Berühmt, verfolgt, vergessen

Die Jakob-Kemenate zeigt Werke der Malerin Käthe Loewenthal und ihrer Schwestern

"Schwäbische Alb" von Käthe Loewenthal. Foto: Stiftung Prüsse

Braunschweig. Eine schmale braune Mappe ist alles, was von ihrem Werk geblieben ist. Kurz vor ihrer Deportation hat Käthe Loewenthal darin noch 250 Bilder gesammelt und einem Nachbarsjungen anvertraut. Alles andere wurde bei einem Bombenangriff zerstört, sie selbst wurde Opfer des Holocausts.

Die Prüsse-Stiftung widmet dieser überaus erfolgreichen deutsch-jüdischen Malerin und ihren beiden Schwestern jetzt eine umfangreiche Ausstellung. Zu sehen sind die Pastelle, Skizzen, Fotografien und Aquarelle noch bis zum 18. November in der Jakob-Kemenate und anderen Ausstellungsorten.

„Das Schicksal von Käthe Loewenthal steht für das vieler jüdischen Künstler, deren Existenz und Werk so gründlich ausgelöscht wurden, dass sie vollkommen aus dem Bewusstsein verschwunden sind“, betont Renate Wagner-Redding, Vorsitzende der jüdischen Gemeinde in Braunschweig und Kuratoriumsmitglied der Prüsse-Stiftung.

Dabei war die 1878 in Berlin geborene Käthe Loewenthal eine der wichtigsten Landschaftsmalerinnen ihrer Zeit.
Mutig, modern, konsequent und als Vertreterin des Expressionismus manchmal noch radikaler als Emil Nolde.

„Ihre Pastelle und Grafiken sind reduziert, minimalistisch, flächig“, ordnet Wulff Herzogenrath,
einer der Leihgeber der Bilder und Vorsitzender des Vereins „Lebenswerk Käthe Loewenthal“ ein.

Menschen spielen auf den Bildern nur eine kleine Rolle. Im Vordergrund stehen Berge, Meer, Hügel, Bäume – oft dunkel, oft einsam, aber nicht harmonisch-ruhig, sondern aufgeladen: Ruppig fährt ein Wind in die Äste, kühne Diagonalen schaffen eine ganz eigenen Dynamik.

„Die Motive spiegeln in vieler Hinsicht, den Charakter von Käthe wieder – eine Frau mit Ecken und Kanten“, sagt Herzogenrath über die Berlinerin, die sich in der von Männern beherrschten Kunstszene erfolgreich durchbiss und mit einer Frau zusammenlebte.

Ihre Schwester Agnes verlegte sich auf die Porträtfotografie. Ihr Stil ist wesentlich weniger experimentell als der ihrer Schwester. Die Fotos zeigen meist Reisende, Musiker, Gelehrte in Griechenland – dem damaligen Sehnsuchtsort der Fotografen. Es sind sorgfältig gebaute, nur auf Kopf und Brust reduzierte Bilder, die später zunehmend theatralische Posen zeigen.

Auch Agnes Schaefer ist ein Opfer ihrer Zeit: Sie wählte 1933 bei einer Wanderung in Griechenland den Freitod – vermutlich hatte die Machtergreifung der Nationalsozialisten ihren Lebensmut gebrochen.

Einzige Überlebende ist die dritte Schwester: Susanne Ritscher. Wie ihre Schwester Käthe malte sie, erreichte aber nie deren Bekanntheitsgrad.

Die Ausstellung „Käthe Loewenthal und ihre Schwestern“ ist bis zum 18. November in der Jakob-Kemenate, Kemenate Hagenbrücke, dem Augustinum Braunschweig, dem Bankhaus Löbbecke und im Hauptbahnhof Braunschweig zu sehen.

Alle Informationen unter www.kemenaten-braunschweig.de.

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