24. Juni 2014
Politisches

„Ausdruck des Miteinanders“

Erster Spatenstich für das rituelle Waschhaus für Muslime auf dem städtischen Friedhof.

Erster Spatenstich zum rituellen Waschhaus für Muslime. Der scheidende Oberbürgermeister Dr. Gert Hoffmann (vorne links) und Hayri Aydin, Vorsitzender des Rates der Muslime, gaben den Startschuss für das Bauprojekt. Foto: Thomas Ammerpohl

Von Birgit Leute, 25.06.2014.

Braunschweig. Die Muslime in Braunschweig bekommen ein rituelles Waschhaus auf dem Stadtfriedhof. „Ein Projekt mit Vorbildcharakter“, sagt Hayri Aydin vom Rat der Muslime darüber. Gestern erfolgte der erste Spatenstich.

Für den scheidenden Oberbürgermeister Dr. Gert Hoffmann war es eine seiner letzten Amtshandlungen: Gemeinsam mit Hayri Aydin gab er den offiziellen Startschuss für den Bau des rituellen Waschhauses. Entstehen soll das knapp 40 Quadratmeter große Gebäude mit zwei Nebenräumen auf dem Stadtfriedhof an der Helmstedter Straße in unmittelbarer Nähe zur Feierhalle III.

„Daran sieht man, dass es nicht nur Lippenbekenntnisse der Stadt waren“, freute sich Aydin mit Blick auf den einstimmigen Beschluss, den der Rat 2013 fällte. Auch der Oberbürgermeister sah in dem Haus mehr als nur die Möglichkeit für Muslime, sich würdig von ihren Toten zu verabschieden. „Die Entscheidung für das Waschhaus ist, ebenso wie die Einrichtung des Hauses der Kulturen im alten Nordbahnhof, ein einzigartiger Ausdruck der Kultur des Miteinanders, die wir hier in Braunschweig pflegen.“

Bislang konnten Muslime rituelle Waschung nur in Hinterhöfen in Hannover und Umgebung vornehmen. „Nach unserer Religion dürfen Tote nur unter fließendem Wasser gewaschen werden. Auch die Angehörigen müssen sich mit Wasser reinigen“, erklärt Aydin. Auf dem angrenzenden Gebetsplatz können sie sich anschließend von dem aufgebahrten Verstorbenen verabschieden.
Entworfen wurde das Waschhaus von dem Büro O.M. Architekten. Die Eröffnung des Hauses ist im Herbst dieses Jahres geplant.

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