Schlammpackung fürs Land

Volle Gräben, aufgeweichte oder geflutete Äcker und Wiesen, so sah es gestern am Ortsausgang von Beienrode und so oder so ähnlich überall aus. Foto: oh

Selten hat es so lange und ergiebig geregnet wie jetzt – Land- und Forstwirte sind in SorgeBraunschweig/Helmstedt. Regen, Regen, Regen. „Das Wetter kostet die Landwirte viele Nerven“, sagt Volker Meier, Geschäftsführer des Niedersächsischen Landvolks Braunschweiger Land, zu dem Helmstedt gehört. Auf einen nassen Herbst folgte ein nasser Winterbeginn. Meier: „Die Böden sind gesättigt, manche komplett geflutet.“ Ein Zustandsbericht, der für das gesamte Verbandsgebiet Geltung hat.
Das alte Jahr ging schon schlecht zu Ende.

Viele Bauern hatten wegen der heftigen Niederschläge die Herbstbestellung ihrer Äcker nicht abschließen können, weil die Flächen mit schwerem Gerät nicht mehr befahrbar waren. Saat kam nicht in den Boden, Stoppeln konnten nicht untergepflügt werden. Für Ernteprognosen ist es noch viel zu früh, aber: „Gerste und Raps, die mögen keine nassen Füße.“ Jetzt hängt alles von der weiteren Wetterentwicklung ab. Für die Landwirte wünscht sich Volker Meier, dass nun doch noch der Winter mit Frost und damit die Vegetation zur Ruhe kommt. Immerhin soll es in den nächsten Tagen etwas kälter und trockener werden.

Am Pegel Ohrum an der Oker südlich von Braunschweig war am Mittwoch noch alles im grünen Bereich und keine Warnstufe erreicht. Doch hier wie fast überall galt: Der Wasserstand steigt und steigt und damit die Gefahr, dass Flüsse über ihre Ufer treten. Am Freitag galt Meldestufe zwei, doch die Lage entspannte sich etwas, geringfügig sank der Pegel wieder ab.

„Der Dezember war schon sehr nass“, sagt Herma Heyken, Pressesprecherin beim Niedersächsischen Landesbetrieb für Wasserwirtschaft, Küsten- und Naturschutz. Die Böden seien gesättigt. „Jeder Tropfen, der jetzt vom Himmel fällt, geht 1:1 in die Flüsse“, erklärt Heyken. Die Experten im NLWKN seien sich jedoch einig: „So schlimm wie im Juli wird es nicht.“ Damals waren vor allem Orte im Harz und südlichen Niedersachsen überflutet worden. 67 Millionen Euro Schaden war damals entstanden. Auf den Internetseiten informiert der Landesbetrieb regelmäßig über aktuelle Pegelstände und Warnstufen.

Nach einem eher zu trockenen Dezember 2016 war der Dezember 2017 „deutlich niederschlagsreicher“. Der Deutsche Wetterdienst hatte in seinem Rückblick 84 Liter pro Quadratmeter errechnet, womit dieser Monat 119 Prozent seines Solls von 70 Litern/Quadratmeter erreichte. Der letzte Monat des Jahres 2017 war nicht nur überdurchschnittlich nass, sondern auch zu warm. Mit 2,6 Grad Celsius lag die Temperatur in Deutschland um 1,8 Grad über der international gültigen Referenzperiode 1961 bis 1990. Gegenüber der Vergleichsperiode 1981 bis 2010 betrug die Abweichung plus 1,4 Grad.

Nasse Winter werden nach den bisherigen Beobachtungen zunehmend die Regel und sind nicht mehr die Ausnahme. Seit 1881 hat die mittlere jährliche Niederschlagsmenge in Deutschland nach Informationen des Deutschen Wetterdienstes um rund zehn Prozent zugenommen. Dabei verteilt sich dieser Anstieg nicht gleichmäßig auf die Jahreszeiten. Vielmehr sind insbesondere die Winter deutlich nasser geworden, während die Niederschläge im Sommer geringfügig zurückgegangen sind. Danach hätten die Winterniederschläge sogar um mehr als 25 Prozent zugenommen.

Seit 1920 nimmt die Entwicklung hin zu mehr Niederschlag Fahrt auf. Waren besonders regen- oder schneereiche Jahre zunächst die Ausnahme, folgte eine Übergangszeit mit mehr feuchten Jahren, wobei die Mittelwerte nur geringfügig überschritten wurden. Seit Mitte der 1960er Jahre häufen sich nun die sehr regenreichen Jahre.

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