„Wir akzeptieren das nicht“

Beleidigungen, Pöbeleien, Angriffe: Polizei fordert härtere Konsequenzen.

Die Braunschweiger Südkurve: Mit „Scheiss Bullen“ sei nicht die Polizei gemeint, sondern die „Bullen“ von RB Leipzig, erklären Fans. „Das stimmt nicht“, sagt die Polizei, „und selbst wenn: Beleidigung ist Beleidigung.“ Foto: Susanne Hübner

Von Ingeborg Obi-Preuß, 01.03.2017.

Braunschweig. Dietmar Schilff hat gemeinsam mit seinen Kollegen einen Brief an Eintracht Braunschweig geschrieben (siehe NB vom vergangenen Samstag), der Verein hat auch ein Gesprächstermin angeboten, aber der Vorsitzende der Polizeigewerkschaft möchte das Thema bis dahin nicht ruhen lassen.

„Das geht uns alle an“, sagt er, „wir brauchen eine gesamtgesellschaftliche Debatte darüber, wie wir miteinander umgehen wollen, wie wir miteinander reden – und auch darüber, wie wir Fußball gucken.“
Einer erkennbaren Tendenz zur Verrohung jedenfalls könne und dürfe nicht zugesehen werden. „Und ganz offensichtlich reichen ja die bisherigen Maßnahmen und Sanktionen nicht aus“, begründet der Polizist seinen erneuten Anlauf. „Denn jedes Wochenende werden die Kollegen schwer angegangen“, sagt er, „das können wir doch nicht akzeptieren.“

Dietmar Schilff betont, dass Eintracht Braunschweig mit viel Engagement in der Fanbetreuung aktiv sei. „Aber es scheint alles nicht zu reichen“, fügt er an. Harte Konsequenzen, Reaktionen auf Beleidigungen seien erforderlich.
„Für das Abbrennen von Pyrotechnik hat das Sportgericht des Deutschen Fußball-Bundes Anfang des Jahres gegenüber Eintracht Braunschweig eine Bewährungsstrafe verhängt“, erinnert Schilff, „im Wiederholungsfall bleiben beim darauffolgenden Heimspiel die Blöcke 8 und 9 leer.“

An solchen Maßnahmen sollten sich seiner Meinung nach die Vereine orientieren, jede Form von Beleidigungen müsste unterbunden werden. „Dass es nicht einfach ist, ist mir klar“, sagt der Polizist, ein Einsatz von Beamten in der Fankurve, habe die Situation auch schon eskalieren lassen. Aber: „Der Verein und vor allem die Mannschaft kann sich deutlicher distanzieren“, ist sein Vorschlag. „Die Spieler sind Angestellte der Vereine“, fährt er fort, „man kann sie anweisen, nicht in der Kurve mit randalierenden Fans zu feiern.“ Es könne und dürfe nicht sein, dass eine kleine Gruppe pöbelnder Menschen der Menge der Fans und den zahlreichen guten Fanprojekten so schade. Bundesweit sei die Bereitschaftspolizei vor allem mit der Begleitung von Fußballspielen beschäftigt, finanziert von allen Steuerzahlern. „Normale“ Menschen würden Bahnhöfe und Züge meiden, wenn sie wüssten, dass Fußballfans mitfahren würden. Das können wir doch nicht weiter zulassen“, appelliert Schilff.
Ein Gespräch mit Eintracht Braunschweig folgt zeitnah (wir werden berichten).

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