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Schweine sind die„Problembären“

Wildschweine geraten als Überträger der Schweinepest ins Visier der Jäger – und nicht nur deshalb.

Wildschweine in doppelter Gefahr: Die Afrikanische Schweinepest verläuft fast immer tödlich. Bauernverbände fordern, Wildschweine massiv zu bejagen, damit sie die Seuche nicht weiter verbreiten. Schweinemäster fürchten um ihre Einnahmen. Foto: Marion Korth

Von Marion Korth, 17.01.2018.

Braunschweig. Die Gefahr kommt näher: „Die Afrikanische Schweinepest ist nur noch circa 300 Kilometer von Deutschland entfernt.“ Diese Nachricht des Niedersächsischen Landesamtes für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit ist von der Wirklichkeit vielleicht schon eingeholt worden. Für Schweinehalter ist es ein Horrorszenario, das sich da aufbaut.

Sie haben Angst vor Exportverboten und Preisverfall, wird das Virus auch in Deutschland nachgewiesen. Für Vechta, Schwerpunktregion der Schweinehaltung, wird über einen Sperrgürtel nachgedacht.
Die Wildschweine sind ins Visier geraten, weil sie die tödliche Seuche weiter verbreiten können. Aus den Reihen des Bauernverbandes ist die Forderung laut geworden, 70 Prozent der Wildschweine zu töten, um das Virus zu stoppen. „Utopisch“, sagen einige aus der Jägerschaft.

Die NB sprach mit Jägerschaftsvorsitzendem Hennig Brandes, denn auch in Braunschweig werden Wildschweine als Problem gesehen – aber nicht wegen der Seuche …

Polen, Baltikum, Moldawien, Rumänien und Tschechien – die Afrikanische Schweinepest ist auf dem Vormarsch, es scheint nur noch eine Frage der Zeit zu sein, bis die für Wild- und Hausschweine fast immer tödlich endende Krankheit auch in Deutschland ist. Die Bauernverbände schlagen Alarm, fordern, den Wildschweinbestand um 70 Prozent zu reduzieren, damit sich die Krankheit nicht mehr so schnell ausbreiten kann. Es geht die Angst um, dass die Seuche vor den Mastställen nicht haltmacht. 70 Prozent – was heißt das eigentlich in der Praxis? Die NB fragte Jägerschaftsvorsitzenden Hennig Brandes um eine persönliche Einschätzung.

Ganze Arbeit geleistet

Für die hiesigen Jäger sind Wildschweine auch ohne Tierseuche schon lange ein Thema. Sie sind sozusagen die „Problembären“ in Städten und auf dem Land. „Bolzplätze Spielplätze, Fußballplätze, Grünanlagen, Kleingartenanlagen, private Gärten.“ Hennig Brandes könnte die Aufzählung noch eine Weile fortführen. An manchen Ecken in der freien Landschaft gebe es kaum noch einen Quadratmeter, der nicht umgedreht sei. Allein deshalb sieht er Handlungsbedarf. „Das Schwarzwild breitet sich immer mehr aus. Wir müssen uns etwas einfallen lassen.“
Auf der Suche nach Nahrung machen Wildschweine keine halben Sachen, wo sie mit ihren Rüsseln hindurchpflügen, wächst vorerst kein Gras mehr. „Bis 1980 hatten wir im Stadtgebiet gar keine Wildschweine“, sagt Brandes. Mittlerweile dringen die Rotten immer weiter vor, verursachen hohe Schäden. Mehr als 200 Schweine haben Braunschweigs Jäger im vergangenen Jahr geschossen – mehr als je zuvor, aber: „Trotz intensiver Bejagung bekommen wir die Bestände nicht in den Griff.“ Die Jäger legen den Schwerpunkt auf den Abschuss der Frischlinge, müssten aber vermehrt Überläufer und Bachen erlegen, um den Zuwachs zu reduzieren. „Natürlich keine Bachen, die gerade Jungtiere führen, das ist auch ethisch nicht zu vertreten“, betont Brandes.

Vorstöße auf Landesebene, das Jagdrecht zu lockern, etwa Schonzeiten zu streichen oder die Jagd auf Wildschweine mit Hilfe von Nachtsichtgeräten beziehungsweise Lampen zu erlauben, sieht er positiv, denn: „Wildschweine sind nur nachts zu bejagen.“ Das heißt bislang, die Jäger müssen auf helle Vollmondnächte und auf halbwegs gutes Wetter warten. Deshalb sei es sinnvoll, über den Einsatz von Technik zu sprechen. Brandes denkt an Lampen und darüber hinaus an Schalldämpfer. Speziell im Stadtgebiet, damit niemand wegen einer vermeintlichen Schießerei die Polizei ruft und die Wildschweine nicht gewarnt werden.

Heikles Thema

So oder so sei die Jagd auf Wildschweine im Stadtgebiet ein heikles Thema, allein aus Sicherheitserwägungen. Deshalb stünden die Jäger im engen Kontakt mit allen verantwortlichen Stellen. In der Stadt ist es die Enge, auf dem Land die Weite der Landschaft, die die Jagd erschweren. Und was heißt das für die Forderung, 70 Prozent aller Wildschweine zu töten? „Das ist nicht ohne Weiteres durchführbar“, sagt Brandes.
Die Nachtjagd sei in Niedersachsen jagdgesetzlich eingeschränkt, eben weil bislang keine Lampen eingesetzt werden dürfen. Aus Brandes’ Sicht müsse im Stadtgebiet in Revieren mit hohem Schwarzwildbestand und zunehmenden Schäden deshalb auch in Erwägung gezogen werden, Wildschweine zu fangen. Es gebe dazu tierschutzgerechte Möglichkeiten. So sei es beispielsweise in Rostock gelungen, mit einem Konzept aus verschiedenen Maßnahmen, die Schwarzwildbestände erfolgreich zu reduzieren. Er sei dazu mit der Stadtverwaltung und auch mit dem Landwirtschaftsministerium in Kontakt, sagte Hennig Brandes.

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