Andreas Busch: „Mir fehlen die Fetzereien“ | Neue Braunschweiger
20. Mai 2020
Politik

Andreas Busch: „Mir fehlen die Fetzereien“

Lehres Bürgermeister kämpfte in den vergangenen Wochen für seine Gemeinde – In einem Gespräch zog er ein erstes Krisen-Fazit

Lehres Bürgermeister Andreas Busch (Mitte) setzt sich für seine Gemeinde ein. Foto: Gemeinde Lehre/oh

Lehre. Andreas Busch ist ein Überzeugungstäter. Das sagt er über sich selbst. Wie überzeugt Lehres Bürgermeister von dem ist, was er tut, zeigte sich in den vergangenen Wochen im Zuge der Corona-Krise. So kämpfte er für verschiedene Betriebe in seiner Gemeinde und kassierte dafür nicht nur Lob. In einem Gespräch mit der NB zieht er nun ein erstes Fazit.

Was hat Corona mit Lehre gemacht?
Zum Glück hat es uns im Landkreis Helmstedt und in Lehre nicht so hart getroffen, wie befürchtet. Da hatte ich ganz andere Szenarien im Kopf. Da bin ich erleichtert. Ich habe in dieser Zeit gemerkt, dass es doch noch Zusammenhalt gibt und unsere Gesellschaft ganz gut funktioniert, und das nicht nur, wenn der Rubel rollt, sondern auch ehrenamtlich. Und das hat mich sehr, sehr gefreut.

Zum Beispiel?
Die Gruppe „38165 hält zusammen“ ist ein Beispiel, ein sehr erfolgreiches außerdem. Über 500 Menschen gehören der Gruppe inzwischen an, die etwa Anrufe bei einsamen Menschen vermitteln, Einkäufe und sonstige Gänge organisieren. Sogar Einkaufswagen eines Supermarktes haben Ehrenamtliche dieser Gruppe desinfiziert. Aus dieser Gruppe hat sich noch ein Erfolg entwickelt, die „Schnutendeckel-Näherinnen“. Die Frauen haben Stoffe und Gummibänder ausgetauscht und sehr viele Mund-Nasen-Masken genäht und im Rathaus abgegeben. Unsere Tierärztin Gudrun Schatt hat diese dann desinfiziert, bevor wir sie an die Risikogruppen verteilt haben. Das war eine richtig großartige Sache.

Die Gruppe ist nach wie vor sehr aktiv…
Richtig, es haben sich Freundschaften entwickelt. Inzwischen müssen Menschen, die einen Bedarf haben, nicht mehr anrufen, weil einmal geknüpfte Kontakte bleiben. Ich glaube, dass es zwischenmenschlich in der Gemeinde Lehre läuft.

Es gab nicht nur positive Dinge. Wo mussten Sie kämpfen?
Wir kämpfen seit Wochen für die Öffnung der Gastronomie, für unsere Eisdiele in Lehre, ein Geschäft – das sind zermürbende Zeiten, weil man den Menschen den Wirrwarr der regional unterschiedlichen Regelungen nicht mehr erklären konnte. In diesem Zuge musste ich leider auch feststellen, dass man als Hauptverwaltungsbeamter einer Kommune einfach nicht gehört wird. Es ist ja nicht so, dass wir nichts wissen, viel mehr ist es schwierig, dass Politiker Entscheidungen treffen, den Menschen vor Ort aber nicht zuhören.

Wohin wird sich Lehre nach der Krise entwickeln?
Ich hoffe, dass wir viel von den guten Dingen mitnehmen, die wir gesehen haben, etwa den Zusammenhalt, und nicht vergessen, was schwer war. Ich würde mir wünschen, dass die, denen man in der Krise applaudiert hat, auch danach Wertschätzung erfahren und wir erkennen, dass man dafür nicht studiert haben muss.

Kritiker behaupten, sie täten all das nur für Ihre Wiederwahl 2021.
Wer mich kennt, weiß, dass ich das aus voller Überzeugung tue. Da soll sich jeder seine Meinung bilden. Wir haben in Lehre eine tolle Politik, trotzdem fehlen mir die Fetzereien, die sind gelebte Demokratie, denn ich bestimme nicht allein.

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