Anstand, Wahrheit und Vertrauen

Oberbürgermeister Ulrich Markurth wirbt beim Neujahrsempfang für „alte“ Werte

Gerhard Glogowski, Dr. Carola Reimann, Axel Hacke, Susanne Markurth und OB Ulrich Markurth (v.l.) während des Neujahrsempfang der Stadt Braunschweig am Freitag (25.01.2019) im städtischen Museum in Braunschweig. Foto: Philipp Ziebart/BestPixels.de

Innenstadt. „Ein anständiger Kerl“ – das war mal eine klare Ansage. Der „Kerl“ steht inzwischen für „Mensch“, aber Anstand ist Anstand. Und bleibt es auch. Beim Neujahrsempfang im Städtischen Museum waren sich Oberbürgermeister Ulrich Markurth und sein Festredner Axel Hacke einig, beide warben eindringlich um „alte“ Werte wie Freundlichkeit, Aufmerksamkeit, Zugewandtheit und eben um Anstand.

Es gehe zunehmend ruppig zu, vor allem in den sozialen Medien, aber der Oberbürgermeister wollte den Blick auf das Positive lenken. Als gute Beispiele erzählte er von einem regelrechten Boom bei den Jugendfeuerwehren und der Beteiligung vieler Menschen an dem Projekt „Denk deine Stadt.“

Er nahm die 400 geladenen Gäste mit auf einen Stadtrundgang entlang einer Reihe von guten Nachrichten und erfolgreichen Entwicklungen: Zum Flughafen, an dem aus vielen Ideen inzwischen ein Mobilitäts-Cluster entstanden ist, an die Hansestraße, wo Volkswagen ein Zentrum für Batteriesysteme baut und zu BS Energy. Der heimische Energieversorger sei manchmal ein Cent teuer als die Konkurrenz, „weil hier ordentliche Löhne gezahlt werden, ordentliche Qualität geliefert wird und auch noch regionales Sponsoring wichtig ist.“

Markurth berichtete vom neuen Lagezentrum für die Feuerwehr, gemeinsam mit den Landkreisen Wolfenbüttel und Peine, vom Westbahnhof, in dem das soziokulturelle Zentrum entsteht, vom gelungenen „Aufpolieren“ der Weststadt, von neuen Baugebieten, dem zu gestaltenden Bahnhofsumfeld, vom erfolgreichen Umbau des Städtischen Klinikums, vom Erfolg der TU und der Vitalität der Innenstadt.

Probleme gebe es natürlich auch, die Sorgen um die Nord/LB zum Beispiel, aber auch „die Dieselkrise ist bei uns mehr als eine Überschrift.“ „Wir müssen uns jetzt krisenfest aufstellen“, sagte Markurth, die grundlegende Modernisierung der Verwaltung sei dabei ein wesentlicher Schritt. Er appellierte an gegenseitiges Grundvertrauen und an die Lust und den Mut, Zukunft zu gestalten. Der in Braunschweig geborene Autor und Journalist Axel Hacke nahm die Gäste ebenfalls mit auf einen Rundgang. Er begann in seiner Jugend, bei seinen Begegnungen mit Eintracht-Legenden und schlug einen klugen, unterhaltsamen und berührenden Bogen zu den Veränderungen im Umgangston und im Machtgefüge, zu Lügen und Ruppigkeiten, die in weiten Teilen gesellschaftsfähig geworden sind. Er warb um Verständnis für Menschen, die aus Zukunftsängsten heraus Schuldige suchten und falschen Propheten glaubten.
Er appellierte, sich nicht daran zu gewöhnen, Lügen zu benennen und sich mutig und freundlich für die Wahrheit einzusetzen.

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