12. März 2022
Wirtschaft

2,30 Euro – Sprit so teuer wie nie

Krieg in der Ukraine lässt Preise für Diesel und Benzin durch die Decke gehen

Die Preise an den Zapfsäulen machen derzeit schwindelig. Foto: Birgit Wiefel

Braunschweig/Region. Knapp 2,30 Euro für den Liter Diesel, rund 2,17 Euro für den Liter Super E10. So viel kostete Sprit noch nie. Tanken geht zurzeit ans Eingemachte. Nach den gestiegenen Gas- und Stromkosten Anfang des Jahres (die NB berichtete) sind die Spritkosten im Moment der dritte Preistreiber.

Selbst Fachleute wie Johann Thiele, Geschäftsführer der MHB Mineralölgesellschaft mit Sitz in Braunschweig, können sich an keinen vergleichbaren Sprung erinnern. „Meine Leute mussten sich erst daran gewöhnen, dass eine Zwei vor dem Komma steht“, sagt er.
Schon 2021 hatten die Preise nach einem Tiefststand durch den Corona-Lockdown wieder an Fahrt aufgenommen, dann wurde Anfang 2022 noch einmal die CO²-Abgabe erhöht, jetzt kommt der Ukraine-Krieg hinzu.
Industrie und Handel spüren die Auswirkungen bereits deutlich. Aber auch die Pendler müssen tiefer in die Tasche greifen. Rund 37 000 Braunschweiger Arbeitnehmer fahren in der Regel jeden Tagt in eine andere Stadt zum Arbeiten. Noch sind eine ganze Reihe im Homeoffice, doch wenn am 20. März die Pflicht dazu fällt, wird es auch auf den Straßen wieder voller werden.

Nein, eine solche Preisexplosion hat Johann Thiele in seinem bisherigen Berufsleben noch nie erlebt. Der 38-Jährige ist Geschäftsführer der MHB Mineralölhandel GmbH aus Braunschweig, betreibt in der ganzen Region Tankstellen und Autowaschanlagen – und kommt nach drei Sätzen ins Politisieren. Zu nah gehen ihm die Bilder, die im Moment täglich aus der Ukraine zu uns gelangen.

Was sich gerade weltweit auf den Märkten und direkt vor Ort an den Zapfsäulen abspielt, trifft auch ihn bis ins Mark. Denn neben den Tankstellen der Big Player beliefert er noch eigene, freie Servicestationen. „Im Moment fahren wir dort nur Verluste ein, da wir die Preise, die wir im Einkauf bezahlen, noch gar nicht an den Kunden weitergeben haben.“
Licht am Ende des Tunnels sieht er noch nicht. Erst diese Woche verkündete Shell, ab sofort keine Geschäfte mehr mit Russland zu machen und den Handel mit Diesel und Heizöl auch in Deutschland einzuschränken. „Das führt natürlich zu einer zusätzlichen Verknappung“, weiß Thiele. Zugleich sind die Sanktionen für ihn alternativlos. „Nur tausend Kilometer von hier sterben Menschen, da haben wir eine moralische Verpflichtung“, sagt er fest. Mehr noch: Wenn es nach ihm ginge, könnten die Maßnahmen noch tiefgreifender ausfallen. „Dieses Zaudern und Zögern, das bringt doch nichts. Lieber jetzt eine harte Zeit von vielleicht drei bis vier Wochen, als ein permanenter Brandherd, der zu Millionen von Flüchtlingen führt.“ Thiele glaubt nicht, dass der Handel mit Russland komplett zum Erliegen kommt, wenn Deutschland jetzt den Hahn zudrehen würde. „Ich bin kein Experte, aber ich denke, dass die Kontakte nach einem Ende des Krieges wieder aufgenommen werden. Russland ist abhängig vom Ölexport.“

Die Stimmung an den Zapfsäulen sei noch gemäßigt. Der Ärger über die Preiserhöhungen hielte sich in Grenzen, hat Thiele beobachtet. „Die Kunden schütteln zwar den Kopf , fluchen leise, aber keiner meiner Mitarbeiter wird angegangen. Es ist klar, dass wir die Erhöhung nicht aus Kalkül machen, am Ende sitzen wir alle im gleichen Boot.“ Ein Ende der Fahnenstange sieht er allerdings nicht. „Auch die Lebensmittel werden sich verteuern, denn die Lkw, die diese transportieren, fahren auch mit Diesel.“

Einen guten Rat zu geben, fällt deshalb schwer in dieser Zeit. „Nutzen Sie die Preis-App, vergleichen Sie, wo Sie noch am günstigsten tanken können – und versuchen Sie möglichst viele Wege mit dem Fahrrad zu machen, denn ich kann nicht versprechen, dass die Preise in den drei Wochen wieder auf Normalniveau sind“, sagt Johann Thiele.

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