9 bis 16 Uhr geöffnet, um die ungespritzten Weihnachtsbäume selbst zu schlagen. Der Verkauf von Nordmanntannen in Thune (Fahrtrichtung Harxbüttel) findet an diesem Wochenende (9. und 10. Dezember) von 10 bis 16 Uhr statt. Der Hofverkauf in der Altmarkstraße 34 läuft vom 14. Dezember an.

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