28. September 2018
Menschen

Beherzter Einsatz rettet Leben

Ein Notfall in der Mittagspause: Pflege-Azubis wendeten Erlerntes an

Lukas Kleemann (links) und André Boettcher zeigten, dass sie das Wissen aus ihrer Ausbildung perfekt anwenden können. Foto: Klinikum Braunschweig/ Jörg Scheibe

Innenstadt (sd). Für die einen war es eine ziemlich unvorhergesehene „praktische Prüfung“, für die anderen ein großes Glück im Unglück:

Vor kurzem haben André Boettcher (19) und Lukas Kleemann (21) einer Frau das Leben gerettet. Die beiden jungen Männer sind Auszubildende im ersten Lehrjahr an der Schule für Gesundheits- und Pflegeberufe am Klinikum Braunschweig und haben mit ihrem beherzten Handeln gezeigt, dass sie genau den richtigen Berufsweg eingeschlagen haben.

Rückblick: Ende August sind die beiden jungen Männer in ihrer Mittagspause in einem Einkaufszentrum unterwegs, als eine ältere Frau um Hilfe ruft. In einem Geschäft liegt eine andere Frau regungslos auf dem Boden, es ist Ulrike Jeromin.

Die beiden Azubis erinnern sich: „Sie sah auf den ersten Blick zyanotisch aus, als ob sie nicht mehr atmen würde und ihre Gesichtsfarbe daher bläulich war.“

Erschüttert habe sie in diesem Moment, das noch viele Menschen im Laden waren, aber niemand Auskunft darüber geben konnte, was passiert war.

„Es hatte auch noch keiner den Notruf angerufen. Wir forderten die Menschen auf, den Laden zu verlassen, aber sie reagierten nicht, schauten stattdessen auf ihre Smartphones.“

André Boettcher und Lukas Kleemann sind in dieser schwierigen Situation jedoch geistesgegenwärtig.

Während André den dringend erforderlichen Notruf absetzt, überprüft Lukas die Vitalfunktionen – es ist weder Puls- noch Atemfrequenz vorhanden – und reanimiert die regungslose Frau.

Mund-zu-Mund-Beatmung, Herz-Rhythmus-Massage, Vitalzeichenkontrolle – das Gelernte ihrer Ausbildung kann er ohne zu zögern anwenden und Ulrike Jeromin auf diese Weise wiederbeleben.

Die Azubis berichten: „Recht schnell fing die Frau wieder selbst an zu atmen und es war wieder ein Puls tastbar. Sie war zeitlich und örtlich orientiert, wusste aber nicht, was geschehen war.

Schließlich kamen die Notfallsanitäter, die sich ihr annahmen.“ Recht sachlich erinnern sich bei beiden: „Als die Notfallsanitäter kamen, war unsere Mittagspause schon fast vorbei und wir mussten schnell zurück in die Schule.“

Ihr Einsatz ist für die beiden selbstverständlich, für die wiederbelebte Ulrike Jeromin war es Rettung in letzter Sekunde. Mittlerweile ist sie wieder auf den Beinen und sich der Dramatik der damaligen Situation bewusst:

„Die beiden sind meine Lebensretter! Ich finde es toll, dass junge Menschen diesen Beruf ausüben. Beide sind ja erst am Anfang ihrer Ausbildung, aber sie haben so schnell reagiert – Hut ab vor diesem Handeln.“

Das sieht auch Ulrich Heller, Pflegedirektor des Klinikums Braunschweig, so und bedankte sich bei den beiden Auszubildenden: „Ich finde Ihre Haltung herausragend. Sie haben Ihr Wissen bestens eingebracht.“

Michaela Picker, Leiterin der Schule für Gesundheits- und Pflegeberufe zeigte sich ebenfalls begeistert von dem Einsatz der beiden Schüler: „Es ist ein tolles Gefühl festzustellen, dass unsere Ausbildung ihr Ziel erreicht: Handlungskompetenz.

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