22. März 2021
Buntes

Unvergessene Gefährten

In 80 Tagen um die Welt - Vol. III, Folge 6

Kurz vor Sunset im Okavango-Delta, Botswana. Foto: Andreas Döring

Im Okavango-Delta war das, in Botswana. Natur pur mit drei Übernachtungen in der freien Wildbahn. Erst in den Bus, dann auf den Pickup, dann das Equipment in ein Kanu, in dem wir an Nilpferden und badenden Elefanten vorbei durch enge Schilfgraskanäle glitten.

Wir Touris waren zu viert und hatten genauso viele Guides an unserer Seite. Großes Kino. Unsere beiden Reisegefährten hatten gerade drei Monate ehrenamtlich in einer ländlichen Klinik in Sambia gearbeitet, ein älteres Mediziner-Ehepaar aus Virginia. Toll, dachten wir, da gibt’s viel zu erzählen, denn wir hatten gerade bei einem Alphabetisierungsprojekt in Sambia geholfen. Die beiden waren im Vorstand einer sehr speziellen Baptistengemeinde in Virginia. Sie war entsetzt, dass wir in ganz einfachen Zelten auf Isomatten untergebracht waren, nahm es aber mit Humor. Umgekehrt nahmen wir es mit Humor, als sie uns aufforderten, vor den Mahlzeiten ellenlang zu beten. Tja, und dann haben beide so unchristlich über das asoziale, arbeitsscheue Gesindel in den heruntergekommenen USA hergezogen, dass wir drei Tage lang Zelt an Zelt mitten in der Wildnis nur noch wenig redeten.

Von ganz anderem Schlag war der Londoner Geologe in Musandam in Oman. Schmuddeliger Armani-Leinenanzug, Maßschuhe, Panama-Hut, randvoll mit skurrilen Geschichten von seinen Aufträgen in den Erdölländern dieser Welt. Wir drei waren die einzigen Gäste einer Bootstour im traditionellen Dau mit Übernachtung an einsamem Strand.

„Au weia“, war sein Urteil über den Steilhang, an dessen Fuß ein riesiger Teppich für uns ausgebreitet war, „das bröckelt bestimmt!“ Er war Professor am Imperial College und hatte diesen Nebenjob: mögliche Erdöllagerstätten aus Gesteinsformationen herauszulesen. „Diese Opec-Länder schmeißen mit Geld nur so um sich und mein kleines Leben ist kurz!“ Eine arabeske Anekdote jagte die andere. Und ausgerechnet: Er hatte mal in der Herzog August-Bibliothek recherchiert und schwärmte von Wolfenbüttel.

Im Schein des Lagerfeuers teilten wir unsere im streng muslimischen Oman unschätzbar wertvollen Gin-und Whiskybestände und erzählten, bis wir giggelnd in unsere Schlafsäcke krochen. Als Erinnerung an Wolfenbüttel habe ich ihm zu Weihnachten eine Flasche Jägermeister geschickt.

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