Auslaufende Verträge eventuell länger gültig | Neue Braunschweiger
25. März 2020
Sport

Auslaufende Verträge eventuell länger gültig

Nur in Weißrussland rollt der Ball – Pedersen-Club entlässt Spieler

Im norwegischen Fußball – hier der Erstligist Strømsgodset IF Drammen von Ex-Eintracht-Trainer Henrik Pedersen (Mitte) – hat die Krise bereits Entlassungen zur Folge. imago image

Braunschweig. Die Fußball-Welt ist durch das Corona-Virus fast vollständig zum Stillstand gekommen. Während die europäischen Topligen schon seit einiger Zeit pausieren hatten zuletzt auch Länder wie Russland oder die Türkei den Spielbetrieb eingestellt. Die australische A-League zog zu Wochenbeginn ebenfalls nach und setzte die aktuelle Spielzeit aus. Lediglich in Weißrussland, wo am vergangenen Wochenende die neue Spielzeit gestartet war, soll der Ball auch weiterhin rollen.

Der umstrittene Präsident Alexander Lukaschenko hatte das Corona-Virus kurzerhand zur „Psychose“ erklärt und Politikern auf der ganzen Welt vorgeworfen „die Situation für ihre Interessen auszunutzen“, um damit den Startschuss in die neue Saison zu rechtfertigen.

In Deutschland gehen die Diskussionen über die Zukunft der aktuellen Spielzeit weiter. In der dritten Liga soll der Ball zwar am 30. April wieder rollen, allerdings ist fraglich, ob die Corona-Pandemie bis dahin ausreichend eingedämmt werden konnte. Dasselbe Datum könnte auch für die Wiederaufnahme des Spielbetriebs in den ersten beiden Ligen ins Auge gefasst werden, die eigentlich schon am 2. April weitermachen wollten, was jedoch unrealistisch ist.

Sollte die Saison über den 30. Juni hinaus verlängert werden, stellt sich die Frage, ob auslaufende Verträge im Profibereich trotzdem weiterlaufen könnten. Sportrechtsexperte Prof. Dr. Philipp Fischinger (Universität Mannheim) vertritt im „Kicker“ die Auffassung, dass die Verträge wegen der Corona-Krise nicht zwingend zum 30. Juni endeten. Laut Fischinger hätten sich Spieler und Vereine im DFB-Mustervertrag zwar über ein jeweiliges Laufzeitende zum 30. Juni eines Jahres geeinigt, gingen dabei aber davon aus, dass das Spieljahr dann auch tatsächlich beendet sei.

Ist dies nicht der Fall, entfiele der Grund der Befristung als sogenannte „Störung der Geschäftsgrundlage“ und rechtfertige die Auslegung, dass der Vertrag automatisch bis zum tatsächlichen Saisonende gültig ist, auch wenn die Spielzeit erst im Juli oder August vorbei wäre.
Dramatische Folgen hat die Krise derweil für die Spieler des norwegischen Erstligisten Strømsgodset IF Drammen angenommen. Der Verein, den Ex-Eintracht-Coach Henrik Pedersen in der vergangenen Spielzeit vor dem Abstieg retten konnte, sah sich gezwungen, einen Teil der Spieler und Angestellten zu entlassen um den finanziellen Kollaps zu verhindern, der aufgrund des abgesagten Saisonstarts droht. Davon betroffen ist unter anderem Kapitän Lars Christopher Vilsvik. Der in Berlin geborene zweifache norwegische Nationalspieler hatte bereits 2008 bei Eintracht ein Probetraining absolviert und stand 2013 erneut vor einem Wechsel in die Löwenstadt, der sich jedoch in allerletzter Minute zerschlug. Zwei Wochen nach der Kündigung könnte sich der 31-Jährige nun theoretisch einem neuen Verein anschließen, der norwegische Verband hat bei der FIFA allerdings ein internationales Transferverbot beantragt und hofft die Verträge später wieder reaktivieren zu können.

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