Wie ein alter Herr mit seiner Tabakpfeife

Christine Reckewell erlebte spannende Trekking-Tour auf den indonesischen Vulkan Dukono.

Schon aus der Ferne ist das Grollen des Vulkans, das an ein Gewitter erinnert, zu hören.

Von Maria Lüer, 02.03.2018.
 

Königslutter. Sie ragen steil in den Himmel, mit schwarzer Asche und scharfem Gestein bedeckt. Sie schlummern vor sich hin und doch kann man so manches Mal durch heiße Quellen oder streng riechende Gasschlote ihre Kraft erahnen. Durch pure Gewalt wurden sie erschaffen, von einigen Kulturen verehrt. Vulkane. Christine Reckewell haben sie längst in ihren Bann gezogen.

Für die Königslutteranerin stand ihre nächste Erlebnisreise schnell fest: Gemeinsam mit ihrer Tochter machte sie sich auf nach Halmahera, eine indonesische Insel, die größte der Inselgruppe der Molukken und Teil der Provinz Maluku Utara, um dort den seit 1933 kontinuierlich aktiven Vulkan Dukono zu erklimmen. „Im Internet haben wir Kontakt mit dem Guide Alex aufgenommen. Ihn haben wir in Tobelo getroffen, einem düsteren kleinen Ort in der Nähe des Vulkans“, erzählt Reckewell. Die dunkle Atmosphäre des Vulkandorfes habe die beiden Frauen zunächst umgehauen. „Als wir ankamen, waren wir erst einmal geschockt. Wir hatten andauernd das Gefühl, dass ein Unwetter bevorsteht, über der ganzen Ansiedlung hing eine Aschewolke“, berichtet Reckewell. Bedrückend seien auch die Geräusche gewesen: „Ständig hörten wir in der Ferne das Grollen des Vulkans, das an ein Gewitter erinnert.“

Recht schnell akklimatisiert, erfolgte die Trekking-Tour zum Vulkan an einem frühen Morgen. „Der Aufstieg? Wirklich lang und beschwerlich“, lacht Reckewell. „Wir mussten uns Pfade, die mit meterhohem Schilf zugewachsen waren, mit der Machete freischlagen.“ Insgesamt acht kleine Flüsse, die normalerweise trocken, zur Regenzeit aber mit milchig-grauem Wasser gefüllt sind, überquerten die Abenteurer auf ihrem Weg nach oben. „Ich hatte bei einem Mopedunfall auf der Insel Siau, die wir vor dem Aufstieg besuchten, mein Bein verletzt. Und die Vulkanasche – ein ständiger Begleiter auf unserer Tour – setzte sich als grauer Staub überall auf unseren Körpern ab und machte die Wanderung auch nicht gerade einfacher“, resümiert Reckewell. „Wir benötigten schließlich fast zwölf Stunden bis zu unserem Camp, das sich etwa zwei Kilometer von der Krateröffnung entfernt befand.“ Dort angekommen aber wurden die Reisenden mit einem einzigartigen Ausblick belohnt. „Immer wieder schauten wir zum Dukono, der nun direkt vor uns sein atemberaubendes Schauspiel lieferte“, sagt Reckewell. „Das Getöse des Vulkans war unglaublich laut und unheimlich. Immer wieder flogen glühende Steine in die Luft, wir waren so nah, dass wir deren Herabrollen hören konnten.“

Da die Abstände der Vulkanausbrüche kürzer als die üblichen 20 Minuten waren, sollte der kleinen Gruppe der Aufstieg bis an den Kraterrand heran allerdings verwehrt bleiben – zu gefährlich. Die unheimliche Stimmung genossen Mutter und Tochter so in 400 Metern Entfernung. „Wir konnten uns von diesem Naturschauspiel nur schwer losreißen. Auf einem aktiven Vulkan zu stehen, in dem es brodelt wie in einem Hexenkessel, gehört wohl zu den spannendsten Dingen, die es in der Natur zu sehen gibt“, schildert Reckewell.

Den Fuß des Vulkans erreichten Guide und Urlauber erschöpft, aber glücklich. Ein letzter Blick auf den Dukono bleibt im Gedächtnis: Er zeigt sich noch einmal von seiner schönsten Seite und speit seinen Rauch aus, langsam und bedacht – wie ein alter Herr mit seiner Tabakpfeife.

Info
Wer mit Christine Reckewell Kontakt aufnehmen oder weitere Eindrücke von ihren spannenden Reisen gewinnen möchte, wirft einmal einen Blick auf ihren Blog unter www.umdiewelt.de/Reisende/Autor-9802.htm.

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