22. Juni 2021
Soziales

Auch am Ende nicht allein

Ein Tageshospiz für die Region will im kommenden Jahr eröffnen

Planen ein Tages-Hospiz für die Diakonie in Braunschweig: Petra Gottsand, Sebastian Witt, Petra Scholz-Marxen, Cornelia Seiffert, Norbert Velten, Roswitha Bender, an der Peter-Joseph-Krahe-Str. 11, Diakonie im Braunschweiger Land gGmbH, Peter-Joseph-Krahe-Str.

Region. Die Nähe zur Familie, zu den Kindern, zu den Freunden so lange wie möglich erhalten – auch wenn das Sterben direkt vor der Tür steht. Mit einem Tageshospiz wird den Menschen in dieser schweren Zeit geholfen. Anfang nächsten Jahres schon soll es seine Türen öffnen. Die Diakonie im Braunschweiger Land und der Verein Hospizarbeit Braunschweig – beide Gesellschafter des Hospizes am Hohen Tore – haben ihre Pläne jetzt vorgestellt.

„Wir sprechen damit auch die eher jungen Menschen an, die unheilbar krank sind, die aber dennoch so lange wie möglich zu Hause bleiben wollen“, sagt der Mediziner Dr. Eberhard Kellner, Vorstandssprecher des Vereins Hospizarbeit. Er beschreibt das Leben einer krebskranken jungen Mutter und Ehefrau, die austherapiert ist, aber so gut es geht am Familienleben teilnehmen möchte. „Doch die Kinder gehen zur Schule, der Ehemann muss arbeiten“, erzählt Kellner, „hier greift unser neues Angebot.“

Für jüngere Menschen

Die junge Mutter kann morgens ins Tageshospiz gebracht werden. Sie hat dort Ansprechpartner, wird professionell begleitet, ist nicht allein. „Gleichzeitig wird die Familie auch entlastet“, erklärt Kellner.
Im Oktober soll der Umbau beginnen, im ersten Quartal 2022 Eröffnung sein. Diakonie-Geschäftsführer und Stiftungsvorstand Norbert Velten freut sich über 145 000 Euro Bundesmittel aus dem Förderprogramm „Sterben, wo man lebt und zu Hause ist“. Die Braunschweiger zählen mit ihrem Projekt „Tageshospiz“ zu den zehn von mehr als hundert Bewerbern, die den Zuschlag erhalten haben. Deutschlandweit sind die Tageshospize erst im Aufbau.

Zwei Jahre wurde geplant, genau geschaut, was nötig und sinnvoll ist, unterstützt wurde die Planungsgruppe von der Ostfalia. Es wird ein Wohnzimmer geben, einen Kombibereich Wohnen/Schlafen, ein Pflegebad, aber auch Ruheräume. Friseurbesuche, ein Einkaufsbummel oder Ausflüge können organisiert werden.
In dem diakonieeigenen Gebäude (Eigentümerin ist die Diakonie-Stiftung im Braunschweiger Land) soll zugleich ein Kompetenzzentrum für hospizliche Arbeit entstehen. Nach dem Umzug der Lukas-Werk Gesundheitsdienste in das neue Quartier St. Leonhard bietet das Haus in Okerlage nicht nur Platz für ein Tageshospiz mit zunächst acht Plätzen, sondern ebenso für den Hospizverein.
Auch Professorin Roswitha Bender, Mitglied im Hospizverein, erhofft sich vom Tageshospiz eine Verbesserung der Lebensqualität in dieser letzten Phase: „Die Menschen können mit den anderen Gästen auch über Gefühle und Ängste sprechen, mit denen sie Familie oder Freunde nicht belasten wollten oder könnten. „eine Solidargemeinschaft Betroffener ist dabei oft hilfreicher als die Familie“, sagt sie.

Mehr Single-Haushalte

Und sie spricht die steigende Zahl der Single-Haushalte an. Ein Tageshospiz könne auch gut gegen Einsamkeit helfen. Profis und Ehrenamtliche werden im Tageshospiz an fünf Tagen die Woche ihre Unterstützung anbieten. Wie oft Gäste diese Möglichkeit nutzen wollen, entscheiden sie laut Norbert Velten selbst.
Fünf Prozent der Kosten müssen laut Gesetz über Spenden erbracht werden. „Ich bin zuversichtlich, dass wir hier in Braunschweig und der Region auch für dieses Projekt Unterstützer finden“, blickt Petra Gottsand, Leiterin des Hospiz am Hohen Tor, zuversichtlich auf die Umsetzung.

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