Berlusconi und Co.: Selbstverliebte Herrscher

Uwe Schwarz inszeniert Giuseppe Verdis „Ein Maskenball“ auf dem Burgplatz: Ein großes Opernvergnügen mit aktuellem Hintergrund.

Großes Kino: Am Ende einer Fernsehshow wird der Jubel inszeniert. Regisseur Uwe Schwarz bringt Verdis „Maskenball“ sehr modern und politisch auf den Burgplatz. Fotos: Volker Beinhorn

Von Ingeborg Obi-Preuß, 11.07.2015.

Braunschweig. „Ein Maskenball“ von Giuseppe Verdi – die Burgplatzoper setzt auch in diesem Jahr wieder besondere Akzente. Von Anfang an ist der Besucher mit dabei – Sicherheitsschleusen an den Eingängen machen deutlich: Hier beginnt eine andere Welt. Die der Masken und der Maskeraden.

Regisseur Uwe Schwarz hat Verdis Blick auf einen selbstverliebten Staatschef in die Moderne gelegt. Silvio Berlusconi beispielsweise könnte sich gut angesprochen fühlen von diesem lebensübermütigen, aber auch egoistischen Mann. In einem fiktiven Fernsehstudio erscheinen immer wieder Fotos der Hauptfigur – als Herrscher, die die Welt gut kennt. Riccardo ist sozusagen überall.
Er spürt nicht, dass sein Volk grollt, der Mann ist mit sich und seiner Geliebten beschäftigt. Die dummerweise die Frau seines besten Freundes Renato ist. Als die Sache aufzufliegen droht, will er die Geliebte samt Freund in ein anderes Land versetzen. Er behauptet, aus Liebe zum Freund verzichten zu wollen, vermutlich aber wird es dem eitlen Mann nur schlichtweg zu kompliziert. Wie auch immer, es ist zu spät, der rasend eifersüchtige Ehegatte Renato schließt sich den politischen Widersachern an, führt das Attentat gegen seinen Freund aus und erschießt den Präsidenten.
Beide Besetzungen sind, wie bisher in jedem Jahr, qualitativ ebenbürtig. Und zwar, auch wie in jedem Jahr, auf einem Niveau der Extraklasse. Die Stimmen überragend – aber unterschiedlich. Da macht es besonders viel Sinn, zweimal zu gehen – wenn es denn noch Karten gibt.
Diskussionswürdig sind die Kostüme. Ein kurzes Gespräch mit Regisseur Uwe Schwarz hilft nicht wirklich. „Es spielt in der heutigen Zeit, es ist die Kleidung ganz normaler Menschen“, sagt Schwarz. Aber – besonders das Kleid der Amelia ist schlichtweg eine Katastrophe. Welche Frau zieht so etwas an? Auch ihre Perücke und die Sonnenbrille wirken mitunter unfreiwillig komisch. Und die Anzüge der Männer sind weder schick noch schön. Zum Glück spielt das alles keine große Rolle – denn wenn diese Künstler singen, sieht man über die Kleidung einfach hinweg. Wie schön. Und – später wird es besser. Bei der Ballszene zeigen Kostümabteilung und Maske ihre ganze Kunst.
Dazu kommt noch, dass die musikalische Kombination Verdi/Menskes/Staatsorchester eh unschlagbar ist.

^