2. August 2018
Menschen

Alltagsärger mit der Post : Brief geknickt, Inhalt unbrauchbar

Leserin sieht die Deutsche Post in der Verantwortung, diese verweist auf ihre Geschäftsbedingungen

Deutlich zu sehen: Der verstärkte Umschlag aus Pappe wurde einmal komplett geknickt. Foto: privat

NB-Leserin Claudia S. (Name ist der Redaktion bekannt) ist stinksauer auf die Post. Regelmäßig bestellt die Vechelderin Bilder bei einer Schweizer Malerin. Sieben Auftragsgemälde hat die Künstlerin bereits für sie erstellt, drei weitere sind in Arbeit. Alle Bilder sind stets in einwandfreiem Zustand in Vechelde angekommen – bisher jedenfalls.

Als Claudia S. kürzlich die ersehnte Sendung aus ihrem Briefkasten zog, war der dicke Pappumschlag einmal heftig in der Mitte geknickt – trotz der deutlichen Aufschrift „Bitte nicht knicken!“. „Mir war klar, dass das darin enthaltene Bild nicht mehr intakt sein konnte. Ich bin deshalb mit dem ungeöffneten Brief zur Poststelle nach Vechelde gefahren und habe ihn im Beisein von drei Mitarbeitern dort geöffnet“, erzählt die NB-Leserin am Telefon.

Ihr Verdacht bestätigt sich: Das Katzenbild ist zerknickt und als Geschenk nicht mehr zu gebrauchen. Vermutlich sei der Schaden in der Großbriefanlage entstanden, so die Einschätzung der Postmitarbeiter ihr gegenüber.
„Eine ganze Woche sitzt die Künstlerin an dem Bild, das ist total ärgerlich“ erbost sich die Leserin und sieht die Post in der Pflicht, Wiedergutmachung zu leisten, zumal der Schaden nicht gering ist: 95 Euro plus Versandkosten sind dafür angefallen. Weil sie auf das Ersatzbild jetzt wieder monatelang warten muss, findet sie 165 Euro als Schadensersatz angemessen.

Mehrfach schreibt sie die Post an, hakt telefonisch nach, bis sie Antwort bekommt: Der Kundenservice teilt ihr mit, dass die Haftung in diesem Fall durch die Allgemeinen Geschäftsbedingungen ausgeschlossen sein, man könne ihrer Schadenersatzforderung daher nicht entsprechen. Auch ein zweites Schreiben von ihr wird abschlägig beschieden. Da es sich um eine internationale Sendung handele, könne der Brief auch in der Schweiz beschädigt worden sein, zudem könne grundsätzlich nur der Absender Ansprüche aus einem Beförderungsvertrag (einschließlich der Haftung) geltend machen, daher müsse sich die Absenderin an die Schweizerische Post wenden.

Frustriert meldet sich Claudia S. bei der Neuen Braunschweiger und schildert ihren Ärger. Wir fragen bei der Pressestelle der Deutschen Post nach und lassen uns die Sachlage erklären. „Bei Briefen wird in gar keiner Form monetär gehaftet. Das ist aufgrund des günstigen Portos ausgeschlossen“, erklärt Jens-Uwe Hogardt. „Wenn der Brief nicht beschädigt, sondern gar nicht angekommen wäre, hätte die Kundin auch nichts bekommen“. Auch wenn es in der überwiegenden Zahl der Fälle gutgehe: Wer eine Haftung einschließen wolle, müsse eine Versandart wählen, bei der der Inhalt versichert sei. „Als Expressbrief oder Paket wäre diese Sendung mit bis zu 500 Euro versichert gewesen“, gibt Hogardt zu bedenken. „Das Ganze ist natürlich ärgerlich und überhaupt nicht in unserem Sinne, aber Geld hätte es hier in keinem Fall gegeben – weder für Verlust noch für Beschädigung“.

So ist also die Rechtslage, auch wenn sie für unsere Leserin in diesem Fall natürlich nicht befriedigend ist.
Fazit: Ein Blick auf die Versandart macht – je nach Wert des Inhalts – durchaus Sinn. Wer sich, um Geld zu sparen, für die günstigste Variante entscheidet, bleibt am Ende im Fall der Fälle auf seinem Schaden sitzen.

Der Inhalt, ein Katzenporträt, sollte ein Geschenk sein. Foto: privat

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