18. Oktober 2021
Buntes

Anlagebetrug: Plattformen werden abgeschaltet

Mit vereinten Kräften gelang der Braunschweiger Polizei ein Schlag gegen Cyberkriminelle

Michael Pientka (Präsident der Polizeidirektion Braunschweig), Mario Krause, (Leiter PK Cybercrime bei der Polizei Braunschweig) und Staatsanwalt Dr. Manuel Rechat bei der gemeinsamen Pressekonferenz: Die Polizeidirektion hat zusammen mit den Staatsanwaltschaften Göttingen und Rostock eine internationale Bande hochgenommen. Foto: Bernward ComesBZV-Archiv

Braunschweig. „Komplex, international, professionell“, so agierte nicht nur eine Bande, die sich auf digitalen Anlagebetrug spezialisiert hat, sondern auch die Polizei, die vor knapp zwei Wochen zum großen Schlag ausholte. Die Aktion war ein voller Erfolg, vermeldete Polizeipräsident Michael Pientka. Aber der Reihe nach.

Die Aussichten und Versprechungen waren verlockend, doch statt in gewinnbringende Produkte wie Öl, Gold, Silber oder auch die Kryptowährung Bitcoin zu investieren, floss das Geld geprellter Anleger auf Nimmerwiedersehen auf ausländische Konten. Bei diesem digitalen Anlagebetrug entstand ein Schaden von mehreren Millionen Euro.

Mehr als 100 Einsatzkräfte waren in der vergangene Woche beteiligt, durchsuchten unter anderem Firmensitze und Anwaltskanzleien in der Ukraine, Bulgarien und auf Zypern und beschlagnahmten Computerserver in diversen Ländern, darunter den Niederlanden.
Allein wäre das nicht möglich gewesen. Auf nationaler Ebene hatten sich die Polizeidirektion Braunschweig gemeinsam mit der Kriminalpolizeiinspektion Rostock unter Sachleitung der Staatsanwaltschaften Göttingen und Rostock – jeweils Zentralstellen Internet und Computerkriminalität (Cybercrime) – zusammengetan. Der Zusammenschluss der Länder zum „Action Day“ gegen diese Form der organisierten Kriminalität, fand in Zusammenarbeit mit Eurojust und Europol statt.

Hierbei gelang es, einen der Hauptverdächtigen festzunehmen. Bei den Durchsuchungen stellten die Einsatzkräfte umfangreiches Beweismaterial sicher. Genug, um dem Tun der Bande ein Ende zu setzen. Diverse vermeintliche Handelsplattformen im Internet wurden daraufhin abgeschaltet. Etwas länger dauert es bei weiteren Domains, deren Server sich in Übersee befinden.
„Die Polizei ist in der Lage, mit solchen spezialisierten Ermittlungseinheiten digitale Ermittlungsverfahren auch mit länderübergreifendem Tatkomplex nachhaltig zu bekämpfen. Dieser erfolgreiche Einsatz ist ein Beleg dafür, dass das Internet weder national noch international ein rechtsfreier Raum ist“, sagte Polizeipräsident Michael Pientka. Weiterhin hob der Polizeipräsident die erfolgreiche Zusammenarbeit der unterschiedlichen Ermittlungsbehörden hervor.

Seit 2019/2020 ermitteln die Polizeibeamten unter anderem gegen die Online-Plattform „Fx-leader.com“. In der technischen Struktur fanden sich Hinweise auf über 250 weitere Online-Trading-Plattformen. Auf 85 dieser Plattformen lassen sich darüber hinaus konkrete Hinweise darüber ableiten, dass es sich anhand der Programmierung und dem Aufbau um einen Betrug handelt. Ein ganzes Netzwerk stand dahinter, unter anderem Call-Center-Mitarbeiter, die den Kontakt zu den Kunden hielten. War erst eine Vertrauensbasis geschaffen, überredeten sie die „Anleger“ zu immer größeren Investitionen.

Bürgerinformation

Für die Opfer der Betrugsmasche hat die Polizei Informations- und Kommunikationsangebote geschaltet: Auf den Trading-Internetseiten werden für die Opfer kurze Informationen über die Beschlagnahme der Seiten sowie ein sogenanntes Geschädigtenformular bereitgestellt, das heruntergeladen werden kann und die Erstattung der Strafanzeige vorbereiten und erleichtern soll. Zudem ist für die ersten Tage nach Veröffentlichung und Bekanntmachung bei der Polizeidirektion Braunschweig ein Bürgertelefon geschaltet, das unter der Telefonnummer 0531/ 476-25 25 erreichbar ist.
Weitere Informationen finden Bürgerinnen und Bürger auch im Internet unter www.polizei-praevention.de.

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