„Bereitsein, für die Fehler zu haften“ | Neue Braunschweiger
1. Oktober 2013
Politisches

„Bereitsein, für die Fehler zu haften“

Ethik in der Wirtschaft: Drei Unternehmer in einem Podiumsgespräch im Gymnasium Martino-Katharineum.

Erläuterten in einem Podiumsgespräch ihre ethischen Grundsätze (v.l.): Professor Markus Rückert (Augustinum), Professor Nikolaus Hipp (Hipp-Konzern), Moderator Günther Graf von der Schulenburg sowie Daniel Bresser (Bankhaus Löbbecke). Foto: Wittwer

Von Birgit Leute, 02.10.2013

Braunschweig. Steuerflucht, Bankerboni und die Jagd nach der Rendite – der Ruf von Managern und Bankern ist nach den Skandalen der vergangenen Jahre nicht der Beste.

Dass es auch anders gehen kann, wollten drei Unternehmer anlässlich des Podiumsgesprächs „Die Freiheit, es anders zu machen – Ethik in der Wirtschaft“, veranstaltet von der Jakob-Kemenate, beweisen.
Unter der Moderation von Günther Graf von der Schulenburg stellten Professor Claus Hipp (Hipp-Konzern), Professor Markus Rückert (Augustinum) und Daniel Bresser (Bankhaus Löbbecke) in der gut gefüllten Aula des Gymnasiums Martino-Katharineum ihre ethischen Leitlinien vor – Leitlinien, die sich im Prinzip am Bild des „ehrbaren Kaufmanns“ orientieren. „Wer einen Betrieb als Eigentümer führt, kann sich nicht hinter anderen verstecken. Er muss die Verantwortung übernehmen und haftet für alle Fehler selbst“, betonte Claus Hipp den Gegensatz zu manchem managergeführten Unternehmen. Seit 1968 leitet der Bayer in dritter Generation den bekannten Hersteller für Babynahrung.
Ein mittelständischer Familienbetrieb genau wie auch das Bankhaus Löbbecke, dessen Vertreter, Daniel Bresser, sich ausdrücklich nicht als Banker, sondern als Bankier verstand. „Wir hatten nie Lehman-Papiere, wir setzen auch unsere Mitarbeiter nicht durch Controlling unter Druck“, bemühte er sich, das Bild des „Finanzhais“ geradezurücken.
Sozial, fair und sicher auf christlichen Fundamenten stehend – so sieht auch Markus Rückert vom Vorstand der Augustinum-Gruppe, sein gemeinnütziges Unternehmen. Rückert leitet in zweiter Generation die Einrichtung, die sich auf Seniorenresidenzen, Kliniken, Schulen und Internate spezialisiert hat und Mitglied im Diakonischen Werk ist. Ein studierter Theologe, der kein Problem darin sieht, auch auf das Erwirtschaften von Gewinnen zu achten. „Erfolg oder ein Ertrag, ist ja nicht per se negativ. Wichtig ist, was man damit macht“, regierte Rückert auf die Frage, ob sich das Christliche mit dem postulierten Loslösen vom Weltlichen und das Streben nach Reichtum denn nicht ausschlössen.
Zugegeben: Eine der wenigen kritischen Fragen, eines ansonsten stark auf Harmonie bedachten Gesprächs, das sein großes Diskussionspotenzial dadurch verschenkte. Teile des Publikums reagierten denn auch unmutig und verließen mit Beginn der Fragerunde den Saal.

Kommentar

Kunden und Verbraucher sind kritischer geworden – das zeigte sich auch beim Podiumsgespräch „Ethik in der Wirtschaft“ am vergangenen Montag. Mit Claus Hipp, Markus Rückert und Daniel Bresser waren Vertreter von Branchen vor Ort, die durch verschiedene Skandale in den vergangenen Jahren ganz besonders in den Fokus gerückt sind: Die Lebensmittelbranche, die Finanzbranche und die Diakonischen Werke. Es lag auf der Hand, dass sich die drei Unternehmer an ihren ethischen Vorgaben hätten messen lassen müssen – wenn denn der Moderator energischer nachgehakt hätte. Doch der vermied es, und so blieben kritische Themen wie der überzuckerte Babytee der Firma Hipp genauso außen vor, wie die ungleichen Arbeitsbedingungen in den Diakonischen Werken. Das Publikum reagierte zur Recht enttäuscht, denn der Titel versprach mehr.
Birgit Leute

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