20. November 2021
Bildung

Alles eine Kopfsache? Von wegen!

„Menschen sind weniger rational als sie denken“ – Umfrage zur Werbewirkungsforschung

Welche Wirkung hat das, was wir sehen, auf uns? Annika Kroos befasst sich mit der Grundlagenforschung zur Werbewirkung. Jetzt sucht sie 1000 Teilnehmer für eine Online-Befragung. Foto: privat

Meine/Braunschweig. Haarspray und Bier haben nicht so viel gemeinsam. Es sei denn, beide Flaschen werden für eine Markenwerbung auf einen dunklen Hintergrund gestellt. Aber werden zwei Werbemotive, die von ihrer Gestaltung her optische Ähnlichkeit aufweisen auch von den Menschen, die sie betrachten, ähnlich wahrgenommen?

Bewertung aus dem Bauch heraus

Die Studentin Annika Kroos will es genau wissen und hat sich viel vorgenommen. Für ihre Masterarbeit an der Leuphana in Lüneburg sucht sie 1000 Teilnehmer, die bis spätestens zum Jahresende an ihrer Online-Umfrage zur Werbewirkungsforschung teilnehmen und Werbedarstellungen aus dem Bauch heraus und subjektiv hinsichtlich Ähnlichkeit und Ausstrahlung (fröhlich, kraftvoll, nett etc.) bewerten.
„1000 Teilnehmer sind wirklich viele“, sagt die 25-Jährige. Sie kommt aus dem Papenteich/Landkreis Gifhorn, deshalb kennt sie die NB und hat um Unterstützung gebeten, um genügend Menschen zu finden, die sich im Dienst der Wissenschaft zehn Minuten Zeit nehmen.

Was sich ein bisschen trocken und theoretisch anhört, ist für Annika Kroos „total spannend“. So werden beispielsweise Autos in der Werbung immer von vorn gezeigt, weil sich dann aus Scheinwerfern, Kühlergrill und Front ein Gesicht mit einer bestimmten Ausstrahlung zeigt. „Menschen sind keine rationalen Wesen, auch wenn sie das immer denken“, erläutert sie. Das beginnt schon damit, dass ein Text, der in roter Farbe gehalten ist, anders gelesen wird und eine andere Aufmerksamkeit erhält, als einer, der grün gefärbt ist. Und dann die Frage: Werden zwei rotlastige Anzeigen auch wirklich gleich oder ähnlich wahrgenommen oder spielen da noch andere Aspekte hinein?
Wenig Fragen, viele Teilnehmer

Um in diesen Bereich der Grundlagenforschung stärker vorzudringen, benötigt sie eine möglichst große Datengrundlage. Damit die einzelne Befragung nicht zu viele Einzelpunkte enthält und die Beantwortung Stunden dauert, setzt sie auf kurze Fragenblöcke und viele Teilnehmer. „Die Erhebung der Daten erfolgt streng anonym“, betont die Studentin. Als Dankeschön überweist sie für jede vollständig abgeschlossene Umfrage einen kleinen Betrag an ein soziales Projekt.
Über diesen Kurzlink geht es zur Umfrage:
https://bit.ly/3CM6klF

Corona: Studium mit Hindernissen

Corona hat den Studienplan der 25-Jährigen bis jetzt schon mehrfach durchkreuzt. Eigentlich hatte sie an einem Auslandsprojekt in Uganda oder dem Libanon teilnehmen wollen. „Ich bin jetzt zwar gegen Gelbfieber und noch viel mehr geimpft, aber drei Tage vor der Abreise ist alles abgesagt worden“, bedauert sie. Bei diesem wissenschaftlichen Trainingsprojekt der Leuphana werden junge Studienabsolventen aus dem Ausland dabei begleitet, in ihren Herkunftsländern auch unter einfachen Voraussetzungen eigene Betriebe zu gründen. Bislang sei es nämlich meistens so, dass Studenten nach dem Abschluss anderswo eine gute Anstellung suchen und finden und ihr Wissen ihren Heimatländern verloren geht. Das soll durch die Projektbegleitung verhindert werden. Auch ein spannendes Thema …

Auch interessant