Auftritt rattenscharfe Piratenbraut

Auf dem Wagen der Freibeuter beim Schoduvel – NB-Redaktionsleiterin live dabei

Schwestern im Geiste. Foto: Druschke

Heiliger Klabautermann!

Die Einladung der Freibeuter, auf ihrem Wagen mitzufahren, traf auf eine karnevalistische Laiendarstellerin.
Bei aller Freude war mir schnell klar: Du hast nichts anzuziehen! Zwar habe ich schon die eine oder andere Prunksitzung (eher zart verkleidet) gemeistert, aber auf einem echten Schoduvel-Wagen mitzufahren? Premiere. Was nun?

„Es gibt da einen tollen Kostümverleih am Hafen“, empfiehlt mir Freibeuterin Antje Maul.
Ich sofort hin, die Mitarbeiterin schaut mich mit großen Augen an, „es schon etwas spät, die Piratensachen sind ziemlich aussortiert.“

Aber sie stöbert und sucht für mich, hält schließlich einen riesigen blauen Samtmantel in der Hand, mit Goldknöpfen und Fransen auf der Schulter. Vor dem Spiegel zucke ich erschrocken zusammen: „Du siehst aus wie Käpt’n Blaubär“, schießt es mir durch den Kopf.

Nichts gegen den dicken, lustigen Bären, aber von einer coolen Seemannsbraut ist die Figur meilenweit entfernt. „Aber gut“, denke ich, „besser als nichts.“ Immerhin ist der Mantel schön warm.

„Komm doch vor dem Umzug zu mir“, sagt Antje, „ich habe eine junge Frau engagiert, die uns schminken wird.“ Das tröstet, gutes Make-up ist ja schon die halbe Miete.

Sonntagmorgen 9.30 Uhr gehe ich vom Pressehaus in die Echternstraße. In meinem unförmigen Käpt’n-Blaubär-Mantel. Vereinzelt sind schon andere Narren unterwegs, wir grüßen uns lachend.

Bei Antje angekommen, lässt sie sich nichts anmerken. Weder prustet sie los, noch zieht sie die Augenbrauen hoch.
Süß lächelnd wie immer, macht sie mir mit Samtpfötchenstimme einen Vorschlag: „Du, Ingeborg, ich habe da noch ein paar Sachen von mir rausgelegt, nur falls du möchtest, kannst du das gern mal anprobieren.“

Und dann kommt sie mir zur Hilfe. Ein Traum von einem weißen Rüschenhemd, ein Korsett (in das ich hineingezwängt werden muss), ein Spitzenrock, ein Tuch um den Kopf. Ich schaue in den Spiegel: „Du kannst zaubern“, strahle ich.
Ramona, eine junge Frau aus Rumänien, schminkt uns superprofessionell, Augenklappe, Stiche um die Lippen, falsche Wimpern, Glitzersteine.

Ich fühle mich wie eine rattenscharfe Piratenbraut. In meinem Alter! Das muss erst mal einer hinkriegen. Antje hat noch kurzerhand den Proviant für alle 70 Freibeuter übernommen, sie und ihr Sohn haben 140 Bouletten gebraten, mit mehreren Freibeuterinnen schmieren wir 180 Brote und packen kleine Picknicktüten.

Punkt zwölf sind wir fertig für den Schoduvel. Jetzt aber los. Wagen 251, das ist noch ein ganzes Stück hinter der VW-Halle. Am Zug vorbei ziehen wir zu unserem Standplatz, wir ernten Handküsse und flotte Sprüche – das Kostüm wirkt. Super.

Bei den Freibeutern angekommen werde ich warmherzig empfangen. Commandante Robert Glogowski ehrt verdiente Offiziere, dann wird uns streng erklärt, wer wann wo zu sein hat.

Abfahrt. Mehr als drei Stunden tanzen und lachen wir, verteilen Süßigkeiten, baden in der Menge.
Wir stoßen mit Weißwein und Prosecco an. Alles zu dem treibenden Rhythmen von Jan-Heie Erchinger und dem Rast Orchester.

Die Menschen an beiden Seiten unseres Wagens jubeln uns zu. Ein einziges Bad in Emotionen.
Dass es die ganze Zeit genieselt hat, merke ich erst, als wir an der Stadthalle ankommen. Und da ist es dann auch schon egal, ich treibe mit den Freibeutern auf einer Welle der guten Laune mit den anderen Narren in den Saal.

Party ohne Ende – Brunswiek Helau!

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