• Home
  • > >
  • Pollenalarm: Birke hat „Mastjahr“

Pollenalarm: Birke hat „Mastjahr“

In diesem Frühjahr haben Allergiker ganz besonders zu kämpfen.

Laufende Nase, rote Augen: Die explodierende Natur macht Allergikern zu schaffen. Foto: Imago

Von Birgit Wiefel, 09.05.2018.

Braunschweig. Gelbgepuderte Autos, jede Menge Blütenstaub in der Luft: Die Natur hat voll aufgedreht. „Nach einem kalten Frühjahr sind Bäume und Sträucher geradezu explodiert“, bestätigt Michael Kraft, Leiter des Botanischen Gartens der TU.

Für Allergiker heißt das: rote Augen und laufende Nasen, denn es blüht nicht nur alles gleichzeitig. In diesem Jahr fliegen die Pollen auch ganz besonders stark. Für Botaniker ist 2018 ein sogenanntes „Mastjahr“, also ein Jahr, in dem bestimmte Bäume mehr Samen als üblich produzieren. „Der Begriff stammt aus dem 18. Jahrhundert. Damals wurden Schweine und Kühe zum Fressen in den Wald getrieben und in den Jahren, in denen viele Eicheln und Bucheckern anfielen, ‚gemästet‘, erklärt Kraft.
2018 hat die Birke ihr „Mastjahr“ und blüht derzeit so stark, dass es selbst Nicht-Allergiker merken. Mehr als 1000 Pollen seien auf dem Quadratmeter gemessen worden, so Kraft.

Die Pollenstürme, die wir in diesem Jahr erleben, haben auch mit der Klimaerwärmung zu tun. „Es ist eine Stressreaktion der Bäume“, weiß Michael Kraft vom Botanischen Garten. Durch das windige, trockene und warme Wetter produzierten sie geradezu massenhaft Blütenstaub.
„Für tränende Augen sorgen aber nicht nur Hasel, Birke und Erle“, sagt Kraft. Auch die Duftpflanzen, die jetzt überall für die Balkons angeboten werden, können allergische Reaktionen hervorrufen. „Hinzu kommen Hautreaktionen, die Wolfsmilchgewächse, die Weinraute oder der sogenannte brennende Busch hervorrufen“, so Kraft.
Kassen empfehlen Test
Etwa 15 Prozent der Deutschen reagieren auf Pollen allergisch hat das Robert-Koch-Institut herausgefunden. Wer stark unter Heuschnupfen und tränenden Augen leidet, sollte auf jeden Fall zu einem Facharzt gehen und einen Allergietest machen lassen, empfehlen die Krankenkassen.
„Die Kosten für diesen sogenannten Pricktest übernimmt die Kasse“, sagt

Rainer Rinne, Regionaldirektor der AOK, „ebenso die für eine Immunisierung oder – bei akuten Fällen – für eine Cortisonbehandlung.“
Im Rahmen der Mehrleistungen erstattet die AOK auch bis zu 80 Prozent der Kosten für homöopathische Behandlungen – sofern sie von einem Arzt mit dem Zusatz „Naturheilverfahren“ verschrieben wurden. Bislang nicht von der Kasse übernommen, werden derzeit noch Akupunktur-Behandlungen. „Allergien sollte man nicht auf die leichte Schulter nehmen“, warnt Rinne, „denn ein nicht behandelter Heuschnupfen kann ernstere Atemwegserkrankungen nach sich ziehen.“ Für alle Heuschnupfengeplagten hat Michael Kraft aber trotzdem eine gute Nachricht. „Der Birkenpollenflug ist bald vorbei und zumindest an Himmelfahrt können Allergiker durchatmen – dann ist Regen angesagt.“

^