„Sport ist meine Kraftquelle“

Für Silivi Inga gehört Bewegung in den Alltag wie die Luft zum Atmen / NB-Serie Teil 2.

Silivi in Aktion. Foto: Nizar Fahem

Von Ingeborg Obi-Preuß, 21.04.2018.
 

Braunschweig. Silivi geht direkt nach vorn – ein Energiebündel wie aus dem Bilderbuch. Der offene Blick, das breite Lachen, der dynamische Gang. Die Ansage ist klar: Hier kommt eine selbstbewusste Frau, eine durchtrainierte Sportlerin, ein fröhlicher, wacher Geist. Der Charme der 26-Jährigen ist umwerfend und ansteckend. Es macht Spaß, in ihrer Nähe zu sein. Wer das möchte, geht am besten zum Sport. Denn Bewegung ist ihr Lebenselixier.

Silivi ist Trainerin im Fitnessland, ihre Kurse sind legendär. Body-Workout und Danceburner beispielsweise bietet sie am Samstagvormittag direkt hintereinander an. Silivi, die Trainerin, hüpft und springt, grätscht und turnt, motiviert und – lacht. „Kommt, eine Runde schafft ihr noch“, ruft sie den Sportlern zu, die gerade am Rande ihrer Kräfte auf die Matte sinken wollen.

Dabei stand sie früher gar nicht gern in der ersten Reihe. „Ich war ein schüchternes Mädchen“, erzählt sie aus ihrer Kindheit. Mit sechs Monaten kam sie mit ihren Eltern aus dem Kongo nach Deutschland. Genauer – nach Wendeburg.
Für die Eltern ein Kulturschock, „sie kannten keine Kälte“, weiß Silivi aus Erzählungen. Für sie und ihre drei jüngeren Schwestern sind die Geschichten aus der afrikanischen Heimat immer wieder spannend. „Meine Eltern hatten eine harte Kindheit und Jugend, sie wurden geschlagen und später verfolgt, deshalb flüchteten sie nach Deutschland. Sie mahnen uns immer wieder, die Möglichkeiten, die sich uns hier bieten, zu nutzen“, sagt Silivi. Und das tut die junge Frau. Schon früh war ihr klar, dass sie Lehrerin werden möchte, heute studiert sie an der TU: Deutsch – und natürlich Sport. Zuvor besuchte sie drei Jahre lang die Doris-Reichmann-Schule in Hannover, eine Berufsfachschule für Gymnastik und Tanz, an der bis 2015 Gymnastiklehrerinnen ausgebildet wurden. Der Schein zur Fitnesstrainerin war danach nur noch Formsache.

„Aber ein ganz wichtiger Schritt in meinem Leben“, erzählt Silivi. „Wenn du vorn, stehst, eine ganz Gruppe Menschen dich erwartungsvoll anschaut, wenn du die Führung übernehmen und Übungen vormachen musst – dann verlierst du deine schüchterne Seite“, blickt sie auf die Anfänge zurück. „Der Sport ist eine großartige Brücke zwischen den Menschen“, weiß sie aus Erfahrung, „ich habe hier viel gelernt.“
Und Rassismus? Begegnen ihr auch Ablehnung oder Ausgrenzung? „Es gibt sicher immer wieder Leute, die in ihren Klischees denken und dort verhaftet bleiben“, sagt sie nach einigem Nachdenken, „das finde ich schade – vor allem für diese Menschen. Aber mit mir hat das nichts zu tun, es perlt völlig ab, ich blende das komplett aus.“
Sie steckt voller Pläne für ihr Leben, ist glücklich im Studium und in ihrer Einzimmerwohnung in Braunschweig, hat seit einiger Zeit einen Freund und ist „sehr, sehr, sehr verliebt“.
Und wenn es mal nicht läuft? „Dann rufe ich Mama an“, kommt es prompt. „Ich habe viele gute Freundinnen, aber wenn es richtig brennt, ist Mama die Nummer 1.“ Silivi zeigt ein Handyfoto: „Das ist meine Mutter“, sagt sie und ihre Augen strahlen. Katharina Inga lächelt vom Display, eine schöne Frau mit einer stolzen Haltung und einem selbstbewussten Lächeln. „Sie ist mein großes Vorbild“, sagt Silivi.
„Meine Stärke habe ich durch meine Erziehung“, ist sie sicher, „Respekt und Höflichkeit sind meinen Eltern sehr wichtig, nie hätte ich ein Schimpfwort benutzt, oder widersprochen“, erzählt sie, „und beim Lügen haben sie mich immer sofort ertappt.“
Der Kontakt zu den Eltern und den drei Schwestern ist eng und innig. Familie steht für Silivi Inga an erster Stelle, dann kommt der Sport. „Es gibt so viele spannende Projekte in meinem Leben, so viele coole Menschen, es ist egal, welche Hautfarbe oder wie viel Geld man hat – das Leben ist schön“, sagt sie. Es klingt sehr, sehr echt. „Und Sport und Bewegung gibt mir die Power, um das alles richtig zu genießen.“

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