Als die Tennisbälle gelb wurden | Neue Braunschweiger
18. Januar 2021
Buntes

Als die Tennisbälle gelb wurden

Vor 50 Jahren suchten Forscher der TU Braunschweig nach der optimalen Farbe

Vor 50 Jahren entwickelten Forscher der TU den gelben Tennisball. Foto: Pixabay

Braunschweig (bw). Unglaublich, aber wahr: Erst seit 50 Jahren sind Tennisbälle gelb. Forscher der TU Braunschweig hatten herausgefunden, dass die Farbe Vorteile hat. Sie wird nicht nur durch die Spieler besser gesehen. Auch bei Fernsehübertragungen ist der Kontrast zum Spielfeld von Vorteil. 1970 wurde der gelbe Ball zum ersten Mal bei der Deutschen Tennis-Meisterschaft vorgestellt.

Weiß – seit Erfindung des Tennis im 19. Jahrhundert kannten die Spielbälle nur diese Farbe. In einer Studie der TU Braunschweig zu Reaktionsgeschwindigkeiten auf optische Reize wurden daher genau diese Exemplare verwendet. Studierende sollten auf Tennisbälle

reagieren.

Besser fürs Auge

Schnell wurde klar: Die Farbe ist nicht optimal. Ein Team von Professoren aus den Bereichen Psychologie, Physik, Photogammetrie und Kartographie sowie dem Institut für Leibesübungen starteten deshalb entsprechende Forschungen. Federführend dabei war der heute 81-jährige
Martin Sklorz, ehemaliger Leiter des Sportzentrum. Weiße Tennisbälle wurden mit andersfarbigen Bällen in Versuchsreihen verglichen und auf ihre Spieleigenschaften untersucht. Gemeinsam mit dem Deutschen Tennis-Bund und der Firma Dunlop entwickelte das Institut für Leibesübungen schließlich den heutigen gelben Tennisball. Tatsächlich hatte sich diese Farbe auf den verschiedenen Spielbelägen als optimal herausgestellt. Gelbe Tennisbälle sind für das menschliche Auge, besonders im seitlichen Blickfeld, viel besser wahrzunehmen. Der gute Kontrast zum Spiel- und Hin-

tergrund bot zudem nicht nur Vorteile für die Spieler, sondern auch für die Farbfernsehkameras bei den TV-Übertragungen.

Sklorz: „Weiter forschen“

Nach der erstmaligen Vorstellung bei der Deutschen Tennis-Meisterschaft 1970 wurde der gelbe Tennisball 1972 in das Regelwerk der International
Tennis Federation (ITF) aufgenommen und löste damit offiziell seinen weißen Vorgänger ab. TU-Experte Martin Sklorz sieht allerdings noch Potenziale: „In den letzten Jahren gab es in diesem Bereich keine Forschungen. Dabei sind heute verbesserte Untersuchungsmöglichkeiten
vorhanden, die noch exaktere Analysen und damit Erkenntnisse für die Forschung liefern könnten. Von der Farbe ‘gelb’ gibt es rund 5000 Abstufun-
gen, weitere wissenschaftliche Untersuchungen bieten sich an. Auch im Hinblick auf die Farbgebung der Spielbälle anderer Sportarten wie Tischtennis, Badminton oder Hockey.“

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