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Politikverdruss: „Einfach nur meckern, das reicht nicht“

Bundesprogramm will Bundesprogramm will das Interesse für Beteiligung wecken – Sozialdezernentin wirbt um rege Teilnahme von Initiativen.

Kommunalpolitik ist spannend. Das Bundesprogramm fördert unter anderem Initiativen, die das Interesse daran vor allem bei jungen Leuten wecken möchte. Archiv: T.A.

Von Birgit Leute, 01.03.2017.

Braunschweig. Wo sitzt der Oberbürgermeister während einer Ratssitzung? Und: Wie läuft diese eigentlich ab? Schüler der Raabe-Schule erlebten im vergangenen Jahr Kommunalpolitik zum Anfassen.

Das Pilot-Projekt wurde vom Bund im Rahmen des Programms „Demokratie leben“ unterstützt und bewirbt sich dieses Jahr wieder. Insgesamt
80 000 Euro sind in dem gut gefüllten Fördertopf – „es wäre toll, wenn sich noch viele weitere Initiativen melden würden“, wirbt Sozialdezernentin Dr. Andrea Hanke.

„Engagement lohnt sich“

Bund und Kommune wollen mit dem Programm gegen die Politikverdrossenheit und rechtsextreme Parolen angehen. „Leider gibt es nach wie vor in unserer Gesellschaft rechtsextremistische Umtriebe, diskriminierende Äußerungen“, beobachtete Hanke. Das Programm sei deshalb ein wichtiges Signal: „Wir wollen deutlich machen: Engagement lohnt sich. Einfach nur zu meckern, das reicht nicht.“

Im vergangenen Jahr profitierten insgesamt 20 Projekte von der Förderung. Ali Idris, Sprecher des Stadtschülerrats, und der ehemalige Ratspräsident Karl Grziwa brachten dabei unter dem Titel „Demokratie zum Anfassen – Gib Politik ein Gesicht“ Schülern die Mitbestimmungsmöglichkeiten vor Ort näher.
„Wir wollten klar machen, dass die Kommunalpolitik eine spannende Sache und kein ‚Closed Shop‘ ist, bei dem der Bürger außen vor bleibt“, sagt Grziwa. Der Ansatz war ein Volltreffer: 130 Jugendliche schnupperten in den Ratssaal, lernten die verschiedenen Arten der Beteiligung kennen und hatten gleich Verbesserungsvorschläge für den Internetauftritt der Stadt.

„Wenn man junge Leute einmal für Politik begeistert, dann bleiben die dran“, ist der 17-jährige Ali Idris – nicht zuletzt aus eigener Erfahrung – überzeugt. Träger des Projekts ist die Regionalstelle für politische Bildung der Volkshochschule.

Fremd und doch so nah

Einen ganz anderen Ansatz verfolgte der Grins-Verein, eine Kooperation von Staatstheater Braunschweig und Lot-Theater. Über einen Theaterworkshop brachten die Mitglieder Braunschweiger und Flüchtlinge aus der Landesaufnahmebehörde zusammen. Auf spielerische Weise konnten sich Einheimische und Fremde austauschen. „Das Schöne ist: Das Projekt hat sich verselbstständigt“, ist Regina Peper vom Staatstheater begeistert. Es seien Freundschaften entstanden, „und die Asylsuchenden, die inzwischen längst weitergezogen sind, geben jetzt selbst Theaterworkshops.“

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