Ab in den Garten: Ein bisschen „Erdung“ tut der Seele gut | Neue Braunschweiger
4. April 2020
Natur

Ab in den Garten: Ein bisschen „Erdung“ tut der Seele gut

Holpriger Start ins Gartenjahr: Vieles ist anders als sonst, aber vieles ist wie immer – Das hilft in turbulenten Zeiten

Auch in Corona-Zeiten: „Nachhaltigkeit ist ein riesengroßes Thema", sagt Burkhard Bohne. Wie sich der Anspruch eines schonenden Umgangs mit Natur und Ressourcen im Garten und auf dem Balkon umsetzen lässt, darüber hat er ein Buch geschrieben. Antje Kohlstedde

Braunschweig. Bloß nicht den Kopf nach Art des Vogel Strauß in den Sand oder in diesem Fall ins Gartenbeet stecken. Bei allen schlechten Nachrichten, die mit dem Coronavirus über uns kamen, bleibt doch die Freude über das Blütenmeer, mit dem sich dieses Frühjahr ankündigte.

Ein milder Winter und viel Regen haben Schneeglöckchen, Blausternen und Scilla so richtig gut getan. Aber ohnehin ist Burkhard Bohne, vielen bekannt als Leiter des Arzneipflanzengartens der Technischen Universität, durch seinen Einsatz mit Ehrenamtlichen im Klostergarten, durch Kräuterschule und Gartenprojekte im Stadtgarten Bebelhof und nicht zuletzt als Buchautor bekannt, niemand, der nur das Schlechte sieht.
Wir treffen uns nicht persönlich, sondern sprechen am Telefon. Wenig später am Tag, werden die öffentlichen Termine im Klostergarten abgesagt. Auch die ersten Unterrichtsstunden seiner Kräuterschule fallen aus. „Bis Ostern ist erst einmal Schicht.“ Burkhard Bohne ist zuversichtlich, dass die späteren Termine stattfinden können. „Als hätte ich es geahnt, geht es in diesem Jahr um andere Themen, zum Beispiel den bienenfreundlichen Garten oder Nachhaltigkeit“, sagt Bohne. Diese Themen sind auch noch im Sommer aktuell. Anders etwa als die Anleitung zur Pflanzenanzucht, für die es dann zu spät wäre.

Gartentipps übers Internet

Bis dahin veröffentlicht der Gärtnermeister über Facebook und Youtube in kurzen Zwei-Minuten-Filmen, worauf es gerade ankommt und begleitet uns so durch die ersten Wochen des Gartenjahrs. Schließlich müssten wir schon jetzt an das denken, was danach kommt. Säen und Pikieren gehören unbedingt dazu. Die durch Corona verordnete Zwangspause habe auch ihr Gutes: „Die Leute haben Zeit, etwas Sinnvolles zu tun.“
Den Gedanken der Selbstversorgung nicht gänzlich aus den Augen zu verlieren, sei ebenso wichtig, wie daran zu denken, dass auch Bienen und alle anderen Insekten versorgt sein wollen, meint Burkhard Bohne. Blühende Kräuter und Wildblumen sind für die kleinen Tiere unverzichtbar und für die großen ­ – nämlich uns ­ – schön anzusehen.

„Wir können viel im Kleinen tun“

Viele Menschen fühlen sich gerade jetzt von der Krise und allen Problemen überrannt. Burkhard Bohne setzt Tatkraft und gleichzeitig Gelassenheit dagegen. „Wir können im Kleinen ganz viel tun“, sagt er. Und wir können lernen. Sein Tipp: „In den Garten gehen, in Kreisläufen denken, bereit sein, sich einzuordnen und nicht alles kontrollieren und beherrschen wollen.“ Und: „Wir sind Teil des Prozesses und nicht die Macher.“
Wer genau hinschaut, wird Blüten sehen und Vögel, die ihre Nester bauen – so wie immer, das hat etwas Tröstliches, wenn nichts ist wie sonst. „Erdung“, die können wir im Garten finden.

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