17. Juli 2018
Aktiv

„190 Kisten Wasser – leer getrunken“

Rund 10 000 Kinder nehmen wieder am städtischen Ferienprogramm teil - Ein Besuch

Kein Zweifel: Carla und Charlotte hatten einen Riesenspaß auf dem Südsee.

Braunschweig. Auf der ersten Sprosse der Jakobsleiter wird es der fünfjährigen Annie doch etwas mulmig – trotz Helm, Gurt und Sicherungsseil. „Ich will lieber wieder runter“, sagt sie leise. Kein Problem, Sozialarbeiterin Caro lässt sie sanft von dem schwingenden Kletterbalken zu Boden gleiten.

Ferien im Zweistromland – das ist eine Mischung aus Dschungelabenteuer und Indianerlager. Das Camp der städtischen Jugendförderung ist jedes Mal der Renner im Sommerferienprogramm FIBS (Ferien in Braunschweig). Um die 150 Kinder tummeln sich im Durchschnitt in Gliesmarode. Die Plätze sind schon Wochen vorher ausgebucht. „Im vergangenen Jahr hat es wie aus Kannen geschüttet, dieses Jahr müssen wir schon nach zweieinhalb Wochen Wasser nachordern – die 192 Kisten sind aufgrund der Hitze alle leer getrunken“, erzählt Sozialarbeiter Fabian Gerlich lachend.
Auch in diesem Jahr unterstützt das Zweistromland den 2005 gegründeten Verein „Viva con agua“, der sich für den weltweiten Zugang zu sauberem Trinkwasser einsetzt. Mit verschiedenen Aktionen, etwa einem BMX-Rennen, sammeln die Kinder Spenden.

Fast 40 Jahre ist das Ferienprogramm FIBS der städtischen Jugendförderung alt – und hat sich in diesem Zeitraum geräuschlos den sich verändernden Wünschen und Bedürfnissen der Kinder angepasst. Eine Zielgruppe, die in den vergangenen Jahren stärker in den Fokus rückte, sind zum Beispiel die älteren Schüler um die 12 Jahre, „die ’Lückenkinder‘“ wie FIBS-Koordinator Andreas Zimpel sie nennt. Nicht abwertend gemeint, sondern der Sache geschuldet. „Bei der Förderung, die sich vor allem um Kinder und dann wieder um Auszubildende kümmert, geraten sie leicht aus dem Blick“, erklärt er. Für sie hat der Fachbereich eigens das Ferien-Programm „10+“ entwickelt.

Ortstermin in Broitzem. Im Awo-Jugendzentrum Schiene lernen Zehn- bis 15-Jährige mit Medien umzugehen. In dieser Woche steht das eigene Smartphone im Mittelpunkt, in der vergangenen drehte sich alles ums Fotografieren. Medienreferent Cornelia Upmann zeigt Tricks wie Lightpainting und das Filmen, klärt aber auch über Fragen zur Sicherheit auf, „wichtig für die Teilnehmer, die sich ja oft am Tag in den sozialen Netzwerken aufhalten“, betont sie.
Fünf Kilometer weiter südlich werden gerade Gläser graviert. Ein feines Sirren dringt aus dem Jugendtreff in Leiferde. Der zwölfjährige Felix ritzt konzentriert seinen Namen in ein Wasserglas, in den Regalen stehen schon gebastelte Wasser-Flugzeuge aus Kork. „Hier ist richtig Dorf“, sagt Petra Kusatz, Leiterin des Vereins, schmunzelnd über den Treff, der bewusst offengehalten ist, in den die Kinder und Jugendlichen kommen und gehen, wann sie wollen.

Etwas straffer organisiert geht es am Südsee zu. Bereits um 8 Uhr morgens haben sich die Teilnehmer des Segelkurses mit Oliver Ohm, Vorsitzender der Naturfreundejugend, und seinen Kollegen unter der Parole „Aufpassen, zuhören und
Handys weg“ getroffen. Im Moment schippern zwölf Jugendliche in kleinen, nur 30 Kilogramm schweren Optimisten-Jollen – unter Seebären „Optis“ genannt – kreuz und quer übers Gewässer. „Heute am ersten Tag geht es vor allem darum, das Gleichgewicht auf den Booten zu halten“, sagt Ohm, obwohl das richtige Kentern natürlich auch auf dem Programm steht. Die Naturfreunde können sich vor Anfragen kaum retten: „Vor vier, fünf Jahren haben wir nur eine Woche angeboten, heute sind es drei – alle ausgebucht“, sagt Ohm.

Wer sich noch kurzfristig für eine FIBS-Aktion entscheiden möchte – es gibt noch freie Plätze. Einen Überblick gibt es unter www.braunschweig.de/fibs. Für Braunschweig-Pass Inhaber gibt es Ermäßigung, Info-Telefon 470-85 26.

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