Babykörbchen nicht erreichbar

Die Einrichtung des Marienstifts kann zur Zeit bis einschließlich 31. März nicht genutzt werden

Das Babykörbchen am Marienstift ist bis einschließlich 31. März nicht erreichbar. Fptp: oh

Östliches Ringgebiet (sd). Es kommt – zum Glück – nicht so häufig vor, dass eine Mutter gar keine andere Lösung sieht, als ihr Neugeborenes anonym wegzugeben. Seit das Babykörbchen 2001 beim Krankenhaus Marienstift als einer von lediglich fünf Standorten in ganz Niedersachsen eingerichtet wurde, war das acht Mal der Fall. „Die Babyklappe ist nur ein allerletzter Ausweg“, appelliert das Marienstift auf seiner Homepage an die Mütter, es wenn irgendwie möglich, gar nicht bis zur Entscheidung kommen zu lassen, ihr Kind in eine Klappe zu legen.

Aktuell ist das Babykörbchen für rund zwei Wochen (bis einschließlich 31. März) für die Öffentlichkeit nicht erreichbar. Auf dem Gelände des Krankenhauses wird der Baubeginn einer umfangreichen Gebäude-Erweiterung vorbereitet. Für die Zeit der Baumaßnahmen muss eine neue Krankenwagenumfahrt eingerichtet werden.
Ab dem 1. April und auch während der gesamten Bauphase steht der Service des Babykörbchens wieder zur Verfügung. Es liegt gut ausgeschildert, aber dennoch durch eine Hecke und einen Vorbau vor Blicken geschützt, im Außenbereich der Frauenklinik Eben-Ezer.

Wenn Mütter ihr Neugeborenes nicht annehmen können oder wollen, haben sie Tag und Nacht die Möglichkeit, ihr Kind anonym im Babykörbchen abzugeben. Anders als beim Aussetzen eines Kindes machen sie sich bei einer Abgabe dort nicht strafbar, da eine Versorgung des Säuglings gesichert ist.
Das Babykörbchen ist von außen einfach zu öffnen, es wird durchgehend gewärmt und ist mit einer dicken Decke ausgestattet. „Für die Mütter liegen Broschüren in mehreren Sprachen mit Informationen und einer anonymen Notrufnummer (0800/404 00 20) sowie ein Stempelkissen bereit, um zur späteren Identifizierung oder als Erinnerung einen Hand- oder Fußabdruck des Kindes zu nehmen“, informiert das Marienstift auf seiner Homepage. Wird die Klappe geschlossen, kann sie von außen nicht mehr geöffnet werden. Es wird sofort ein Alarm gesendet, so dass sich das Team der Frauenklinik um den Säugling kümmern kann. Anschließend wird das Jugendamt informiert, das sich um eine liebevolle Pflegefamilie kümmert.

„Seit Bestehen des Babykörbchens sind acht Kinder dort abgelegt worden, das letzte im vergangenen Jahr“, erklärte das Krankenhaus auf Anfrage der NB. Die Säuglinge aus dem Babykörbchen werden durch den Pflegekinderdienst des städtischen Fachbereichs Kinder, Jugend und Familie bei geeigneten Familien in Adoptionspflege gegeben.
„In einem Fall hat sich die Mutter gemeldet, und das Baby ist zu ihr zurückgegangen. Die Kindsmutter befand sich bei Abgabe des Säuglings in einer Belastungssituation, meldete sich bereits am nächsten Tag und bereute die Entscheidung. Es bestand keine Kindeswohlgefährdung, so dass die Rückführung ohne weiteres möglich war“, teilt Rainer Keunecke, Pressesprecher der Stadt mit.

Alle weiteren Kinder seien nach dem gesetzlichen Adoptionsverfahrens in Familien vermittelt worden. Das Verfahren dauere ein bis zwei Jahre. „In diesem Zeitraum lebt das Baby aber bereits in der Adoptionsfamilie“.

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