War Therme schuld am Tod?

Paar in der Wendenstraße starb vermutlich an einer Vergiftung.

Frank Senger, Innungsobermeister. Foto: oh

Von Birgit Leute, 04.01.2017.

Braunschweig. Ein 18-jähriger Mann und eine 24-jährige Frau waren am ersten Weihnachtsfeiertag tot in der Wendenstraße aufgefunden worden. Die Polizei geht inzwischen von einer Kohlenmonoxidvergiftung aus, die Untersuchungen dauern allerdings noch an. „Da das Paar fast zwei Wochen unentdeckt in der Wohnung lag, ist eine Analyse schwierig“, äußert sich Polizeisprecher Wolfgang Klages vorsichtig zum Zustand der Toten.

Mit großer Wahrscheinlichkeit sei aber eine defekte Gastherme schuld an dem Tod. „Monteure der Herstellerfirma untersuchen derzeit das Gerät, das offenbar eine Fehlermeldung angezeigt hatte“, sagt Klages. Doch auch eine Überdosis Drogen könne Ursache für den Tod gewesen sein, so der Polizeisprecher.

Entdeckt wurde das ausländische Paar, weil Nachbarn in dem Mehrfamilienhaus einen unangenehmen Geruch bemerkt hatten. „Durch die lange Liegezeit war die Identifizierung schwierig, außerdem waren die 25-Jährige und der 18-Jährige nicht in der Wohnung gemeldet“, sagt Klages über die Ermittlungen.
Die Polizei nimmt an, dass die eigentlichen Mieter den beiden die Wohnung für ein Rendezvous überlassen hatten. „Da Fremdeinwirkung ausgeschlossen werden kann, bleiben als Ursache eigentlich nur noch eine Kohlenmonoxidvergiftung oder Drogenkonsum“, so Klages.

Thermen sind eigentlich sicher

Frank Senger, Obermeister der Innung für Sanitär, Heizung und Klimatechnik, Sektion Braunschweig, wurde bereits als Sachverständiger herangezogen. Er hält eine Vergiftung für möglich, „doch ohne Manipulation der Therme ist ein solcher Fall sehr, sehr unwahrscheinlich“, teilte er auf Anfrage der nB mit. Fast immer sei zuvor am Schornstein oder an der Abgasführung hantiert worden, „etwa um den Verbrauch zu verschleiern“. An einer regelmäßig gewarteten und ordnungsgemäß genutzten Therme – egal ob neu oder alt – trete dagegen nicht plötzlich Kohlenmonoxid aus. „Da kann ich jeden Hausbesitzer oder Mieter beruhigen“, so der Innungsobermeister.

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