Alte Häuser, neue Ideen

Stadt hofft auf Förderung fürs Magni- und fürs Donauviertel.

Bei dem Haus Ackerhof 2 soll es sich um das älteste datierte Fachwerkhaus Norddeutschlands (1432) handeln. Die Stadt hofft auf Förderung für die Sanierung des denkmalgeschützten Hauses.

Von Marion Korth, 06.06.2015.

Braunschweig. Zwei völlig unterschiedliche Stadtteile, zwei unterschiedliche Förderprogramme: Die Stadt wünscht sich mehr finanziellen Rückenwind für die Weiterentwicklung des Donauviertels in der Weststadt sowie des Magniviertels und schickt ihre Bewerbungen ins Rennen.

Das Magniviertel

Nach einem Jahr Pause, weil sich der langjährige Veranstalter Horst Klarhorst zurückgezogen hat, findet an diesem Wochenende wieder der Magnimarkt – als gemeinschaftliche Veranstaltung der Bürgerschaft und eines professionellen Organisationspartners – statt und ist eines von vielen Beispielen, wie lebendig dieses Viertel ist. Trotzdem gibt es einiges zu tun. Henning Böger ist Pastor der Magnigemeinde und darüber hinaus stellvertretender Vorsitzender der Bürgergemeinschaft Magniviertel. „Hier geschieht an ganz vielen Ecken ganz viel. Das Bild vom abgehängten Stadtteil stimmt nicht“, sagt er. So etwas wie das Bürgersingen, zu dem sich bis zu 250 Menschen versammeln, gebe es in anderen Vierteln nicht. Doch wenn er an die historische Bausubstanz im Viertel denkt, der denkmalgeschützte Ackerhof ist nur ein Beispiel, dann weiß er auch, dass manche Sanierungsprojekte zu groß sind, um sie ohne öffentliche Unterstützung zu bewältigen. „Deshalb freuen wir uns, dass die Stadt noch einmal ins Rennen um Fördergelder geht.“
Zweiter Anlauf
Die Bewerbung im vergangenen Jahr, um in das Bundesförderprogramm „Nationale Projekte des Städtebaus“ aufgenommen zu werden, brachte keinen Erfolg. Mit einem erweiterten Projektgebiet, das über das Ackerhof-Ensemble hinausgeht, will die Stadt die „Sanierung und Aktivierung des Magniviertels“ voranbringen. Es geht um mehr als 3,8 Millionen Euro, wobei die Stadt, sollte sie in das Programm aufgenommen werden, fast 1,3 Millionen Euro an Eigenmitteln aufbringen müsste. Dafür hat der Rat am Dienstag seine Zustimmung gegeben. Die Konkurrenz um die Fördergelder wird allerdings auch in dieser Bewerbungsrunde hart sein.
Außer dem Ackerhof sollen noch sechs weitere Sanierungsprojekte angegangen werden. Rund eine halbe Million Euro sollen aufgewendet werden, um den Zugang zum Magniviertel im Bereich der Georg-Eckert-Straße zu verbessern. „Wir haben hier viele kleine inhabergeführte Geschäfte, die auf Zulauf und gute Erreichbarkeit angewiesen sind“, erläutert Böger. Im Zusammenspiel mit Werbegemeinschaft, Stadt und Stadtmarketing werde viel getan. Von der neuen Pflasterung oder einem Fahrradständer dort bis hin zu Fragen, wo Anwohner ihre gelbe Tonnen abstellen können, oder wie viele Verkehrsschilder das Viertel wirklich braucht: „Alles Kleinigkeiten, die wie Perlen an einer Schnur zusammengenommen viel zur Verbesserung beitragen“, sagt Böger. Nach dem Magnimarkt stehen schon die nächsten Veranstaltungen an: Kunst und Kulinarisches in der Magnikirche, wo derzeit Bilder des Braunschweigers Gottlieb Mordmüller zu sehen sind, der im Magniviertel aufwuchs und es sich immer wieder zum Motiv wählte, bis hin zum Kirchplatzfrühstück im August.

Das Donauviertel

Im Donauviertel in der Weststadt geht es auch um alte Häuser, allerdings keine Fachwerkbauten. In den 1960er- und 1970er-Jahren ist die Weststadt entstanden. Das Donauviertel ist geprägt von „monotoner Zeilenbauweise“ und „Wohnhochhäusern“, stellt die Stadt fest. Städtebauliche treffen dort auf sozioökonomische Probleme. Die Arbeitslosigkeit ist mit fast 13 Prozent doppelt so hoch wie in der Gesamtstadt, der Altersdurchschnitt liegt darunter, auffällig sei aber auch der in schulzahnärztlichen Untersuchungen festgestellte schlechte Gesundheitszustand der Kinder. Viel zu tun also, weshalb die Stadt sich für die Aufnahme des Donauviertels in das Programm „Soziale Stadt“ ab 2016 angemeldet hat. Einstimmig wird das vom Rat unterstützt. Es geht um viel Geld: Bei einer Fördersumme von zehn Millionen Euro (Bund und Land) muss die Stadt fünf Millionen selbst aufbringen, dazu weitere 1,5 Millionen für Kosten, die nicht förderfähig sind. Im Rahmen des Gesamtkonzeptes sollen zusätzlich rund zehn Millionen Euro von Dritten oder auch über Straßenausbaumittel getragen werden.
In mehreren Beteiligungsrunden sind zusammen mit Bürgern und anderen Akteuren im Viertel Entwicklungsschwerpunkte festgelegt worden. Dabei geht es unter anderem um die Weiterentwicklung der sozialen Infrastruktur („Campus Donauviertel“), die Aufwertung von Grün- und Freiflächen („Hochspannungspark“, „Quartierspark Am Queckenberg“) sowie die bedarfs- und zielgruppengerechte Anpassung des Wohnungsbestands („Pilotprojekt Gärtnerhöfe“). „Mit diesem Programm wird nicht nur in Beton investiert, es wird auch in Menschen investiert“, stellt Ratsfrau Annegret Ihbe (SPD) fest.

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