Bald rollt die Lkw-Karawane

Anlieger in Lamme sorgen sich um die Sicherheit in ihrem Ort und sammeln Unterschriften.

Werner Nowak, Wilhelm Hirthe, Christel Nowak und Enkel Christian Cassel sind wie viele andere Lammer dagegen, dass demnächst die Lkw aus dem künftigen Baugebiet Kälberwiese durch ihren Ort fahren. Foto: Philipp Ziebart/BestPixels.de

Von Marion Korth, 19.05.2018.
 

Braunschweig. Werner Nowak fühlt sich schon jetzt überrollt, von dem, was auf seine Frau Christa und die anderen Anlieger in Lamme ab Juni zukommen wird: an die 100 Lastwagen, beladen und leer, die belastetes Erdreich aus dem geplanten Baugebiet Kälberwiese zur Deponie nach Watenbüttel transportieren sollen. „Mitten durchs Wohngebiet“, sagt Nowak empört.

Er zählt auf: „Wir haben hier in Lamme vier Kindergärten, eine Kindertagesstätte, eine Schule und einen Sportverein.“ Wer denkt an die Sicherheit der Kinder? Und am Raffteichbad werde demnächst die Badesaison eröffnet, gibt Nowak im Namen einiger besorgter Anlieger zu bedenken. „Wir sind gegen das Verkehrsaufkommen und dagegen, dass wir zur Kasse gebeten werden, wenn hinterher die Straßen kaputt sind.“ Neudammstraße und Rodedamm seien schon jetzt in keinem guten Zustand, nicht auszudenken, wenn über diese beiden Straßen über einen Gesamtzeitraum von neun Monaten – so lange wird es dauern, bis das Erdreich abgetragen und ausgetauscht ist – der Schwerlastverkehr rollt. Schon jetzt würden die Lkw nicht mit Tempo 50 durch den Ort fahren.
Die Lkw sollen von dem neuen Baugebiet Feldstraße/Kälberwiese über eine dafür ertüchtigte Baustraße über Madamenweg und B 1 aus der Innenstadt herausfahren. „Dann sollen die Unternehmer sich selbst ihren Weg suchen“, sagt Nowak. Es sei abzusehen, dass dieser Weg über Neudammstraße und Rodedamm (K 80) am Kanzlerfeld vorbei Richtung Watenbüttel führen wird. Der Verkehrskollaps drohe auch dort, lange Staus zu den Hauptverkehrszeiten gebe es in Watenbüttel schon jetzt – auch ohne zusätzliche Lastwagen.
Am 9. Mai hätte das Thema in der Sitzung des zuständigen Stadtbezirksrates Lehndorf-Watenbüttel besprochen werden sollen, nun sei es auf die Sitzung am 23. Mai vertagt worden. An diesem Tag will Nowak eine Unterschriftenliste gegen die geplante Fahrtroute abgeben und hofft bis dahin auf weitere Unterstützung betroffener Anlieger.

Das sagt die Stadt:

Dass mit den Transporten Beeinträchtigungen und Belästigungen verbunden sind, leugnet auch die Verwaltung nicht. Wir fragten bei der Stadt nach dem Planungsstand und danach, was auf die Bürger in Lamme und Watenbüttel zukommt. Hier die Antworten von Pressesprecher Adrian Foitzik.

? 1000 Tonnen am Tag über neun Monate – decken sich diese Zahlen mit den Erkenntnissen der Stadt? Wie vielen Lkw-Fahrten (voll und leer) entspricht das ungefähr?

! Insgesamt ist geplant, 114 000 Tonnen Bodenaushub auf die Deponie Watenbüttel zu transportieren. Dieser Transport soll über den Zeitraum Juni 2018 bis März 2019 erfolgen. Dies sind etwa 190 Arbeitstage und somit durchschnittlich 24 Lkw-Ladungen pro Tag. Die ausgeschriebene tägliche Arbeitsleistung liegt bei maximal 1000t/Tag; dies entspricht auch der Annahmeleistung in Watenbüttel – für diese Transporte – von etwa 40 beladenen Lkw (maximale tägliche Zahl von Lkw) täglich.

? Bleibt es bei der Transportroute, die die Lammer Bürger kritisieren? Was spricht gegen die vorgeschlagene Alternative?

! Die Verwaltung hat diverse Alternativrouten geprüft und kommt hierbei zum Ergebnis, dass die Alternativrouten zur gewählten Baustraße sowohl aus finanziellen als auch aus logistischen Gründen nicht in Betracht kommen. Zudem handelt es sich bei einem Teil der benötigten Flächen um Privatbesitz, auf welche die Stadt Braunschweig keinen Zugriff hat. Zudem: Die Alternativrouten wären deutlich länger, was die Kosten für die Errichtung und den Rückbau einer Baustraße deutlich erhöhen würde (im mehrfachen sechsstelligen Bereich).
Grundsätzlich soll – je nach aktueller Verkehrslage und Disposition im Arbeitsablauf – neben der Verbindung K 80 über Lamme zu etwa gleichen Teilen auch Bundesstraße B 1 und Autobahn A 391 genutzt werden.
Allerdings hat die Verwaltung die Ausschreibung erweitert, so dass eine etwas längere Routenoption über die A 391 und A 2 zur Deponie, anstelle über die A 392, zur Entlastung der Ortsdurchfahrt Watenbüttel angeboten werden kann. Die Ausschreibungsfrist läuft noch, Ergebnisse liegen daher noch nicht vor.

? Die Straßen in Lamme seien schon jetzt nicht in allerbestem Zustand, was sagt die Stadt zu den Bürgern, die Angst haben, hinterher für eine kaputte Straße zahlen zu müssen?

! Wie überall im Stadtgebiet werden entstehende Schäden im Zuge der regelmäßigen Instandhaltung saniert. Unabhängig vom Projekt Feldstraße hat die Verwaltung die Fahrbahnsanierung der Neudammstraße im Abschnitt zwischen der B 1 und dem Kreisverkehrsplatz vorgesehen. Die geplante Sanierung der Fahrbahndeck- und Binderschicht löst im vorgenannten Abschnitt keine Beitragspflicht aus.

? Wird es in Lamme und Watenbüttel lenkende Verkehrs- oder andere Begleitmaßnahmen geben, um Belastungen für die Bürger und Sicherheitsrisiken für Fußgänger/Schulkinder zu minimieren?

! Sicherheitsrisiken sieht die Verwaltung nicht. Gleichwohl prüft sie die Verkehrssituation in dem Bereich derzeit grundsätzlich und wird in den kommenden Wochen, rechtzeitig vor dem Start der Transporte, dem Stadtbezirksrat dazu berichten.

? Ab wann fahren die ersten Lkw?

! Geplant ist der Start im Juni. Das hängt allerdings von den Ergebnissen der Ausschreibungen ab. Details teilt die Verwaltung rechtzeitig mit.

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