9. August 2021
Umwelt

Alles im grünen Bereich – leider

Die Menschen wollen den Tieren etwas Gutes tun und bringen den Dowesee in Gefahr

Dieses Foto hat Leser Klaus Poser gemacht. Im vergangenen Jahr war ihm zum ersten Mal aufgefallen, dass der Dowesee komplett mit Wasserlinsen bedeckt ist. In diesem Jahr sieht es, wie das Foto zeigt, nicht besser aus. Die Fütterung von Wasservögeln und Nutrias liefert noch immer weitere Nährstoffe. Foto: Klaus Poser, Braunschweig/oh

Siegfriedviertel. Alles im grünen Bereich – das lässt sich für den Dowesee im Norden Braunschweigs uneingeschränkt sagen. Ein gutes Zeichen ist das allerdings nicht.

Bereits den zweiten Sommer ist die Wasserfläche komplett mit grüner „Entengrütze“ (Wasserlinsen) bedeckt. Daran lässt sich erkennen, dass sich zu viele Nährstoffe im Wasser befinden, die wie Dünger wirken. Anwohner Rochus Jonas schlägt Alarm.

Seine Forderung: Um den See vor dem endgültigen Kollaps zu retten, dürften Wasservögel und auch die pelzigen und putzigen Nutrias nicht länger gefüttert werden. Das sehen der Stadtbezirksrat und die Stadtverwaltung genauso. Im Eingangsbereich gibt es nun ein neues Verbotsschild. „Füttern verboten“ heißt es da neben den Verboten, die sich an Hundehalter und Fahrradfahrer richten. „Das Schild ist leicht zu übersehen“, sagt Rochus Jonas. Und überhaupt sei es allein mit einem Verbotsschild nicht getan. Der Biotechnologe ist Anwohner und privat im Naturschutz aktiv. Er sieht weiterhin dringenden Handlungsbedarf. Ihm geht es dabei ums Fütterungsverbot, vor allem aber ums Verständnis. Den meisten Menschen sei gar nicht bewusst, dass sie mit der Fütterung das Gleichgewicht im und am Dowesee zum Kippen bringen. Jonas spricht immer wieder Spaziergänger an, auch wenn es die eigene Familie mitunter nervt. „Eigentlich müsste dauerhaft jemand am See sein und die Menschen, die zum Füttern kommen, informieren“, ist seine Meinung.

Der Alltag am Dowesee sieht so aus: Da werden große Portionen Möhren direkt im Supermarkt gekauft und an die Nutrias verfüttert. Andere bringen Brot und sogar Küchenabfälle mit. Die vermehrungsfreudigen und gefräßigen Neubürger aus Südamerika greifen gern zu, kommen ans Ufer und lassen es sich schmecken. Futterreste und der Kot der Nagetiere, aber auch der von Enten und Gänsen, landet spätestens mit dem nächsten oder übernächsten Regenguss im Wasser. Nutrias fühlen sich in ganz Deutschland immer wohler, buddeln sich durch Uferzonen, fressen Schilf, Muscheln und anderes. Schon werden sie als Plage gesehen und auch am Dowesee zwei Mal im Jahr bejagt. Außerdem hat die Stadt eine Sprudelanlage installiert, die Fontäne soll mehr Sauerstoff ins Wasser bringen. Denn ohne Sauerstoff entsteht Fäulnis, das Todesurteil für Fische und den ganzen Dowesee. Soweit soll es nicht kommen, dafür will sich Rochus Jonas auch weiterhin einsetzen.

Die Stadtverwaltung ist ebenfalls an dem Thema dran. Das heißt konkret: Zu den neu gestalteten Fütterungsverbotsschildern in den Eingangsbereichen kommen nach den Sommerferien weitere, kleine hinzu. Sie sollen bodennah direkt an den Fütterungsstellen angebracht werden und befinden sich derzeit noch in der Produktion. „Der erste mit Fachleuten abgesprochene Versuch zur Bekämpfung der Wasserlinse musste letzte Woche abgebrochen werden. Aufwand und Nutzen standen in keinem Verhältnis. Weitere Recherchen erfolgen, so prüfen wir gerade den Einsatz einer Horizontalbelüftung“, teilt Pressesprecherin Anna Krings außerdem mit. Auch ermittelte ein Biotechnologe den Nährstoffgehalt des Sees. Dieser prüfe nun, ob es Verfahren zur Nährstoffreduzierung gibt, die am Dowesee eingesetzt werden können. Textbausteine für eine sehr informative und gelungene Darstellung über den Nutria habe Rochus Jonas beigesteuert, sie seien – ergänzt um Bilder – vom Förderverein zusammengefügt und gestaltet worden. Dies ergab ein neues Schaubild im Schaukasten des regionalen Umweltzentrums. „Auf diese Gemeinschaftsarbeit wird der Besucher hingewiesen, wenn es Fragen zum Fütterungsverbot gibt“, sagt Anna Krings.

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