Abwarten und Hände waschen | Neue Braunschweiger
28. Februar 2020
Gesundheit

Abwarten und Hände waschen

Gesundheitsexperten bereiten sich auf erste Krankheitsfälle vor – Aber: Kein Anlass zur Panik

Die Stadt Braunschweig bereitet sich auf eine Ausbreitung von Infektionen mit dem Coronavirus vor. Am Freitag bei der Pressekonferenz (v. l.): Tobias Lenz (Gesundheitsamt der Stadt Braunschweig)Sozialdezernentin Dr. Christine Arbogast, Professor Wilfried Bautsch (Städtisches Klinikum), Torge Malchau (Feuerwehr Braunschweig).und Stadtpressesprecher Adrian Foitzik. Foto: Marion Korth

Braunschweig. Freitag, 15.38 Uhr: Dieser Artikel kann nur eine Momentaufnahme sein. „Die Wahrscheinlichkeit, dass es auch hier Krankheitsfälle geben wird, ist hoch“, sagte Sozialdezernentin Dr. Christine Arbogast bei der Pressekonferenz. „Aber Panik hilft nicht weiter.“ Deshalb gab es am Freitag Informationen aus erster Hand über den Stand der Vorbereitungen. Schon jetzt rufen vermehrt Menschen im Gesundheitsamt an. Sie sind besorgt.

Einen ersten begründeten Verdachtsfall hatte Braunschweig bereits am Donnerstag. Es handelte sich um eine Patientin, die sich in Italien aufgehalten und Kontakt mit einer infizierten Person hatte. Am Abend dann Entwarnung, der Test war negativ.

Von jetzt an regelmäßige Treffen am Runden Tisch

Am Freitagnachmittag kamen Gesundheitsexperten, Verwaltung, Feuerwehr, Polizei, Kassenärztliche Vereinigung und alle anderen Beteiligten zum ersten Mal am „Runden Tisch Corona“ zusammen. Von nun an soll der Austausch regelmäßig stattfinden. „Wir halten uns an die Vorgaben des Robert-Koch-Instituts“, betonte Sozialdezernentin Dr. Christine Arbogast. Der Ablauf der Maßnahmen werde von dort vorgegeben und ständig angepasst, je nachdem, wie viele Infektions- und Krankheitsfälle es geben wird.

So soll das Coronavirus, das eng mit dem Sarsvirus verwandt ist, aussehen. Foto: Imago Images

Für Corona gelte Meldepflicht. Menschen, die Grippesymptome zeigen, sich in einem Risikogebiet aufgehalten und/oder Kontakt zu einem Erkrankten hatten, sollen sich telefonisch (!) an ihren Hausarzt oder das Gesundheitsamt wenden. Die weiteren Schritte würden dann organisiert. In der Regel sollen die Hausärzte den Abstrich nehmen. Bestätigt sich ein Verdachtsfall, kommt eine Kette in Gang, um Kontaktpersonen ausfindig zu machen.

Isolierte Behandlung

Nachgewiesene Fälle sollen in Kliniken isoliert behandelt werden. „So etwas kennen wir schon von anderen Krankheiten wie Ebola, Sars oder der Schweinegrippe“, sagte Professor Wilfried Bautsch, Chefarzt für Mikrobiologie und Krankenhaushygiene. Im Städtischen Klinikum stehen zehn Betten für eine Isolation, die den strengen Vorgaben des RKI, entsprechen, zur Verfügung. Die Meldewege seien klar, auch gebe es Alarmpläne. Ebenso verfüge das Klinikum über einen größeren Vorrat an Schutzmasken und -kleidung. „Unsere Rettungswagen sind damit ebenfalls ausgerüstet, wir transportieren häufiger Menschen mit ansteckenden Krankheiten“, sagte Torsten Malchau von der Feuerwehr Braunschweig.

Niemand weiß, was auf die Stadt zukommt

Was genau auf die Stadt zukommt, weiß trotzdem niemand. „Wir wissen, dass das Virus leicht übertragbar ist und wir gehen davon aus, dass viel mehr Menschen erkrankt sind, als bekannt ist“, sagte Bautsch. Bekannt sei aber auch, dass die Krankheit in den meisten Fällen einen eher milden Verlauf nehme. Ein Medikament dagegen gebe es (noch) nicht. Im Krankenhaus würden die Symptome behandelt – im schlimmsten Fall bis zur Beatmung.
Und was können die Braunschweiger tun? Regelmäßig Lüften, häufigeres Händewaschen sowie Husten und Niesen in die Armbeuge. In anderen Regionen kam es schon zu Hamsterkäufen. Von den Verantwortlichen in Braunschweig geht gegenwärtig keiner davon aus, dass das öffentliche Leben zum Erliegen kommt. Die Empfehlung, dass sich jeder zehn Tage selbst versorgen können solle, gelte generell, sagte Torge Malchau auf Nachfrage. Kleines Bild: So soll das Virus aussehen.

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