Auf der Suche nach Antworten | Neue Braunschweiger
26. November 2013
Menschen

Auf der Suche nach Antworten

Infektionen als Ursache für Krebs: Nobelpreisträger Harald zur Hausen sprach im HZI

Harald zur Hausen erhielt 2008 den Nobelpreis für seine Grundlagenforschung. Foto: T.A.

Von Marion Korth. 26.11.2013. Braunschweig. Streng genommen müsste er seit zehn Jahren nicht mehr arbeiten, er macht es trotzdem, und er macht es gern, denn: „Es gibt noch zu viele offene Fragen.“ Der Krebsforscher Harald zur Hausen, 2008 erhielt er den Nobelpreis für seine Arbeit, sprach am Montag vor Experten im Helmholtz-Zentrum für Infektionsforschung.

Es ging um den Wissensaustausch, aber auch darum, neue Gebiete der Zusammenarbeit auszuloten. Das HZI hat weniger die Krebserkrankungen im Blick, dafür aber die Infektionen, und die können bei der Entstehung von Krebs eine wichtige Rolle spielen, wie zur Hausen bereits in den 1970er Jahren bewiesen hat. „Therapie und Prävention, das bringt uns zusammen“, sagt Professor Dirk Heinz, wissenschaftlicher Geschäftsführer des HZI. Weltweit lässt sich mehr als jede fünfte Krebserkrankung auf eine Vireninfektion zurückführen. Damit ist auch erklärt, warum die Immunschwäche Aids Tumorerkrankungen begünstigt.
HPV 16 und HPV 18 heißen die beiden Virentypen, die insgesamt 70 Prozent der Fälle von Gebärmutterhalskrebs verursachen. Wenn heute junge Mädchen dagegen vorbeugend geimpft werden können, dann ist das im Wesentlichen zur Hausens Verdienst. Trotzdem sei er „ein bisschen aufgeregt“ gewesen, als er 2008, an dem Tag, an dem die Nobelpreisträger bekanntgegeben werden sollten, einen Anruf aus Schweden erhielt.
Seither ist viel passiert. 140 Millionen Impfdosen wurden verabreicht, nur in einem Fall von 1000 würden minimale Nebenwirkungen auftreten und noch wichtiger: „Der Impfstoff ist extrem wirksam.“ Er verhindert, dass sich durch eine Infektion mit den genannten Viren Krebsvorstufen entwickeln können, dadurch werden auch viele Operationen gutartiger Geschwüre überflüssig. Dass bislang nur in Sachsen auch Jungen vorbeugend geimpft werden, findet zur Hausen „traurig“, denn die gleichen Virenstämme, die bei Frauen Gebärmutterhalskrebs auslösen, sind bei Männern für Mundhöhlen- und Analkrebs verantwortlich. Das Kostenargument lässt zur Hausen ohnehin nicht gelten. In Deutschland kostete eine Impfdosis noch vor Kurzem um die 165 Euro (drei werden zur Immunisierung empfohlen). „Die Preise sind aber nur deshalb so hoch, weil Verhandlungen mit den Pharmakonzernen fehlen.“
Derzeit seien Impfstoffe in der Entwicklung, die nicht nur gegen HPV 16 und 18, sondern gegen alle gefährlichen Virenstämme wirken. Ansätze, aber noch längst keinen Durchbruch, gebe es bei therapeutisch wirkenden Impfstoffen. Überhaupt: „Es gibt noch eine Vielzahl von Krebsen, bei denen wir noch zu wenig wissen“, sagt zur Hausen. Über Kollegen, die das Gegenteil behaupten, ärgert er sich. Als Beispiele nennt er Lungen- oder auch Bauchspeicheldrüsenkrebs. Fortschritte wie beim Brustkrebs würden zwar gemacht, aber vor allem in der Therapie.
Zur Hausen widmet sich weiter der Grundlagenforschung, untersucht, was in rotem Fleisch den Risikofaktor für die Entstehung von Dickdarmkrebs ausmacht. Die Ursachensuche für Krebs ist kompliziert, viele Faktoren kommen über Jahre und Jahrzehnte zusammen. „Auch die Infektion ist es nicht allein, da findet viel Interaktion statt“, sagt er.
Der Krebsexperte selbst nutzt die Möglichkeiten der Vorsorgeuntersuchungen, ist aber auch nicht „hyperaktiv“. „Und ich habe das Rauchen aufgegeben – vor 40 Jahren.“

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